Gewisse Ideen von früher klingen heute so erfunden, dass sie fast nicht einmal mehr als Aprilscherz durchgehen würden. Ein Blick ins Archiv verrät allerdings: Bestimmte Schlösser waren in der Vergangenheit gar nicht so aus der Luft gegriffen.

Der Traum vieler Pendler etwa: Obwohl die B 20 wieder gesperrt ist, muss man nicht über den Pogusch torkeln, sondern kann diesen geschwind durch einen Tunnel passieren. Die Idee dafür kam wieder einmal im Jahr 1996 auf. Ein Mitarbeiter der Brucker Bezirksbauleitung hatte dazu eine „Planungsidee“ ausgearbeitet.

Kein B 20-Ärger mehr

Zehn Jahre später hat auch der damalige Etmißler Bürgermeister Johann Jobstmann diese „Vision“ bei einem Workshop der Region Hochschwab Süd präsentiert. „Das wäre für das gesamte Aflenzer Becken eine gute Anbindung an die Semmering-Schnellstraße S 6 und würde die Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben in der Region begünstigen“, argumentierte er im Jahr 2007 in der Kleinen Zeitung .

Ein gewohntes Bild auf der B 20
Ein gewohntes Bild auf der B 20 © KLZ / Moritz Prettenhofer

Ein Tunnelportal sollte im Bereich des Roanwirts zwischen Parschlug und St. Lorenzen sein, das andere in Thullin im einstigen Gemeindegebiet von Aflenz-Land. Der damalige Bürgermeistersprecher der Kleinregion, Günther Wagner, hat dazu nur milde gelächelt. Die zuständige Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder winkte mangels Priorität ab.

Thermalbohrung machte Kindberg kreativ

Abwinken musste in den frühen 2000er-Jahren auch einigen Ideen in Kindberg, nachdem man bei einer Thermalbohrung in Allerheiligen in 1524 Metern Tiefe auf Wasser stieß. Es war 47 Grad warm, erfüllte die Kriterien für Heilwasser und war mit zwölf Litern pro Sekunde ausreichend für eine Therme. Ein halbes Jahr später war die Stadt Kindberg gemeinsam mit dem Land Steiermark bereits mitten in „Investorengesprächen“.

Aber die Euphorie war schaumgebremst, denn das Land machte klar, dass eine konventionelle Therme wie etwa in Bad Loipersdorf oder Bad Blumau kein Thema sei. Sie würde nur die Thermengäste anders verteilen, aber keine zusätzlichen Gäste ansprechen.

Im März 2003 stieß man in Allerheiligen auf Thermalwasser
Im März 2003 stieß man in Allerheiligen auf Thermalwasser © Franz Pototschnig

Dennoch wurde ein Konzept für eine „Rosegger-Therme" mit 200 Betten erstellt. Es folgte die Gesundheitstherme „Vitalineum", die nächste Idee war eine Delfintherapie für Kinder aus ganz Europa.

Der damalige Landeshauptmann-Stellvertreter Leopold Schöggl (FPÖ) stellte bereits einen Spatenstich für April 2005 in Aussicht. Aber aus der Delfintherapie wurde ebenso wenig wie aus all den Ideen, die danach noch kamen - von der Shrimpszucht über die beheizte Großgärtnerei bis zum Hallenbad mit Saunadorf.

Seilbahn zwischen Bruck und Kapfenberg

Mit einer luftigen Idee hoch hinaus wollte man um das Jahr 2010 auch zwischen Bruck und Kapfenberg. Der heutige Staatssekretär Jörg Leichtfried hat schon vor der Gemeindestrukturreform eine Fusion der Städte Bruck und Kapfenberg angeregt, als er mit dem Flugzeug von Graz nach Wien drübergeflogen ist.

Im Zuge dessen dachte auch der damalige Kapfenberger ÖVP-Vizebürgermeister Erwin Fuchs „groß“ und hat über eine Seilbahn zwischen Burg Oberkapfenberg und dem Brucker Schlossberg zu sinnieren begonnen. Dazu hat gut gepasst, dass der damalige Brucker FPÖ-Chef Kletus Schranz über einen Schrägaufzug von der Brucker Altstadt auf den Schlossberg laut nachdachte. Wie bei den Luftschlössern blieb es auch nur bei der Denkphase.