Die Ballsaison ist zwar schon vorbei, für einen 17-Jährigen hat diese allerdings noch ein gerichtliches Nachspiel. Beim Besuch eines Maturaballs im Mürztal wurde er nämlich in eine Rangelei in der Disco verwickelt und schlug dabei offenbar einem 21-jährigen Holztechniker einen Zahn aus. Deshalb musste er sich nun am Bezirksgericht Bruck verantworten.

Alkohol und Adrenalin

„Wir haben das lange besprochen. Es war eine Geschichte, wo viel Alkohol im Spiel war. Es waren zehn Personen bei der Rangelei betroffen, es war nicht schlau da reinzugehen“, erklärt der Verteidiger des 17-Jährigen eingangs. Sein Mandant habe dabei sicherlich jemanden geschupft, einen Schlag könne man ebenfalls nicht ausschließen. „Da war viel Adrenalin im Spiel. Er ist ein braver Bursch‘ und hat sich noch nichts zuschulden kommen lassen“, erläutert der Anwalt und regt ein diversionelles Vorgehen an.

Der 17-Jährige selbst kann sich kaum noch an den Abend erinnern. Seine Freunde hätten ihm damals gesagt, dass es zu einer Rauferei gekommen ist, von seiner Beteiligung hätten diese aber nichts gewusst. „Warum haben Sie der Polizei später gesagt, dass Sie nicht beim Ball waren?“, fragt der Richteramtsanwärter, der die Verhandlung im Beisein von Bezirksrichter Michael Auracher führt. „Ich war nervös und mir in dem Moment nicht sicher, wann der Ball war“, erwidert der Angeklagte und betont: „Ich bin bereit, die Verantwortung zu übernehmen.“

Leberkäse nach Untersuchung

Somit ist es nicht notwendig, die zahlreichen geladenen Zeugen zum Vorfall zu vernehmen. Das 21-jährige Opfer kommt aber noch zu Wort, wenngleich auch er sich an den Schlag selbst nicht erinnern kann. „Ist das wegen dem Alkohol oder wegen dem Treffer?“, möchte der Richteramtsanwärter wissen. „Das kommt vom Schlag, ich weiß vorher und nachher noch, was passiert ist“, erwidert das Opfer.

„Wie viel haben Sie getrunken? Zehn Bier?“, geht die Befragung weiter. „Na, so viel waren‘s nicht, nur sieben.“, meint der 21-Jährige, der außerdem zehn Bacardi-Cola konsumierte.

Nach der Schlägerei sei er nach draußen begleitet worden, wo ihn die Polizei und das Rote Kreuz nach ihrem Eintreffen kurz durchgecheckt hätten. „Ich hab mir dann noch eine Leberkäs‘semmel geholt, die konnt ich aber nicht gar so gut essen“, erzählt der junge Mann und sorgt damit für Erheiterung im Gerichtssaal.

Monatelange Schmerzen

Weniger lustig sind die Schmerzen, die er laut eigenen Angaben knapp zwei Monate lang während der Wurzelbehandlung aufgrund eines eingeklemmten Nervs verspürte. Die Anwältin des 21-Jährigen meldet 1000 Euro als Privatbeteiligtenanschluss an. Dieser wird vom 17-Jährigen auch anerkannt.

Somit wird eine Diversion beschlossen. „Stellen Sie sich vor, das ist wie der Joker bei der Millionenshow“, erklärt Auracher dem Angeklagten, der zu 60 Stunden an gemeinnütziger Leistung und einem Teilschmerzensgeldbetrag von 1000 Euro verurteilt wird.