Negative StellungnahmenDie umstrittene Tiefgarage beim Eisernen Tor steht vor dem Aus

Stellungnahmen der Fachabteilung zur Bienenstock-Garage sind durchgängig negativ, heißt es. Jetzt ist die Grazer Politik am Zug.

Die automatisierte Tiefgarage mit Bienenstock-System und E-Ladestationen: Die Politik muss nun eine Entscheidung über den Standort Eisernes Tor treffen © STROHECKER ARCHITEKTEN
 

Die Idee spaltete die Stadt. Für die einen war es eine weltweite Innovation, für die anderen ein plumper Magnet für noch mehr Autoverkehr im Grazer Zentrum. Die Rede ist von der automatisierten Tiefgarage mit Bienenstock-System beim Eisernen Tor mit 600 Stellplätzen, die im September vorgestellt wurde.

Die politischen Fronten waren klar gezogen: Die schwarz-blaue Koalition war dafür, alle anderen vehement dagegen. Um mehr Sachlichkeit in die Diskussion zu bekommen, hat Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) Stellungnahmen aller zuständigen Fachabteilungen zusammentragen lassen.

Diese sind nun eingetroffen – und alle sind durchgängig negativ, wie es im Rathaus heißt. Eine Grundsatzkritik daraus: Die beiden Tiefgaragen (unter dem Brunnen und beim ehemaligen Scheiner-Haus) mit 600 Stellplätzen widersprechen den verkehrspolitischen Leitlinien, die sich die Stadt selbst gegeben hat. Diese sehen nämlich einen klaren Vorrang für den öffentlichen Verkehr sowie Fuß- und Fahrradverkehr vor.

Ich bin vor allem an der Technik interessiert, weil man damit platzsparend bauen kann.

Vizebürgermeister Mario Eustacchio hängt nicht so sehr am Standort

Offiziell will die Stellungnahmen zwar noch niemand bestätigen, weil Nagl selbst derzeit noch auf Urlaub ist. Sein Sprecher Thomas Rajakovics sagt daher nur allgemein, „dass die Garage im Koalitionsausschuss Thema sein wird“.

Es will sich allerdings niemand mehr auf das Eiserne Tor festlegen, vielmehr sei die Technik ja auch für andere Standorte wie im Herz-Jesu-Viertel als Anrainergarage geeignet.

So argumentiert Vize-Bürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ). „Ich bin vor allem an der Technik interessiert, weil man damit platzsparend bauen kann“, sagt er. Wenn das Projekt sich technisch am Eisernen Tor umsetzen lässt, ist er weiter dafür, sonst „denke ich schon weiter: an den Andreas-Hofer-Platz oder das Herz-Jesu-Viertel“.

Strohecker: "Bin nicht überrascht"

Der Kopf hinter der automatisierten Garage, Guido Strohecker, ist über die negativen Stellungnahmen „nicht überrascht. Dann bauen wir es eben wo anders.“ Er führe gerade Gespräche, es kommen sowohl andere Standorte in Graz als auch in anderen Städten inner- und außerhalb Österreichs infrage.

Woran Schwarz-Blau trotzdem festhalten will: Es brauche mehr Auto-Parkplätze für die Innenstadt. Das hätte eine Standortstudie zum Einzelhandel in der Innenstadt gezeigt, so Nagl-Sprecher Rajakovics. Daher sei auch der Kaiser-Josef-Platz eine Möglichkeit für ein solches Garagenprojekt, wie Vizebürgermeister Eustacchio betont. Im südlichen Bereich des Zentrums sieht Schwarz-Blau Handlungsbedarf, für den nördlichen Teil gebe es ja die Kastner-Garage.

Kommentare (7)

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Lodengrün
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Herr Strohecker

sieht das entspannt, Hauptsache es wird gebaut, das Geld der Investoren mit sehr guten Renditeaussichten investiert. Wenn @Jasmine glaubt das sie sich als Anrainerin einen derartigen Parkplatz wird leisten können befürchte ich das sie auf dem Holzweg ist. Viele Städte verbannen die KFZ aus der Stadt, bei uns würgt man sie rein.

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Jasmine2811
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Es braucht mehr Auto-Parkplätze für die Anrainer

den für diese wird am wenigsten getan!
Eine Parkgarage rund um den Kaiser-Josef-Platz wäre eine sinnvolle Idee!

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gerbur
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Einwand!

Parkgaragen für die Anrainer machen nur Parkplätze auf den Strassen im jeweiligen Viertel frei. Für wen? Für Autofahrer aus dem Grazer Umland! Das zieht nur noch mehr Verkehr in die Stadt. Das ist ein Schuss ins Knie!!!

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Mein Graz
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@Jasmine2811

Die Stadt soll auf Kosten der Allgemeinheit eine Garage bauen, damit die Anrainer eine kostengünstige Parkmöglichkeit haben?
Wenn ein Investor eine Garage baut, dann sicher nicht nur für Anrainer sondern für jeden der zahlt. Das bedeutet dann wieder, dass mehr Autos in die Stadt fahren, weil sie "ja eh" einen Parkplatz kriegen!
Ganz egal, wo in der Stadt eine Garage gebaut wird, es werden dadurch MEHR Autos in die Stadt gelockt!

Und über welche Einfahrtsstraßen kommt man zum Kaiser-Josef-Platz
Plüddemanngasse - täglich verstaut
Münzgrabenstraße - ein Nadelöhr
Dietrichsteinplazt - eine einzige Katastrophe
Petersgasse - tägliche Staus

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gerbur
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@Mein Graz

Völlig richtig! Radwege ausbauen, Öffis bevorzugen! Kann ja nicht sein, dass die Stadt mit Blech täglich zugemüllt wird, der stundenlang völlig unbenutzt im Wege steht und eine einzige Funktion hat: Den allgemeinen fließenden Verkehr zu behindern, der für das Stadtleben notwendig ist (Zubringer , Fußgänger etc.). Ökonomisch vollkommen daneben.

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Mein Graz
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"Es brauche mehr Auto-Parkplätze für die Innenstadt. Das hätte eine Standortstudie zum Einzelhandel in der Innenstadt gezeigt"

Na klar, da braucht ein G'schirrg'schäft in der Innenstadt mehr Kunden.

Ist es ein Grundkriterium fürs Politiker-Sein, nichts dazu zu lernen?

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checker43
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Die

Standortstudie hat das keineswegs ergeben. Sie sagt lediglich, dass die Parksituation von den 500 Befragten kritisiert wird. Ob mehr Parkplätze zu erhöhten Umsätzen führen würden, wurde gar nicht untersucht, da der Fokus mehr auf SCS contra Einzelhandel in der Stadt lag. Die Studie spricht zusammenfassend von einer guten Erreichbarkeit der Innenstadt.

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