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Mariazell

Gesundheitssystem ohne Krankenhaus

300 Besucher drängten sich im Raiffeisensaal von Mariazell, wo ihnen ihr neues Gesundheitssystem erklärt wurde. Das LKH wird von einer „Primären Versorgungseinheit“ ersetzt.

300 Mariazeller informierten sich über ihr neues Gesundheitssystem
300 Mariazeller informierten sich über ihr neues Gesundheitssystem © Franz Pototschnig
 

Hektisch wurden am Donnerstagabend noch Sessel in den Raiffeisensaal getragen, dennoch mussten viele Besucher stehen. Kein Wunder, schließlich wurde der Bevölkerung ihr neues Gesundheitskonzept präsentiert – ohne Krankenhaus, aber mit enger Verzahnung mehrerer Einheiten.

„Ich bitte euch, lassen wir die Vergangenheit ruhen. Es haben hundert Dinge nicht gepasst, aber schauen wir in die Zukunft“, appellierte Bürgermeister Manfred Seebacher ans Publikum. Und weiter: „Ich glaube, dass diese Zukunft viel, viel besser ist als die jetzige Situation.“

Dem schloss sich auch Gesundheitslandesrat Christopher Drexler an, der an viele Fortschritte und Rückschläge in den letzten Jahren erinnerte. Es ging stets um eines: eine gute Lösung angesichts schwieriger Rahmenbedingungen zu finden. Drexler ist überzeugt: „Wir haben etwas entwickelt, das österreichweit für Aufsehen sorgen wird.“
Ein Problem war, alle Beteiligten ins Boot zu holen. Das gelang: Am Podium saß der Kages-Vorstandsvorsitzende Karlheinz Tscheliessnigg ebenso wie die Obfrau der Gebietskrankenkasse Verena Nussbaum, Ärztekammer-Vizepräsident Jörg Garzarolli-Thurnlack sowie Michael Koren und Bernd Leinich vom Gesundheitsfonds Steiermark.

Tscheliessnigg brachte es auf den Punkt: „Sie leben hier in einer wunderschönen Gegend, aber fernab der medizinischen Spitzenversorgung. Es gibt offenbar nichts, wofür man nicht bezahlen muss.“

Viel Fläche, wenig Leute

Patrick Killmaier, chirurgischer Oberarzt und ausgebildeter Notarzt, wird der ärztliche Leiter des neuen Systems sein, dessen Grundzüge er erläuterte: „Kernstück ist die ,Primäre Versorgungseinheit’, die im bisherigen LKH untergebracht sein wird.“ Dort wird ein Kernteam von drei ausgebildeten Notärzten das medizinische Tagesgeschäft verrichten, und zwar an sechs Tagen jeweils von 9 bis 19 Uhr, am Montag ist geschlossen. „Am siebenten Tag arbeite ich noch, weil ich überzeugt bin, dass dies notwendig ist“, sagte Bürgermeister Seebacher, der übrigens von allen Seiten viel Lob und vom Publikum viel Applaus für seinen konstruktiven Einsatz erhielt.

Die „Primäre Versorgungseinheit“ bietet Diagnostik bei Erkrankungen oder Verletzungen, Röntgen, Blutlabor, Ultraschall, EKG und kleine chirurgische Eingriffe. Verbands- und Katheterwechsel gehören ebenfalls dazu wie Physiotherapie, Ergotherapie und anderes.

 

Geben wir diesem System eine Chance. 

Manfred Seebacher

Ärztekammer-Präsident Garzarolli betonte: „Dies ist eine Ergänzung, aber kein Ersatz für die Arbeit der niedergelassenen Ärzte.“ Außerhalb der Öffnungszeiten der Versorgungseinheit entscheidet ein „Telefonarzt“, welche Maßnahmen zu setzen sind. Für Unfälle und andere Akutfälle ist auch weiterhin der Notarzt zuständig, wobei länderübergreifend mit Niederösterreich kooperiert werden soll. Außerdem will man mit dem Helikopter bald auch nachts fliegen.

Die Diskussion verlief sehr ruhig, es gab Bedenken etwa zum Telefonarzt, zum Notarztsystem und zu den Kapazitäten des Roten Kreuzes. Seebacher appellierte ans Publikum: „Geben wir diesem System eine Chance.“ Und Landesrat Drexler bat um Mithilfe: „Wenn etwas nicht passt, scheuen Sie sich nicht, bei uns allen lästig zu sein.“

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