Bruck an der MurInteco-Chef Harald Holzgruber: „Stillstand ist für uns keine Option“

Der Anlagenbauer Inteco ist 45 Jahre alt. Für Firmenchef Harald Holzgruber, den Sohn des Unternehmensgründers, sind diese 45 Jahre Erfolgsgeschichte aber kein Grund zum Ausruhen.

Die Familie Holzgruber mit Firmengründer Wolfgang (hinten links) und dem heutigen Chef Harald (vorne) beim 45-Jahr-Jubiläum
Die Familie Holzgruber mit Firmengründer Wolfgang (hinten links) und dem heutigen Chef Harald (vorne) beim 45-Jahr-Jubiläum © Michael Maili
 

Herr Dr. Holzgruber, aus aktuellem Anlass: Wie beurteilen Sie als Stahl-Anlagenbauer den Brexit und die Trumpschen Strafzölle?
HARALD HOLZGRUBER: Der Brexit ist für uns kaum ein Thema, das Vereinigte Königreich ist nicht der große Markt für uns.

Und die Strafzölle?
Wir verkaufen ja nicht Stahl, sondern Anlagen. Kurzfristig treffen uns diese Strafzölle gar nicht, kurzfristig könnten sie für uns sogar positiv sein, weil potenzielle amerikanische Produzenten selbst stärker investieren könnten. Aber das Damoklesschwert, das über uns hängt, sind Zölle auf Maschinen. In diesem Fall hätten wir dann keine Rechtssicherheit mehr bei unseren Verträgen von der Erstellung bis zur Lieferung. Da würden wir das volle Risiko tragen.

Und wie sieht das mittelfristige Risiko aus?
Mittelfristig wäre sicher die europäische Stahlproduktion durch Strafzölle beeinträchtigt, etwa durch einen geringeren Absatz. Dadurch könnten Investitionen zurückgestellt werden. Ein sogenannter Handelskrieg wäre wohl nicht förderlich für die gesamte Wirtschaftsentwicklung.

Droht dann eine Wirtschaftskrise wie 2008/2009?
Die Krise 2008 hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaft gehabt, sie ist auf eine absolute Hochkonjunktur gefolgt. Heute sind wir stabil, aber es gibt nach wie vor eine Überkapazität bei den Anlagenbauern. Das drückt natürlich auf die Preise.

Inteco Group

Der Anlagenbauer Inteco wurde im Jahr 1973 von Wolfgang Holzgruber und Ludwig Schwarz (1999
ausgeschieden) gegründet.
Der erste Auftrag kam 1979: eine ESU-Anlage für eine slowenische Firma.
Im vergangenen Jahrzehnt wurde von Bruck aus ein Netzwerk an Firmen, die Inteco Group, aufgebaut. Das Unternehmen ist weltweit der einzige Anbieter, der sämtliche Produktionsprozesse im Bereich der Flüssigbehandlung von Stahl, Ferro- und Superlegierungen unterstützt wie das Einschmelzen, Veredeln, Gießen und Umschmelzen.

Die Inteco Group ist neben Europa auch in Nord- und Südamerika sowie in Asien vertreten.

Die Firma Inteco hat die Wirtschaftskrise 2008/2009 gut überstanden. Wie steht das Unternehmen heute da?
Wir hatten 2016 sehr gute Aufträge, 2017 waren sie vernünftig, auch 2018 schaut es vernünftig aus, sagen wir: normal. Wir haben die letzten vier, fünf Jahre gut gearbeitet, haben in unsere Produkte investiert, unser Produkt-Portfolio erweitert. In Summe sind wir deutlich leistungsfähiger als noch vor einigen Jahren. Anders ausgedrückt: Wir haben gesät und müssen jetzt schauen, dass wir die Früchte tatsächlich ernten können. Aber Stillstand ist für uns keine Option. Ich bin jedenfalls positiv gestimmt.

Im Vergleich zu den großen Anlagenbauern ist Inteco ein kleiner Player. Kann diese Kleinheit auch ein Vorteil sein?
Ich vergleiche uns gerne mit RB Leipzig im Fußball. Auch wir spielen in der Ersten Liga, aber es mag uns keiner unserer Konkurrenten. Wir sind sozusagen ein lästiger Mitbewerber. Aber wir haben keinen Geldgeber wie Dietrich Mateschitz wie RB Leipzig, wir müssen uns alles selbst erarbeiten. Tatsächlich sind wir mit unserer Kleinheit und unserer schlanken Struktur flexibler und schneller.

Abgesehen von den Mitbewerbern: Wie werden Sie von den Kunden gesehen?
International werden wir immer stärker als qualitativ hochwertiger Lieferant gesehen, als Alternative zu den großen Anbietern.

Wie viele Mitarbeiter hat Inteco und wie viele die großen Player unter den Anlagenbauern?
Wir haben insgesamt rund 400 Mitarbeiter, davon mehr als 200 in Österreich, also in Bruck und Graz. Zum Vergleich haben die großen Mitbewerber 3000 Mitarbeiter.

Sie haben aber auch ein breiteres Produkt-Portfolio und einen größeren Markt. Wie gut passt für Sie der Standort Bruck?
Wir hatten ja früher Platzprobleme hier an unserem Brucker Standort. Damals hat es durchaus Überlegungen zur Verlegung der Firma gegeben, aber nur innerhalb der Region. Dieses Problem konnten wir aber durch den Kauf des Nachbargebäudes lösen. Bruck ist jedenfalls ein guter Standort. Zum einen, weil die Stadt ein Verkehrsknotenpunkt ist. Zum anderen, weil wir hier in der klassischen österreichischen Eisen- und Stahlregion sind. Hier gibt es die Tradition der Eisenindustrie und die entsprechenden Ausbildungsstätten.

Stichwort Facharbeitermangel: Wie sehr trifft er Sie?
Der Facharbeitermangel ist ein Faktum. Aber Inteco braucht in erster Linie Ingenieure, HTL-Absolventen. Noch ein Wort zur Ausbildung: In den Fachhochschulen fehlt mir die spezifisch technische Ausbildung, die von Betrieben wie etwa unserem benötigt wird.

In den Fachhochschulen fehlt mir die spezifisch technische Ausbildung, die von Betrieben wie etwa unserem benötigt wird.

Harald Holzgruber

Bei der Jubiläumsfeier zum 45-jährigen Bestehen der Firma Inteco in der Vorwoche lautete das Motto „Superheroes made of Steel“ mit Superman und Batman. Zum Vierziger im Jahr 2013 war James Bond die Leitfigur. Welche Steigerung ist zum 50-Jahr-Jubiläum noch möglich?
Unsere Jubiläumsfeiern sind auch eine Botschaft an unsere Kunden, daher treiben wir einen gewissen Aufwand, um ihnen etwas zu bieten – und das natürlich nicht nur zu den Jubiläen. Unsere Mitarbeiter geben täglich ihr Bestes, um den Kunden auch das Beste zu bieten. Und zum Fünfziger wird uns sicher wieder etwas einfallen.

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JL55
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Herzliche Gratulation

zum 45. Bestandsjubiläum Ihrer Firma Inteco, Herr Holzgruber! Wünsche weiterhin kreative und umsetzbare Ideen für das Unternehmen! Gut, dass es diese Firma gibt, die einen regionalen Standort hat und auch zum Wohle der Mitarbeiterinnen mit vorausschauenden Investitionen absichert!

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