Die Folgen des Klimawandels schlagen direkt auf die Wasserversorgung durch. „Vor drei Jahren haben wir für den Hochbehälter Sonnberg eine Quellschüttung von drei Litern pro Sekunde gehabt. Jetzt sind es 2,1 Liter“, erzählt Alexander Latzina, der in der Gemeinde Gaishorn für die Wasserversorgung zuständig ist. „Bei uns kommt hinzu, dass die Quellen auf der Sonnseite sind. Vor ein paar Jahren waren die Gipfel dort um diese Zeit alle noch mit Schnee bedeckt. Jetzt ist es dort aper, das wirkt sich natürlich zeitverzögert aus.“

Zurzeit wird in Gaishorn eifrig gebaggert und nach Undichtheiten im Trinkwassernetz gesucht. „Bisher hat es wenig ausgemacht, wenn es kleinere Lecks im Wasserleitungsnetz gegeben hat. Jetzt ist das wichtig geworden“, erklärt Bürgermeister Werner Haberl. Die Lecksuche erfolgt auch mithilfe der Firma ETS aus Irdning. „Es gibt mehrere Methoden, beispielsweise elektroakustisch oder das Einblasen eines Lebensmittelgases und die Anwendung eines Detektors“, weiß Firmenchef Karl Egger.

Weitere Quellfassungen, wenn notwendig

Und man ist bereits fündig geworden und hat mehrere Undichtheiten saniert. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, denke man daran, so Bürgermeister Haberl, weitere Quellen zu fassen. Die Möglichkeit einer Tiefbohrung zieht man nicht in Betracht: „Das würde die Kosten in die Höhe treiben, weil es viel Energie braucht, das Wasser aus Tiefbrunnen im Tal in unsere relativ hoch am Berg gelegenen Wasser-Hochbehälter zur Verteilung zu pumpen.“

Tiefbrunnen in Bad Aussee

Im 70 Kilometer entfernten Bad Aussee existiert dagegen schon seit 2008 ein Tiefbrunnen in der Nähe des Bauhofs, 2023 hat man einen weiteren, viel beachteten, mitten im Kurpark errichtet. „Wir beziehen den weitaus größten Teil unseres Trinkwassers aus Quellschutzgebieten, die größte Quelle ist die Saarsteinquelle. Bei Bedarf sind wir in der glücklichen Lage, dass wir Wasser alternierend aus den beiden Tiefbrunnen direkt ins Wassernetz speisen, aber auch in die Hochbehälter pumpen können“, weiß Wassermeister Harald Klanner. „Das System hat sich voll bewährt“, bestätigt Bad Aussees Bürgermeister Thomas Schönauer.

Den Tiefbrunnen im Herzen der Stadt hat man attraktiv gestaltet. Zur schmucken Außenansicht gehören große Schaufenster, durch die man einen Blick ins Innere werfen kann. Auf einem Bildschirm erfährt man über Bilder und kurze Videos Wissenswertes über Gewinnung, Menge und Verteilung des Bad Ausseer Trinkwassers. Auch das Team der Wasserversorgung wird vorgestellt. Der Tiefbrunnen im Kurpark entnimmt Wasser aus dem Untergrund in einer Tiefe von 18 bis 54 Metern. Drei Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung, die Kosten betrugen 670.000 Euro.

Bad Mitterndorf prüft weitere Tiefbohrung

Auch in der Nachbargemeinde Bad Mitterndorf gibt es zusätzlich zur Wasserversorgung durch Quellen bereits eine Tiefbohrung in der Nähe der Skiflugschanze Kulm. Von dort pumpt man das Trinkwasser in den Ort Tauplitz. Tendenziell werden die Quellwassermengen durch geringere Niederschlagsmengen weniger, bestätigt Johann Hinterschweiger, der Obmann der Wassergenossenschaft Zauchen, ebenfalls in Bad Mitterndorf.

„Die Niederschläge verschieben sich zeitlich. Da ist es sinnvoll, die Gewinnung von Trinkwasser aus Quellen durch Tiefbohrungen abzusichern. Das ist in der Oststeiermark eine ganz normale Methode“, erklärt Michael Ferstl vom Referat Wasserwirtschaft des Landes Steiermark. Kooperationen von Wassergenossenschaften mit öffentlichen Wasserversorgern wie der Gemeinde wären bei Tiefbohrungen durchaus sinnvoll. Bad Mitterndorfs Bürgermeister Herbert Hansmann bestätigt diesbezügliche Überlegungen: „Wir denken über eine weitere Tiefbohrung nach. Es gibt aber mehrere Möglichkeiten, da muss genau geprüft werden.“ Eine Entscheidung soll es in den nächsten vier Jahren geben.

Herbert Hansmann, Bürgermeister von Bad Mitterndorf
Herbert Hansmann, Bürgermeister von Bad Mitterndorf © KLZ / Gerhard Pliem