AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Therapie erfolgreichEin elektrischer Schrittmacher für Patienten mit Bluthochdruck

Neue Therapie mit implantierten Gerät nun auch in Graz möglich. Körper wird animiert, das Blutdruckproblem selbst zu lösen . Österreichweit leben 30 Menschen mit Barostimulator.

Emanuel Schigan (Mitte) und sein Ärzteteam
Emanuel Schigan (Mitte) und sein Ärzteteam © LKH-Univ. Klinikum Graz/Werner Stieber
 

Ein "Schrittmacher" soll Patienten mit extremem und schwer einstellbarem Bluthochdruck helfen: Dieser stimuliert Rezeptoren an der Halsschlagader, die dem Gehirn vortäuschen, der Blutdruck würde weiter steigen. Dadurch werden natürliche Mechanismen ausgelöst, die den Blutdruck senken, wie Mediziner am Dienstag in Graz mitteilten. Österreichweit leben rund 30 Österreicher mit einem solchen Gerät.

Bei manchen Hypertonikern lässt sich die Höhe des Blutdrucks trotz aller Bemühungen und Blutdrucksenkern kaum positiv beeinflussen. "Das sind oft Patienten, deren erster Wert (systolisch; Anm.) weit jenseits der 200 mmHg liegt und deren zweiter (diastolisch; Anm.) die 100 mmHg überschreitet. Meist ist bei diesen Patienten auch die Ursache der Erkrankung nicht eruierbar", führte Andreas Zirlik, Leiter der Abteilung für Kardiologie am Grazer Uniklinikum, aus. Für solche Patienten wird seit dem Frühjahr am LKH-Uniklinikum Graz die Implantation eines sogenannten Barostimulators ermöglicht.

Der Barostimulator
Der Barostimulator Foto © Simon Moestl ONLOPH

Signale ans Gehirn

An der natürlichen Regulation des Blutdrucks sind Nervenknötchen der Halsschlagader (Carotis), sogenannte Barorezeptoren, maßgebend beteiligt. Diese an den Wänden der Blutgefäße sitzenden Rezeptoren registrieren bei jedem Pulsschlag den Druck in den Blutgefäßen und leiten die Informationen an das Gehirn weiter. Dieses sendet üblicherweise natürliche Signale, die dazu führen, dass sich die Blutgefäße enger- oder weiterstellen.

Die Therapie beruht auf dem natürlichen Phänomen, dass eine Verstärkung von Signalen in der Regel zu einer verstärkten Antwort des Körpers führt. Dazu wird unterhalb des Schlüsselbeins ein elektrischer Impulsgeber eingesetzt, der mit einer Stimulationselektrode, die zur Halsschlagader führt, verbunden ist. Der Stimulator ist etwas kleiner als ein Herzschrittmacher. "Salopp ausgedrückt, trickst er das Gehirn aus, in dem er die Barorezeptoren an der Halsschlagader, die bei der Regulierung des Blutdrucks eine maßgebliche Rolle spielen, mit elektrischen Impulsen anregt. Dem Gehirn wird dadurch vorgetäuscht, der Blutdruck würde weiter steigen. Als Reaktion darauf löst es körpereigene Mechanismen auf, die den Blutdruck wieder senken", beschrieb Michael Sereinigg vom Fachbereich Allgemein-, Transplantations- und Viszeralchirurgie des Uniklinikums.

Erster steirischer Patient

Emanuel Schigan ist der erste steirische Patient, dem vor fünf Monaten ein Barostimulator eingesetzt wurde. Im Oktober hatte er Blutdruckwerte von 241/174 und bereits schwere Folgeerkrankungen: Nach einem Nierenversagen und mehreren Schlaganfällen saß er im Rollstuhl. Heute liegen die Werte bei 141/84, die Nieren erholen sich laut den Grazer Medizinern langsam, er kann wieder auf den eigenen Beinen stehen. Die Blutdrucktendenz sei weiterhin fallend.

Die Operation dauere rund eine halbe Stunde und erfolgt über einen rund vier Zentimeter langen Schnitt am Hals. Die Therapie ist weltweit im Einsatz, in Österreich wurde der erste Stimulator gegen Bluthochdruck vor fünf Jahren eingesetzt, mittlerweile wurde er österreichweit rund 30 mal implantiert. Der Akku ist batteriebetrieben und halte durchschnittlich sechs Jahre, hieß es vonseiten des Uniklinikums. (APA)

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.