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Nachbarschaftshilfe & CoSolidarität in Zeiten der Corona-Krise

Überall im Land entstehen in diesen Tagen Initiativen, um jenen zu helfen, die jetzt unsere Hilfe brauchen. Wir zeigen Beispiele, wo Menschen zusammenstehen - auch wenn sie Abstand halten müssen.

 

Die Kapfenberg Bulls mit Trainer Mike Coffin (links) liefern ab heute Essen und erledigen Einkäufe Foto © kk

Spiel- und Trainingsbetrieb haben die Bulls aus Kapfenberg, wie auch alle anderen Sportvereine der Steiermark, eingestellt. Der österreichische Serienmeister im Basketball liegt aber nicht auf der faulen Haut – im Gegenteil. Unter dem Hashtag #bullshelfen haben die Kapfenberger einen Lieferdienst eingerichtet, der gefährdeten Menschen in der Umgebung von Kapfenberg und Aflenz hilft.

„Ein Fuhrpark mit fünf Autos, zwei Mitarbeiter an der Telefon-Hotline und sechs Spieler, die zustellen“, sagt Sportdirektor Michael Schrittwieser. Der Dienst ist – „selbstverständlich“ – kostenlos. Geplant ist auch, mit dem Partner „Sporthotel Grabner“ Essen zu liefern – ab heute. „Völlig egal, wie groß die Nachfrage ist. Wir haben auch keinen Plan, starten sofort und machen das bis auf Widerruf“, sagt Schrittwieser. Hilfsbedürftige können via E-Mail an family@bulls-basketball.eu oder telefonisch unter 0676 847885777 mit den Bulls Kontakt aufnehmen.

„Nachbarschaftshilfe und Solidarität“ seien jetzt gefragt. „Wirtschaftlich ist die Situation für uns mehr als nur herausfordernd. Das bringt den Verein an seine Grenzen“, sagt Schrittwieser. „Das Sportliche ist in den Hintergrund gerückt. Gesundheitlich geht es uns allen gut und daher wollen wir unbedingt etwas für die Allgemeinheit tun.“

Lebensmittel-Notfallpakete in Knittelfeld

Knittelfelds Bürgermeister Harald Bergmann (rechts, im Bild mit Siocherheitsreferent Klaus Wallner) setzt auf Notfallpakete Foto © kk

Es gibt viele hilfsbereite Bürger und ich finde Einzelinitiativen gut, aber ich glaube, das gehört von Anfang an auf professionelle Beine gestellt“, sagt Harald Bergmann, Bürgermeister der 13.000-Einwohner-Stadt Knittelfeld. Da niemand wisse, wie sich die Lage entwickelt, sei ihm wichtig, dass die Hilfe „nicht an die Grenzen Einzelner stößt, sondern nach oben skalierbar ist“.

Bergmann setzt deshalb auf von der Stadtgemeinde organisierte Zweiteilung der Hilfe: „Um Menschen, die es brauchen, mit Lebensmittel-Notfallpaketen versorgen zu können, setzen wir Mitarbeiter der Stadtgemeinde ein“, so Bergmann. Zweier-Teams aus dem Bürgerservice und dem Bauhof sowie durch Schließungen zur Verfügung stehende Mitarbeiter von Stadion und Schwimmbad werden dafür eingesetzt. „Wir wissen nicht, welche Bedürfnisse darüber hinaus noch entstehen, aber Besorgung von Medikamenten oder Ähnliches wird sicher dabei sein“, so Bergmann. Dafür wolle man Freiwillige einsetzen.

Die Notfallpakete sollen für gut eine Woche reichen und enthalten unter anderem Fisch und Bohnen in Dosen, Erdäpfel, Fertigsuppe, Öl, Eier, Mehl, Nudeln, Zucker, Zwieback, Schokolade, Haltbarmilch und Taschentücher. Zusammengestellt werden sie vom „Wohlfühlladen“, einem Greißler im Ortsteil Apfelberg. Die Helfer stellen die Boxen vor die Tür, sodass kein direkter Kontakt entsteht. Die Stadt finanziert die Pakete vor und stellt später eine Rechnung. Heute werden noch Vorbereitungen getroffen, ab morgen ist das Corona-Hilfsteam unter Tel. (03512) 832 11 501 erreichbar.

Corona-Hilfsnetzwerk in Eisenerz

Eisenerz, Corona, Christian Klettner, Hilfestellungen fuer Hilfsbeduerftige wegen Coronavirus
Christian Klettner setzte in Eisenerz ein Hilfsnetzwerk in Gang Foto © Christian Klettner

Für mich war sofort klar, dass wir unserer älteren Generation helfen müssen. Glücklicherweise waren auch gleich andere Eisenerzer mit dabei“, sagt Christian Klettner überzeugt. Er hat Samstag begonnen, ein Corona-Hilfsnetzwerk aufzubauen. Klettner: „Es ist einfach schön, was da für ein Echo war. Es haben sich viele gemeldet, die gesagt haben, wir sind da, wenn Hilfe gebraucht wird. Ich sage bei allen jetzt schon danke“, erzählt der 37-jährige Produktionsmitarbeiter, der seinen Urlaub nutzt, um zu helfen. „Auch Angehörige, die weiter weg wohnen und ihre Eltern bei uns in der Stadt haben, haben uns kontaktiert, weil sie wissen wollten, wie wir helfen können“, erzählt Klettner.

 Sonntag ging es dann ans weitere Koordinieren. 1100 Flugzettel wurden in Eisenerz verteilt, um mitzuteilen, wo man Hilfe bekommen kann. Mitgeliefert wurde auch gleich eine Liste mit Lebensmitteln, die besorgt werden können. Auch die Gemeinde unterstützt mittlerweile die private Initiative. „Nun wollen wir die Hilfe gut organisieren. Gemeinsam sind wir stärker“, sagt Mitstreiter Reini Schenkermayer.

Wer Hilfe benötigt, kann diese telefonisch anfordern, und zwar bei bei Christian Klettner (0664 3561361), Reini Schenkermayer (0664 2440094), Stefanie Rieder (0664 8581723) oder beim Info-Telefon der Stadtgemeinde Eisenerz (0664 8219512).

"Fridays for Future"-Solidarität

Sie demonstrieren für's Klima, im Augenblick demonstrieren sie Solidarität in der Krise: Fridays for Future Graz Foto © Ballguide/Christof Hütter

Seit mehr als einem Jahr gehen wir auf die Straße, um auf eine Krise aufmerksam zu machen. Jetzt ist eine weitere hinzugekommen, und wir werden nicht tatenlos dabei zusehen, sondern angemessen reagieren“, sagt die 23-jährige Grazerin Valerie Peer. Sie engagiert sich im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung eigentlich gegen den Klimawandel. Entsprechende Aktionen liegen wegen der aktuellen Corona-Krise bereits seit Tagen auf Eis. Trotzdem wollen sich die jungen Steirer nun einbringen: „Es benötigt Menschen, die denen helfen, die besonders gefährdet sind“, sagt sie.

Daher werden derzeit alle Kräfte gebündelt, um vor allem älteren Menschen oder jenen mit einem geschwächten Immunsystem wichtigen Erledigungen wie den Einkauf abzunehmen: „Wir suchen dafür Freiwillige nicht nur in Graz, sondern der ganzen Steiermark über unsere WhatsApp-Gruppe. Jeder kann sich anschließen, nicht nur unsere Aktivisten“, betont Peer. All jene die Hilfe suchen oder mitmachen wollen, können sich über Facebook, Instagram und Twitter melden.

Darüber hinaus wird in den nächsten Tagen ein Formular auf den sozialen Medien bereitgestellt: „Das kann man ausdrucken und in Häusern anbringen.“ Benötigt jemand aus der eigenen Umgebung Unterstützung, kann er sich auf diese Weise eintragen. Denn:„Wir müssen die Anzahl der Neuinfektionen senken, damit unser Gesundheitssystem nicht überlastet und wir die Krise bald überstehen”, so Peer.

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