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Hochbegabte SchülerWarum ein hoher IQ nicht der Weisheit letzter Schluss ist

In den Niederlanden hat ein hochbegabter Achtjähriger die Matura absolviert. Ein Vorgang, der bei uns so nicht möglich wäre. Doch Schüler mit herausragenden Talenten gibt es auch hier.

Hochbegabungen äußern sich nicht bei allen Kindern gleich © lassedesignen - Fotolia
 

Volksschule und Gymnasium im Rekordtempo durchlaufen, die Matura absolviert, ein Mathematik-Studium vor Augen: Mit diesen bildungsbiografischen Eckdaten macht derzeit der niederländisch-belgische Bub Laurent Simons Schlagzeilen. Das Besondere: Laurent ist acht Jahre alt.

Ein besonderer Fall von Hochbegabung und gleichzeitig eine Schulkarriere, wie sie hierzulande kaum denkbar wäre. Zwar ist das Überspringen ganzer Schulklassen gesetzlich möglich, allerdings limitiert, wie man in der juristischen Abteilung des Landesschulrats erläutert. So dürfen hochbegabte Schüler in der Volksschule, in der Unter- und in der Oberstufe maximal jeweils eine Klasse auslassen. Die Entscheidung darüber liegt in den konkreten Fällen bei den Schulen selbst.

Am häufigsten gibt es Klassen-Überspringer an den Volksschulen. „Alle zwei bis drei Jahre bekommen wir einen Schüler, der einmal eine Klasse ausgelassen hat“, sagt Hermann Candussi von Grazer Akademischen Gymnasium. „Bei uns an der Schule gibt es das auch, aber seltener.“ Zumal das Überspringen von Klassen ohnedies nicht für jeden Schüler mit besonderen Begabungen die beste Lösung sei. „Wissen und Fertigkeiten sind die eine Sache, die Sozialisierung eine andere“, sagt Candussi und erinnert sich an Fälle, in denen Schüler zwar fachlich in einer höheren Klasse gut aufgehoben gewesen seien, von der persönlichen Reife aber hinterherhinkten und am Ende unter der Situation litten.

 

Überdurchschnittlich intelligente Kinder haben es in unserem Schulsystem nicht zwangsläufig leichter.

Christa Bauer, Verein Pro Talent Steiermark

Am Akademischen Gymnasium setzt man daher hauptsächlich auf individuelle Begabungsförderung. Schüler mit speziellen Talenten werden in einzelnen Fächern aus dem Klassenverband genommen und speziell gefördert oder für Kurse an den Unis zugelassen. „Wir haben jedes Jahr Schüler, die das in Anspruch nehmen“, sagt Candussi.

Denn hochbegabte Kinder sind gar nicht so selten. „Die Wissenschaft spricht von zwei bis drei Prozent jedes Jahrgangs, die einen IQ von mehr als 130 haben“, sagt Christa Bauer von Verein Pro Talent Steiermark, der sich Schülern mit außergewöhnlichen Fähigkeiten annimmt. Wobei Bauer von Intelligenztests grundsätzlich wenig hält: „Begabungen sind etwas sehr Individuelles, sie sind nichts Konstantes, sondern ein Prozess.“ Das Etikett eines hohen IQ, das in Wahrheit nur beschränkte Aussagekraft habe, tue Kindern oft nicht gut (siehe Factbox unten).

Im Schulsystem plädiert Bauer dafür, die Hürden in den Köpfen im Umgang mit Hochbegabten abzubauen. „Für viele Kinder wäre es gut, wenn das Überspringen von Klassen einfacher gehandhabt würde. Andere brauchen eine andere Art der Förderung.“ Patentlösung gebe es keine, Lehrer und Eltern müssen einzeln entscheiden.

Hochbegabung & Intelligenz

Eltern von Kindern mit hohen Begabungen ist die Situation oft nicht fremd: Der Sohn oder die Tochter ist dem Unterricht voraus, leidet aber unter Problemen. Die Palette reicht von Unverständnis und Neid seitens mancher Mitschüler bis zu mangelnder sozialer Integration. In einigen Fällen ist die Hochbegabung auch so speziell ausgeprägt, dass sie sich im vorgegebenen System nicht entfalten kann. „Überdurchschnittlich intelligente Kinder haben es in unserem Schulsystem nicht zwangsläufig leichter“, folgert Christa Bauer vom Verein Pro Talent Steiermark. „Wir hatten einmal einen Schüler mit dem außergewöhnlichen IQ von 160, der die sechste Klasse zwei Mal nicht geschafft hat.“

Ein Beispiel, das auch die Schwächen von Intelligenztests aufzeigt. Diese weisen Hochbegabung ab einem IQ von 130 aus, während der allgemeine Durchschnitt bei 100 liegt. Außer Acht bleibt, dass Begabungen sehr unterschiedlich verteilt und ausgestaltet sein können. Sie lassen sich in der Realität kaum auf eine nackte Zahl reduzieren.

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