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Sommergespräch aus dem MurtalMusiker Robby Musenbichler: "Die Zeit wird kostbarer"

Seine Gitarrensoli gehen unter die Haut, als Komponist wie Produzent ist der gebürtige Knittelfelder Robert „Robby“ Musenbichler international gefragt. Über Schwerarbeit, Mallorca, genügend Schlaf.

Intensive Performance, live gibt Musenbichler alles © kk
 

Um den Hals ein Band mit einem Tachyonen-Amulett. Tiefgrün. Das Geschenk eines Freundes, es soll Energie geben. Die braucht der Bühnenschwerarbeiter Robert „Robby“ Musenbichler. Nein, er schleppt keine Container, er „würgt“ seine Gitarre für unglaublich intensive, unter die Haut gehende Riffs und Soli. Gerade wieder beim Tollwood-Festival in München mit Rainhard Fendrich. Beim Judenburger Stadtfest war er ebenso ein rockiger Höhepunkt, am Freitag spielte er live als „Stargast“ bei der Sendung „Daheim in Österreich“ aus Knittelfeld. Schon am Sprung zu den nächsten Auftritten, schenkt uns der Gitarrist, Sänger, Komponist und Produzent ein entspanntes Gespräch.

 

„Es ist kälter geworden“: Musiker und Fendrich-Band-Gitarrist Robby Musenbichler wünscht sich mehr „Miteinander“ Foto © Oberrainer

Robby Musenbichler, „I don´t wanna close my eyes“ titelt eine Nummer auf Ihrer jüngsten CD. Warum wollen Sie die Augen nicht zumachen?
Es passiert einiges auf der Welt, wo du nicht wegschauen kannst und darfst. Unmenschliche Dinge. Und ich möchte nicht, dass Ängste geschürt werden. Es ist kälter geworden. Nicht ein Gegeneinander, ein Miteinander wäre wichtig.

„Magic Guitars“, so ein weiterer Titel. Was ist für Sie magisch, wunderbar, auf dieser Welt?
Liebe im weitesten Sinn, einfach schöne Momente, schöne Musik. Ein empathischer Mensch, der von innen heraus strahlt. Ein unschuldiges Kind. Die Natur – ist sie nicht zerstört.

Sie sind als Künstler weltweit unterwegs, wo fühlen Sie sich am wohlsten?
In der Steiermark, in Österreich. Weil es noch ein sicheres Land ist, mit vielen Facetten. Die Menschen sind großteils sympathisch. Ich habe meine Wurzeln hier, meine Familie.

Fendrichs „I am from Austria“ gilt als heimliche Hymne Österreichs wie der Donauwalzer. Lust, auch diesen rockig zu vertonen?
Kann ich mir schon vorstellen, vielleicht passiert es ja noch.

Und die Bundeshymne ...
... habe ich schon oft vertont. Bei der MotoGP 2017 in Spielberg habe ich sie zur Eröffnung vor dem Start in einer Rockversion gespielt.

Falls Sie unsere Hymne auch singen – mit oder ohne Töchter?
Nein, ich singe nicht mit, kann gar nicht alle drei Strophen. Und die Töchter: Man muss nicht alles verthematisieren, es gibt Dringlicheres.

Sind Mozart und Falco Österreichs einzige Popmusiker?
Sie sind die bekanntesten. Aber da sind Opus, Supermax, und meine Band Tokyo war auch weltweit veröffentlicht.

Stichwort Mozart, Salzburg, Festspiele. Können Sie sich einen Auftritt bei „Jedermann“ vorstellen, wenn ja in welcher Rolle?
Nein, unvorstellbar – Schuster, bleib bei deinen Leisten. Und vor dem Tod habe ich Angst, dafür lebe ich viel zu gerne.

Lust, wie Stones-Mumie Keith Richards ein offenbar unverwüstlich ewiges Gitarristen-Leben zu leben?
Wenn du gesund bist und die Performance stimmt – so lange kannst du auf der Bühne stehen. Und sollst es lassen, bist du nur mehr ein bemitleidenswerter alter Musiker.

Sex, Drugs, Rock’n’Roll – ein in Stein gemeißeltes Triumvirat?
Das haben wir auch erlebt, nur die Zeiten sind vorbei. Irgendwann kommst du drauf, das ist nicht lebenswert. Die mahnenden Beispiele sind präsent.

Wie halten Sie sich fit? Die musikalische Intensität Ihrer Konzerte ist Schwerarbeit ...
Kein Alkohol, kein Nikotin, eine gesunde Ernährung, genügend Schlaf. Der ist wichtig für die Regenerationszeit. Früher habe ich viel Sport gemacht, bin gejoggt und habe Fußball gespielt – auch in Knittelfeld.

Heavy Rock, Al Bano, David Bowie, Bukowski. Ihre Bandbreite ist mehr als breit. Bevorzugen Sie eine Stilrichtung?
Ich spiele, was ich kann, also Rock und Pop im weitesten Sinn. Als Studio-Gitarrist spiele ich beinahe alles.

Sie sind Gitarrist von Fendrichs Band. Was zeichnet dieses Liedermacher-Urgestein aus?
Ich bin seit 20 Jahren bei ihm. Er ist ein absoluter Lyriker, die Inhalte der Texte betreffend. Sie haben Witz, sind tiefgründig. Es gibt nicht viel Vergleichbares im deutschsprachigen Raum.

Lieben auch Sie Mallorca?
Ja, es gefällt mir, bin ab und zu dort. Aber im touristisch nicht überlaufenen Landesinneren.

Mallorca, Karibik, Gänsehäufl, Schwimmbad Knittelfeld?
(Schmunzelt) Nur die Alternativen? Ich bleibe bei Mallorca. Die Karibik ist mir zu weit, ich fliege auch nicht gerne. Knittelfeld ist mir zu überlaufen, es kennt mich jeder, du hast keine Ruhe. Da bin ich für einen Wandertag eher am Ingeringsee.

Warum soll ein Musiker unbedingt am Donauinselfest spielen?
Erreichst du das, ist das schön, auch als Newcomer, es ist ja das größte Live-Open-Air-Festival Europas.

Ihr längstes Live-Solo?
Ich spiele schon so lang, keine Ahnung nach tausenden Konzerten. Die Qualität liegt in der Klasse des Solos.

Wie peinlich ist der Song Contest? Sie schrieben mit einem Team den Song „Venedig im Regen“ für Thomas Forstner.
Er ist peinlich geworden. Es geht nicht mehr um einen selbst komponierten Song, heute geht es hauptsächlich um die Inszenierung, es ist alles zu gleichgeschaltet. Wenige Schreiberteams gestalten die Beiträge für diesen Songwettbewerb. Mit einigen Ausnahmen.

Wann standen Sie schon einmal im Regen?
Bei einem technischen Defekt, es hat uns in Mariazell bei einem Live-Open-Air weggeschwemmt im wahrsten Sinn.

Gibt es einen Auftritt, der Ihnen peinlich ist?
Bei einem Auftritt in München fiel meine Anlage für zwei Titel aus – und das bei einem Video-Mitschnitt von Rudi Dolezal.

Welcher war ein besonders legendärer?
Der im Hammersmith-Odeon in London mit meiner Band Jojo. Wir traten drei Tage hintereinander auf.

Was ist besser als Musik?
(Überlegt). In Liebe leben zu können, Familie und Freunde zu haben.

Welche Musik berührt die Seele am meisten?
Die Antwort liegt in der Frage – eben Musik, die die Seele berührt. Die nicht oberflächlich, aber tiefgründig ist. Also vieles, von Chopin über Pink Floyd bis Stevie Wonder, Queen.

Was finden Sie cool?
Dieses Sommergespräch, es geht einmal um nicht übliche, nicht standardisierte Fragen.

Hier noch eine: Sie haben sich einst für uns für einen lockeren Murtaler Krapfentest in Judenburg zur Verfügung gestellt. Wer ist für Sie „ein Krapfen“?
Ich verwende den negativ behafteten Ausdruck nicht und bleibe dabei, im Fasching Krapfen zu essen.

Ihre Lebensphilosophie?
In Liebe und nicht an der Oberfläche leben. Im Jetzt zu sein. Weil die Zeit immer kostbarer wird.

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