Wer in Schladming oder im Ausseerland mit einem Hüttendorf nach dem Buy-to-let-Modell vorstellig wird, der wird mit den sprichwörtlichen nassen Fetzen verjagt. Dort ist klar: Aus Grund und Boden darf nicht noch mehr Betongold geschürft werden. Zweitwohnungsbesitzer gibt es auch schon mehr als genug. Im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag ticken die Uhren in dieser Hinsicht noch etwas anders.

Etwa in der Gemeinde Tragöß-St. Katharein. Jetzt kann man nicht sagen, dass es dort keinen Tourismus gibt. Im Gegenteil, der Grüne See ist eigentlich als Naturjuwel österreichweiter Gästemagnet schlechthin. Tausende Menschen pilgern im Sommer zu dem einstigen Sieger des ORF-Formats „9 Plätze – 9 Schätze“. Die meisten von ihnen sind Tagesgäste, die Nächtigungsmöglichkeiten vor Ort aber ziemlich überschaubar.

Mit dem ehemaligen Formel-1-Zampano Helmut Marko, der das ehemalige Julienheim in Tragöß wachküsst und dort gerade ein kleines, aber feines Hotel errichtet, bekommt der Ort nach längerer Zeit wieder nennenswerten Bettenzuwachs. Noch heuer soll das Projekt fertig werden. Markos Standortvorteil: Sein Haus liegt wirklich unmittelbar am Grünen See.

Geschäftsführer der Green Lake GmbH Ronald Ertl
Geschäftsführer der Green Lake GmbH Ronald Ertl © Green Lake Gmbh

Nur eineinhalb Kilometer weiter entstehen derzeit aber zusätzliche Nächtigungsmöglichkeiten. Der Grazer Ronald Ertl errichtet dort mit seiner „Green Lake GmbH“ ein Hütten- bzw. Chaletdorf, das ebenfalls Form annimmt. Er setzt auch auf gehobene Klasse: Seine massiven Blockhäuser sind mit Whirlpool und Sauna ausgestattet. Die drei bereits bestehenden Hütten sind gleichzeitig Vorzeigeprojekte in Sachen Batterie- und Solartechnik.

Familienbasierte Eigentümerstruktur

Im Endausbau sollen 14 Holz-Chalets entstehen, die etwa 600 Meter vom Parkplatz des Grünen Sees entfernt liegen. Auch die alte Schmiede des Ortes ist Teil der Anlage. Das Projekt ist als Buy-to-let-Modell konfiguriert. Es gibt also, in der Regel, familienbasierte Einzeleigentümer, die ihr Chalet teilweise auch an andere vermieten und dadurch Einnahmen generieren.

Jetzt im Mai will Ertl starten. „Fünf Ferienwohnungen in den Blockhäusern sind fertig“, sagt er und verweist, dass man überall auf den klassischen Buchungsplattformen vertreten sein wird. Jede Hütte hat eine Ladestation für E-Autos, ein kostenloses Shuttle von Bruck ist ebenfalls integriert.

Bei der Gemeinde hält man die Projektidee für gut, hätte sich aber gewünscht, dass alles viel schneller geht. „Die Umsetzung dauert schon einige Jahre und dann besteht immer die Gefahr, dass die Menschen das Interesse verlieren“, meint Bürgermeister Hubert Zinner. Ertl betont, dass hohe Zinsen und steigende Baukosten das Projekt etwas verzögert hätten. Weitere Blockhäuser würden nun je nach Verkauf an Interessenten aufgestellt.

Die Problematik rund um Zweitwohnsitze, Flächenverbrauch und steigende Grundstückspreise kennt man in Tragöß – noch – nicht. „Wir haben ausreichend Kapazitäten und Platz, es wäre gut, wenn die Infrastruktur besser ausgelastet würde“, freut sich der Bürgermeister, dass investiert wird.