Die E-Werk Gleinstätten GmbH, auch bekannt als KTG Austria, eröffnete kürzlich ihr neues Wasserkraftwerk an der Sulm bei Haslach. Die Anlage wurde in den vergangenen Monaten flussaufwärts des bestehenden Kraftwerks errichtet und mit einer speziellen Wasserkraftschnecke ausgestattet, die für maximale Effizienz sorgt.
Die Spezialanfertigung der niederländischen Firma Noardling wiegt rund neun Tonnen und wandelt die Kraft des Wassers in elektrische Energie um. „Die Wasserkraftschnecke ist hier wesentlich effektiver als herkömmliche Turbinen, da Fallhöhe und Wassermenge in der Sulm gering sind“, erklärt Geschäftsführer Arnold Prattes.
350.000 kWh Strom pro Jahr
Pro Minute dreht sich die Schnecke 26-mal um die eigene Achse. Eine Übersetzung im Kraftwerksgebäude erhöht die Drehzahl auf rund 1.800 Umdrehungen pro Minute, mit denen schließlich der Generator angetrieben wird. Im Regelbetrieb soll die Anlage rund 350.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen. Die Spitzenleistung des Kraftwerks liegt bei 67 kW.
Das Wasserkraftwerk sowie die firmeneigenen Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 100 kW decken etwa zehn Prozent des gesamten Strombedarfs der Kunden in Gleinstätten und Pistorf ab. Insgesamt versorgt die E-Werk Gleinstätten GmbH 1.275 Haushalte in den beiden Ortschaften mit elektrischer Energie.
Die Entscheidung zum Neubau wurde vor dem Hintergrund des schweren Hochwassers im Sommer 2023 getroffen. Aufgrund der massiven Verschlammung des rund 1.400 Meter langen Zulaufkanals musste damals das alte Kraftwerk schräg unterhalb des Schlosses Gleinstätten stillgelegt werden. „Es war kostentechnisch vernünftiger, ein neues Kraftwerk zu bauen, als den Kanal wiederherzustellen“, sagt Prattes.
Zudem errichtete die E-Werk Gleinstätten GmbH an der Abzweigung des ehemaligen Zulaufkanals bereits Jahre zuvor eine Fischaufstiegshilfe, um die Sulm gemäß der Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie fischgängig zu machen. Die dadurch reduzierte Wassermenge führte dazu, dass das alte Kraftwerk schon vor dem Hochwasser nur noch mit Minimalleistung betrieben werden konnte.
Derzeit noch im Probebetrieb
Anlässlich des 130. Firmenjubiläums erfolgte schließlich im Juni 2025 der Spatenstich für den Neubau. Seit der Fertigstellung läuft die Anlage im Probebetrieb, demnächst soll jedoch der Regelbetrieb aufgenommen werden.
Dem stillgelegten alten Kraftwerk wurde indes eine neue Bestimmung zuteil: Der historische Maschinenraum wurde zu einem Museum umgestaltet, in dem Schulklassen erfahren, wie Wasserkraft funktioniert.