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Kunstuniversität GrazBehinderung und Bühne – kein Widerspruch

An der Kunstuniversität Graz wurde diskutiert, wie auch auf der Bühne im künstlerischen Bereich Menschen mit Behinderung integriert werden können – und dies auch sollten.

Anna Benedikt mit Choreograph und Nestroy-Preis-Gewinner Michael Turinsky © KUG/Edi Haberl
 

Der Titel der Konferenz ist zwar sperrig – aber das Thema ist höchst spannend und wirft ganz verschiedene Fragen auf: „Diversität und Inklusion in der Musik und den darstellenden Künsten“, unter diesem Titel veranstaltete die Wissenschaftlerin Anna Benedikt vom Zentrum für Genderforschung an der Grazer Kunstuniversität eine internationale Tagung, um eine Bestandsaufnahme in diesem Bereich zu machen und neue Entwicklungen zu besprechen.

„Es geht um die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen auch im künstlerischen Bereich“, erklärt Benedikt. Wie kann man also – plakativ ausgedrückt – als behinderter Mensch professionell Musik mausüben oder auf oder sonst darstellend auf der Bühne auftreten?

Das geht sehr wohl, wie zwei prominente Gastredner zeigen konnten. Zum einen der Wiener Choreograf und Nestroy-Preis-träger 2017, Michael Turinsky. „Er sitzt im Rollstuhl und ist seit vielen Jahren als Theoretiker, aber eben auch als Tänzer und Performer auf der Bühne tätig“, sagt Benedikt. „Was macht das mit der Ästhetik des Tanzes? Denn Tanz erfordert eigentlich an einen perfekten Körper. Deshalb stellt dies die gewohnte Ästhetik in Frage, unterwandert sie und macht neue Formen sichtbar.“

Fachtagung

Die Fachtagung an der Kunstuniversität Graz fand in Zusammenarbeit mit dem inklusiven Grazer Festival InTaKT (17. - 25. November) statt. Veranstalter ist der Verein IKS. Kooperiert wurde auch mit dem Grazer Malatelier Randkunst der Lebenshilfe Sozialen Dienste in Graz und Lieboch

Auch die Berliner (gehörlose) Schauspielerin und Gebärdenperformerin Christina Schönfeld aus Berlin erzählte von ihren Erfahrungen. Diese Beispiele zeigen, dass eine Bühnenpräsenz durchaus möglich ist. Die Hürden sind aber hoch und beginnen natürlich bereits in der Kindheit. „Es gibt keine Zahlen, wie viele behinderte Menschen trotzdem ein Instrument lernen. Aber es ist sicherlich nicht weit verbreitet. Dabei könnte man heute mit technischen Möglichkeiten einiges machen“, ist Benedikt überzeugt.

„Bei der Veranstaltung, die auch stark von Teilnehmern besucht wurden, die im Sozialbereich arbeiten, wollten wir aufzeigen, was es bereits gibt und wie man etwa die Häuser öffnen könnte. Andererseits hat sich gezeigt, dass bereits viel passiert.“

Es gebe noch viele Vorurteile, Menschen mit Behinderung würden nicht eben ermutigt, Künstlerkarrieren anzustreben. „Dabei muss man sich klarmachen: Man muss den Defizit-Blickwinkel verlassen. Diese Menschen machen uns auf Qualitäten und Aspekte aufmerksam, an die wir sonst gar nicht denken.“

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