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Politik internKeine Gelder mehr für Grazer Spionage-Zentrum

Das Geheimdienst-Zentrum ACIPSS (Austrian Center for Intelligence, Propaganda und Security Studies) des Historikers Siegfried Beer bekommt keine finanzielle Unterstützung mehr von der Uni.

Siegfried Beer: Sein Spionage-Zentrum ist in Nöten © KLZ/Marija Kanizaj
 

An der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Grazer Universität geht der Umbau im Geschichte-Bereich munter weiter. Gab es vor knapp zwei Jahren einen Wirbel um die Nachbesetzung von Zeithistoriker Helmut Konrad, entschwindet jetzt eine weitere Institution: Das Geheimdienst-Zentrum bekommt nun keine finanzielle Unterstützung mehr von der Uni, weil Initiator und treibende Kraft, der Uni-Historiker Siegfried Beer (70), sich zurückzieht. Letzte Woche wurde ein neuer Vereinsvorstand gewählt mit Paul Schliefsteiner (Obmann) und Stellvertreter Florian Traussnig (wissenschaftlicher Leiter).


Schon in all den Jahrzehnten war die Begeisterung der Uni für dieses einzigartige Zentrum mit dem unaussprechbaren Namen ACIPSS (Austrian Center for Intelligence, Propaganda und Security Studies) ein Stiefkind der Uni. Rund 15.000 Euro betrugen die Zuschüsse für die aufwendige Zeitschrift, ein Mini-Sekretariats-Stundenkontingent gab es auch. Schliefsteiner will in den nächsten Tagen nochmals mit Rektorin Christa Neuper ins Gespräch kommen.


Der Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät, Michael Walter, bedauert die Entwicklung. Aber: „Wir können nicht alles finanzieren.“ Seine Aufgabe ist allerdings nicht einfach, hagelt es doch immer wieder Kritik daran, dass Deutsche alle Posten besetzen würden – insbesondere im Bereich der Zeitgeschichte. Wie erwähnt, wurde nach scharfer diesbezüglicher Kritik die Nachfolge Konrad vertagt. Eine Zwischenlösung zerschlug sich, sodass jetzt im Frühherbst das Verfahren neu aufgerollt wird, wobei das Thema Migration berücksichtigt werden soll. Walter, erst seit einem halben Jahr Dekan, will den Deutschen-Vorwurf aber so nicht stehen lassen.


So nimmt eben eine Laufbahn-Professur von Börries Kuzmany Gestalt an. Der hochkarätige, junge Wiener Historiker, der große EU-Forschungsmittel erhalten hat und an der Akademie der Wissenschaften tätig ist, behandelt das Thema  Zentraleuropa/Habsburgerreich/19. Jahrhundert und würde eine ganze Arbeitsgruppe mitziehen. Übrigens geht eben auch der bekannte Historiker Dieter A. Binder derzeit in Pension.


Und wie wird es jetzt mit dem „Spionage-Zentrum“ weitergehen? Noch immer hofft der Verein, dass in diesen bewegten Zeiten auch Bundesheer und Innenministerium aufspringen könnten. Und vielleicht tut sich ja – wie schon einmal – ein privater Mäzen auf.

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