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Steirerin des TagesDas ist die beste Bierbrauerin Österreichs

Wenn Frauen brauen: Elfriede Forstner-Schroll (48) wurde als erster Frau der Titel „Braumeisterin des Jahres“ verliehen. Dabei hat sie eigentlich alles andere als freiwillig mit dem Brauen angefangen.

Brauen als Frauensache: Elfriede Forstner-Schroll ist die erste Bierbrauerin des Jahres © Philipp Schönauer
 

Getrunken hat sie es natürlich schon immer gern. Aber selber Bier brauen? „Ich habe die Gastwirtschaft gehabt, vier Kinder und den Haushalt – da habe ich nicht noch irgendwas dazu gebraucht“, erzählt Elfriede Forstner-Schroll. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Und die führten dazu, dass ihr die Gastro-Bibel „Gault & Millau“ nun sogar den Titel „Braumeisterin des Jahres“ verlieh – als erster Frau.

Das Brauen war klar der Job ihres zweiten Ehemanns: Gerhard Forstner, gelernter Optikermeister, später selbst erlernter Biobauer und dann berufener Bierbrauer, war ein Vorreiter der heute blühenden Craft- Beer-Szene in Österreich – lange, bevor man hierzulande diesen Begriff für handgebrauten Gerstensaft überhaupt gehört hatte. Preise bei internationalen Bewerben wie dem World Beer Challenge und dem Global Craft Beer Award, dazu mehrere Staatsmeistertitel: Die kleine Kalsdorfer Brauerei, die die Forstners 2000 in einem ehemaligen Schulgebäude eingerichtet hatten, war Bierfans, die mehr als Märzen und Lager kosten wollten, ein Begriff.

Handbrauerei Forstner

Gegründet 2000 als „Hof-Bräu Kalsdorf“. Seit Gerhard Forstners Tod 2014 führt Elfriede Forstner-Schroll die Brauerei weiter.

Geöffnet ist donnerstags und freitags je von 17 bis 23 Uhr, gegen Voranmeldung gibt es Ab-Hof-Verkauf, Führungen und Verkostungen.

www.forstner-biere.at


Eine „Vernunftentscheidung“ sei es eigentlich gewesen, dass Elfriede Forstner dann doch mit dem Brauen begann. Eine Vernunftentscheidung in einer furchtbaren Zeit: Gerhard wurde schwer krank, gerade einmal ein Jahr sollte der gelernten Köchin bleiben, um noch von ihm zu lernen, wie man Bier macht. „Die Anlage war bereits vorhanden, ich war 44 und hatte vier Kinder. Also dachte ich mir, ich probiere es einmal. Und es ist gut gegangen.“ Ihr Mann kam kaum noch aus dem Krankenhaus heraus, so musste sie das meiste einfach selber ausprobieren. „Aber auf manche Fragen habe ich noch Antworten bekommen.“

Die Anlage war bereits vorhanden, ich war 44 und hatte vier Kinder. Also dachte ich mir, ich probiere es einmal. Und es ist gut gegangen.

Elfriede Forstner-Schroll

Wo es nicht ging, halfen Freunde weiter, wie Reini Schenkermaier vom „Erzbergbräu“. Die Grundbegriffe beherrschte sie rasch, die Feinheiten der vom Autodidakten oft sehr unkonventionell hergestellten Biere waren komplizierter. Mit viel Leidenschaft und Gespür traute sie sich aber bald, die Biere ein wenig anders zu brauen als ihr Mann. „Extra-individuelle, flaschenvergorene Biere, die nicht nur durch ihre technischen Parameter beeindruckten, sondern auch durch enorme Aromendichte und absolute Köstlichkeit“, lobt „Gault & Millau“ seine Bierbrauerin des Jahres.

Sie mag die Erste sein, die diesen Titel trägt, die Einzige ist sie aber nicht: Nur wenige Kilometer von Kalsdorf entfernt steht in der „Bierbotschaft“ Wundschuh Anita Herzog am Kessel, die Braumeisterin des oststeirischen „Toni Bräu“ heißt Erika Hofer, in Köflach braut Julia Schwinger das „Schwannl Bräu“. Und überhaupt: Bei den Germanen und im Mittelalter war das Brauen Frauensache. „Die Frauen haben sogar zur Hochzeit die notwendige Ausstattung dafür bekommen“, weiß Forstner-Schroll. Wie die Biere damals schmeckten, will sie aber lieber nicht wissen.

Längst aus dem Schatten ihres Mannes herausgetreten, braut sie ihre Biere mit eigener Handschrift. Die können gern etwas verrückt sein – wie die von vielen heiß erwarteten Spezialbiere zu Weihnachten. Das „C + M + B“ hat Aromen von Weihrauch und Myrrhe, der „Friedensstifter“ von vanilliger Tonkabohne. Und heuer? Da darf man sich schon auf einen Hauch von Szechuanpfeffer gefasst machen.

Braukalender: 12 Monate mit den steirischen Brauereien

Im Jänner steckt Fotografin Marija Kanizaj das Sudhaus-Trio in eine "Hexenküche", jede Menge Trockeneis inklusive.

Steiermarkbier/Marija Kanizaj

Kein Photoshop, sondern Lichtmalerei: Der Rottenmanner Harald Kofler wurde von Miriam Primik in Szene gesetzt, das Februarfoto im Kalender.

Steiermarkbier/Miriam Primik

März: Hannes Girrer vom Brauhaus Mariazell hat sich ein gemütliches Platzerl im frisch gestrichenen Haus gesucht, Viktor Sator hat abgedrückt.

Steiermarkbier/Lizz & Viktor Sator

April: Für das Bild von Barbara Zapfl (Foto Augenblick) hat  Wolfgang Dietrich (Die Brauerei Leutschach) den Sprung ins kalte Wasser gewagt

Steiermarkbier/Augenblick

Nicht sexistisch, aber trotzdem sexy: Ana Radulovic hat eine Flasche Pock Bier an der richtigen Stelle platziert. Der Mai im Steiermarkbier-Kalender.

Steiermarkbier/Ana Radulovic

Ein lustiger Haufen für den Juni: Anita Herzog und ihre Familie und Freunde von der Bierbotschaft Herzog in Wundschuh, abgelichtet von Toni Muhr

Steiermarkbier/Toni Muhr

Bei Flecks Steirerbier in Frohnleiten gab's im Juli eine feuchtfröhliche Party - zumindest für das Bild von Chris Zenz

Steiermarkbier/Chris Zenz

Wie aus einer klassischen deutschen Bierwerbung der Neunziger Jahre: Elfi Forstner (Handbrauerei Forstner aus Kalsdorf bei Graz) ging im August für Bernhard Bergmann am Stubenbergsee segeln

Steiermarkbier/Bernhard Bergmann

September: Harry Schiffer hat Braumeister Dieter Pelz in Szene gesetzt

Steiermarkbier/Harry Schiffer

Oktober: Robert Sommerauer (Pixelmaker) ging mit Rudi Schaflinger (Schladminger Bier) und seiner Kraxn auf die Walchen

Steiermarkbier/Robert Sommerauer

November: "Benzinbruder" Reini Schenkermaier (Erzbergbräu), fotografiert von Werner Krug

Steiermarkbier/Werner Krug

Dezember: Feuriges Finale der Vier-Elemente-Serie, die Alois Gratzer (Gratzer Bier) und René Strasser in den letzten Jahren schufen

Steiermarkbier/Rene Strasser
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Volle „Craft“ voraus in der steirischen Bierszene

Neben den drei großen Brauunion-Marken Gösser, Puntigamer und Reininghaus sowie der Genossenschaftsbrauerei Murauer gibt es etliche Klein- und Kreativbrauereien im Land. Als „Steiermarkbier“ haben sich elf Brauereien zusammengeschlossen – neben Forstner auch Gratzer Naturbier (Kaindorf), Herzog Bierbotschaft (Wundschuh), Erzbergbräu (Eisenerz), Girrer Bräu (Mariazell), Die Brauerei (Leutschach), Kofler Bräu (Rottenmann), Pock Bier (Weinburg), das Sudhaus (Graz), Schladminger – das zwar Teil der Brauunion ist, aber dennoch zu den Kleinbrauereien zählt – und Flecks SteirerBier (Frohnleiten), das als „Nebenprodukt“ von zwei Brauerei-Anlagenbauern produziert wird. Zusammen produziert man etwa den steirischen Braukalender.

Doch das ist noch lange nicht alles: Die steirische Bierszene bereichern etwa auch Bevog (Bad Radkersburg), Lava Bräu (Auersbach), Hermax (Markt Hartmannsdorf), Laurenzibräu (Gleisdorf), Nibelungengold (Fürstenfeld), Moarbräu (Stubenberg), Flamberger (St. Nikolai im Sausal), Trieb Bräu (St. Marein/Mürztal), Toni Bräu (Wagenbach), Alefried und Eule Koffeinbier (Graz), Steirisch Ursprung (Eggersdorf bei Graz), Schwannlbräu (Köflach) und, und, und ... Derzeit in der Testphase ist Thalheim, das Bier von Mark und Dietrich Mateschitz.

Nur ein Ausschnitt der Biervielfalt: die Mitglieder von „Steiermarkbier“ Foto © Eder/Semlitsch

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