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Steirer des TagesWechsel an der Spitze der steirischen „Liftler“

Arthur Moser wechselt nach 19 Jahren am Hauser Kaibling nach Flachau. Sein Nachfolger als WK-Obmann der steirischen Seilbahnbetriebe ist Fabrice Girardoni, der in dritter Generation die Liftbetriebe am Stuhleck führt.

Arthur Moser (links) wird Vorstand im Snow Space Salzburg. Fabrice Girardoni (rechts) hat am Stuhleck Millionen in den Ausbau investiert © WK/Helmut Lunghammer
 

"Ich bin das, was der Berg aus mir gemacht hat.“ Wie eine zarte Schicht Pulverschnee zuckert Arthur Moser zum Abschied einen Hauch Pathos über den Hauser Kaibling. Morgen hat er hier seinen letzten Arbeitstag als Chef der Bergbahnen. Mit Jahreswechsel wird er Teil des Vorstandstrios im „Snow Space Salzburg“, einer der größten Liftgesellschaften Österreichs.

Aber der 38-Jährige weiß, was er dem heimatlichen Skiberg im Oberen Ennstal zu verdanken hat: viel – beruflich eigentlich fast alles. Nach der Handelsschule und der Handelsakademie in Schladming und einem ersten „Reinschnuppern“ im Rahmen eines Praktikums heuert er schon mit 19 Jahren als Marketingassistent bei der örtlichen Seilbahngesellschaft an. Die karrieremäßige Bergfahrt beginnt. Neun Jahre später übernimmt er als Geschäftsführer die Leitung und steigert in den darauffolgenden zehn Jahren den Umsatz von 9,8 auf 16,2 Millionen Euro. Parallel werden mehr als 40 Millionen Euro in neue Lift-Infrastruktur und Beschneiungsanlagen investiert.

In seiner Heimatgemeinde die Bergbahnen maßgeblich mitgestalten zu dürfen, ist schon etwas Besonderes. Ich habe Spuren im Schnee hinterlassen.

Arthur Moser

„In seiner Heimatgemeinde die Bergbahnen maßgeblich mitgestalten zu dürfen, ist schon etwas Besonderes und war eine Riesenchance, für die ich dankbar bin“, blickt Moser zurück. Er etikettiert sich selbst als „Eigenbauspieler“ des Unternehmens, das sich nicht zuletzt durch eine komplexe Eigentümerstruktur auszeichnet.

Die Verhandlungen und der Interessensausgleich unter den wenigen größeren und vielen kleinen Teilhabern erweisen sich als gute Schule für die spätere Funktion als Fachgruppenobmann der steirischen Seilbahnwirtschaft (2014 bis 2018). In dieser Funktion wird ihm Fabrice Girardoni nachfolgen (siehe Porträt rechts). Am Hauser Kaibling hat das Land Steiermark interimistisch Seilbahn-„Urgestein“ Karl Schmidhofer (vormals Lachtal, Kreischberg, Grebenzen) installiert.

Mit Mosers letztem Arbeitstag geht nicht nur eine berufliche Ära zu Ende, es ist auch ein privates Loslassen. Denn die familiären Wurzeln des „waschechten Hausers“ (Moser über sich) reichen bis auf die Kaiblingalm auf knapp 1800 Meter Seehöhe. Dort betreibt Vater Alois Moser zwischen 1961 und 1991 einen Schlepplift. Dort lernt Arthur Moser im Alter von drei Jahren nicht nur Skifahren, dort „wurde ich auch mit dem Liftler-Virus voll infiziert“, erinnert er sich an die ersten Kontakte mit Pistenraupen und Schneekanonen.

Ein paar Jahre später – damals schon mit Moser als Geschäftsführer – kauft die Seilbahngesellschaft den alten, dieselbetriebenen „Schlepper“ und baut ihn 2012 zu einem modernen 6er-Sessellift um. „Das waren sehr emotionale Momente“, erinnert sich Moser an die damalige Eröffnung.

Die Nabelschnur nach Haus wird der begeisterte Skifahrer („Für Hobbyrennen hat es gereicht, für mehr war das Talent nicht da“) und Mountainbiker trotz beruflichen Wechsels aber ohnehin nicht kappen. „Ich wohne weiterhin in Haus“, sagt er – wobei „ich“ eigentlich „wir“ bedeutet: Seit wenigen Tagen ist Moser verlobt.

Der Nachfolger

"Ich bin ein Musterbeispiel für gelungene Integration.“ Der Mann, der das mit einem Schuss Selbstironie sagt, hat familiäre Wurzeln in Frankreich und dem Burgenland, ist in Wien aufgewachsen und führt in der Steiermark ein Seilbahnunternehmen – und übernimmt mit 1. Jänner von Arthur Moser (siehe links) die Obmannschaft in der Fachgruppe Seilbahnen in der steirischen Wirtschaftskammer: Fabrice Girardoni.

Die Seilbahner-Karriere folgt einer genetischen Logik. Vater Mario Girardoni widmete sich nach einer Karriere als Produktmanager in der Waschmittelindustrie nach dem Tod seines Vaters 1979 ganz dem familieneigenen Seilbahnbetrieb am Stuhleck im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark.

Ein Schwerpunkt als Obmann wird die Intensivierung der Kooperation zwischen den großen und vielen kleinen Seilbahngesellschaften sein.

Fabrice Girardoni

Sohn Fabrice steigt 2004 mit gerade einmal 24 Jahren als Geschäftsführer ein. Da hat er – auf Anraten des Vaters – schon Berufserfahrung in branchenfremden Gebieten wie einer Werbeagentur beziehungsweise als Firmenkundenberater in einer Bank gesammelt. Parallel zur Rückkehr ins Familienunternehmen schließt er sein Studium der Internationalen Betriebswirtschaft ab. Das Ergebnis der permanenten Verbindung von akademischer Theorie und privatwirtschaftlicher Praxis ist nachzulesen. 2014 legt Girardoni eine knapp 90-seitige Expertise über die Herausforderungen bei Investitionen in Skigebieten anhand eines konkreten, eigenen Beispiels vor: der Realisierung des Seilbahnprojekts Weißenelf am Stuhleck. Dort weiten die Girardonis ihr Wirkungsfeld aus und errichten in der Bergstation auch ein Panoramarestaurant.

Es sind Bausteine eines Ausbauprogramms, in das seit 1992 fast 50 Millionen Euro geflossen sind. Allein für die heurige Saison wurden 5,5 Millionen in Beschneiungsanlagen und einen Speicherteich investiert. „Ja, wir sind Überzeugungstäter“, beschreibt Fabrice Girardoni den Glauben an die Überlebensfähigkeit eines im Verhältnis zur Konkurrenz im Westen relativ kleinen Skigebiets am Ostrand der Alpen. Es profitiert nicht zuletzt durch die Äquidistanz von jeweils rund 100 Kilometern zu Wien und Graz – und das seit 60 Jahren.

Damals, 1959, brachte es der erste Einsersessellift auf eine Förderleistung von 350 Personen. 80.000 Bergfahrten und 1,2 Kilometer Piste gab es einst. Heute sind es rund vier Millionen Bergfahrten, 26 Kilometer Piste und jede Menge Rundherumbespaßung (Rodelbahn, Videopiste, Tubing). Die Belegschaft ist von vier auf 130 (im Winter) explodiert. „Viele der Mitarbeiter kennen mich seit Kindesbeinen“, sagt Girardoni, der mit drei Jahren hier Skifahren lernte. Der Bub von damals feiert in wenigen Tagen seinen 39. Geburtstag.

 

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