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Neue Vizebürgermeisterin

Umstrittener Coup der SPÖ in Graz

Turbulente Sitzung: Martina Schröck wurde im fünften Wahlgang mit 24 Stimmen zur Vizebürgermeisterin gewählt. Elke Kahr von der KPÖ, der zweitstärksten Kraft im Grazer Gemeinderat, fehlte eine Stimme.

© Gernot Eder
 

Irgendwann wird es auch Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) zu bunt: "Langsam zweifle ich, ob ich je eine Regierung an meiner Seite haben werde", hallt es durch die Lautsprecher im Grazer Rathaus. Tatsächlich erweist sich die Wahl von Nagls "Vize" als harte Nuss: Die Gemeinderatssitzung am Donnerstag musste ja nach zwei Versuchen abgebrochen werden - und auch an diesem Freitag braucht es drei Durchgänge, bis die neue Grazer Vizebürgermeisterin feststeht.

Drei Fragen an Martina Schröck

1. Sie wirkten trotz Ihres Überraschungserfolges ungemein ernst. Die Sorge um Referatsleiter Franz Ferstl, der am Donnerstag im Sozialamt niedergestochen wurde, ist wohl bestimmend.
MARTINA SCHRÖCK: So ist es. Ich habe Franz Ferstl, den ich ja sehr gut kenne, auch in der Intensivstation besucht. Es geht ihm Gott sei Dank körperlich ganz gut, psychisch ist er natürlich angeschlagen.

2. Sie haben immer betont, ihre Stimme Elke Kahr als Vizebürgermeisterin zu geben. Warum haben Sie sich dann letztlich trotzdem aufstellen und zur "Vize" wählen lassen?
MARTINA SCHRÖCK: Ja, ich habe Elke Kahr in den ersten Wahldurchgängen gewählt. Aber es war immer klar, dass wir bei einem vierten Versuch von unserem Nominierungsrecht Gebrauch machen. Auch wenn ich überhaupt nicht damit gerechnet habe.

3. Welche Ziele verfolgen Sie nun als Vizebürgermeisterin und Sozialstadträtin?
MARTINA SCHRÖCK: Das Wichtigste ist die Schaffung von Wohnraum und von Arbeitsplätzen.

Und diese heißt am Ende plötzlich Martina Schröck. Zur Überraschung vieler - auch die 35-Jährige, die mit ihrer Grazer SPÖ bei der Wahl im November nur den dritten Platz belegte, scheint selbst nicht damit gerechnet zu haben: Mit ernster Miene nimmt Schröck den zaghaften Applaus einiger Kollegen entgegen. Erst als SP-Landeshauptmann Franz Voves gratuliert, lächelt sie kurz.

Duell Schröck gegen Kahr

Elke Kahr beobachtet all das gefasst. Die KPÖ-Chefin wollte ja "Vize" werden, wegen des zweiten Platzes im November war das für sie selbstverständlich - für die Mandatare der anderen Parteien jedoch nicht: Drei Durchgänge lang erhält Kahr als alleinige Kandidatin nicht die nötige Mehrheit - bis auch Schröck nominiert wird und im direkten Duell Kahr besiegt (mit 24 zu 23 Stimmen).

Nein, sie selbst sei nicht enttäuscht - im Gegensatz zu jenen Leuten, "die uns gewählt haben", betont Kahr. "Die verstehen diese Politspielchen sicher nicht."

Das ist die neue Stadtregierung

Siegfried Nagl (VP): Der Stadtchef hat unter anderem auch die Stadtbaudirektion, das Bürgeramt und Grünraum/Gewässer über

Martina Schröck (SP): "Vize", Sozialstadträtin (Schwerpunkt Arbeit)

Gerhard Rüsch (VP): Finanzreferent plus Wirtschaft/Tourismus

Detlev Eisel-Eiselsberg (VP): Sport, Kinderbetreuung, Schulamt

Mario Eustacchio (FP): Verkehrsstadtrat plus Sicherheit/Kontrolle

Elke Kahr (KP): Wohnen, Bau- und Anlagenbehörde

Lisa Rücker (Grüne): Umwelt, Kultur und Gesundheit

Doch auch einige Gemeinderäte verstehen die Welt nicht mehr: Von einer "Farce" ist die Rede, von einem "abgekarteten Spiel". Da habe SP-Chefin Schröck ständig betont, sie werde Kahr zur Vizebürgermeisterin wählen, "und dann lässt sie sich selbst nominieren", schütteln sie den Kopf.

Selbst in der SP gesteht mancher, dass der gesamte Ablauf kein schönes Bild ergeben habe. "Aber wenn du diese Chance nicht ergreifst, dann verzeihen sie dir das in der Partei nie."

SP-Chefin und Sozialstadträtin Schröck indes verteidigt ihre Wahl - und erklärt ihr ernstes Auftreten mit der Sorge um Franz Ferstl (der Referatsleiter wurde ja am Donnerstag im Sozialamt niedergestochen). Auch VP-Bürgermeister Nagl betont: "Das ist Demokratie. Ich bin glücklich mit dieser Wahl und mit einer Stellvertreterin, die auch die Hauptverantwortung übernimmt."

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