Keinen Himmel voller Geigen, aber einen mit deutlich mehr Ryanair-Flugzeugen zeichnet Andreas Gruber. Aber nur dann, sollte die Bundesregierung die Flugabgabe streichen, sagt der Geschäftsführer der Ryanair-Tochter Laudamotion (26 Flugzeuge) und Ryanair-Repräsentant in Österreich.  Sieben von zehn Staaten in Europa hätten keine derartige Abgabe, erklärt Gruber, mit 12 Euro je Person belaste Österreich Passagiere bzw. Airlines am drittstärksten.

„Lächerlich gering“

Für Gruber ein Bremsklotz für die Wachstumspläne der irischen Low-Cost-Airline. Für einen „lächerlich geringen“ Gegenwert, meint Gruber: Rund 168 Millionen Euro nimmt Österreich über die Abgabe ein. „Mehreinnahmen von einer Milliarde Euro“ seien indes möglich, etwa durch mehr Touristen, sollte die Abgabe ersatzlos gestrichen werden. „Wir kämpfen für die gesamte Branche“, sagt Gruber. Die Prognose, Wien könnte 2026 zehn Prozent an Passagieren einbüßen, müsste „die Alarmglocken schrillen lassen.“ Bei durchschnittlichen Ticketpreisen von 45 bis 50 Euro sind Billigairlines besonders betroffen, 12 Euro würden 25 Prozent der Ticketkosten repräsentieren.

Ryanair-Österreich-Chef Andreas Gruber und Flughafen-Klagenfurt-Direktor Maximilian Wildt
Ryanair-Österreich-Chef Andreas Gruber und Flughafen-Klagenfurt-Direktor Maximilian Wildt © Klagenfurt Airport

Rückkehr nach Graz

Zuckerbrot und Peitsche: So könnte man Grubers Planung bis 2030 beschreiben, je nachdem, ob die Abgabe bleibt oder nicht. Fällt die Abgabe, will Ryanair bis 2030 von bzw. nach Österreich auf 40 neuen Routen um 70 Prozent mehr Fluggäste (12,5 statt 7 Millionen) transportieren. Wachstumsprofiteur wäre vor allem Wien (11,5 Millionen), aber auch Salzburg, Linz und Klagenfurt (von 100.000 auf 200.000 Passagiere). Die zwei weißen Flecken auf der Landkarte der irischen Billigairline, Innsbruck und Graz, würde man mit jeweils 100.000 Fluggästen bis 2030 füllen. Bis 2012 flog Ryanair ab bzw. nach Graz.

„Wir liefern auch“

Gruber hat aber auch die Peitsche im Gepäck: 2026 habe Ryanair die Zahl der Sitzplätze schon um eine Million reduziert, fünf Flugzeuge seien abgezogen worden. „Ändert sich nichts, würde es so weitergehen“, erklärt Gruber. Er drohe nicht, betont er: „Das ist keine Erpressung, sondern nur offen und ehrlich. Wenn Ryanair etwas ankündigt, liefern wir auch.“

Klagenfurt „unfassbar praktisch“

Fünfmal pro Woche fliegt Ryanair in diesem Sommer ab Klagenfurt nach Palma, dreimal nach London. Der Flughafen Klagenfurt dürfte für den Fall eines Auslaufens der Abgabe mit ein bis zwei neuen Verbindungen pro Jahr rechnen. Vor allem Polen wäre Flughafendirektor Maximilian Wildt wichtig. Der Kärntner Flughafen sei „unfassbar praktisch“, lobt Gruber, Regionalflughäfen wie Klagenfurt würden vom Aus der Flugabgabe besonders profitieren.

In Kärnten weiß man freilich, wie schnell Ryanair auch wieder den Abflug macht: Nur einen Winter lang flogen die Iren 2022/2023 von Klagenfurt nach Manchester, Brüssel und Dublin, der Flug nach Alicante wurde Ende Sommer 2025 wegen der zu hohen Kosten in Anbetracht der Erlöse eingestellt. Klagenfurt ist massiv von Ryanair abhängig: Mehr als die Hälfte der Fluggäste nutzt die Airline.