Massive UnwetterschädenAufräumarbeiten laufen weiter, heute keine Gewittergefahr mehr

+++ Aufräumarbeiten in vielen Bezirken +++ 125 Feuerwehren an 192 Einsatzorten aktiv +++ Stadtpark Graz bleibt gesperrt +++ Todesopfer war erst 26 Jahre alt +++ 30 Einsätze: Gewitter in Graz schwächer als befürchtet +++

Aufräumarbeiten der Feuerwehr
Aufräumarbeiten der Feuerwehr © FF Voitsberg
 

Die gute Nachricht vorweg: Am Donnerstag sind in der Steiermark keine schweren Gewitter mehr zu erwarten. "Die durchgezogene Kaltfront hat eine Stabilisierung des Wetters gebracht", so die Zamg. Zeitweise regnet es zwar noch, im Laufe des Tages lockern die Wolken dann etwas auf, und die Sonne kann zwischendurch hervorkommen.

Gestern sah die Unwetter-Lage anders aus: Binnen zwölf Stunden waren am Mittwoch laut Landesfeuerwehrverband 125 Feuerwehren in der Steiermark an 192 Einsatzorten zur Stelle. 65 Mal wegen Unwetter und 36 Mal wegen ihrer Folgen (Auspumpen etc.). Mittwochabend kamen Einsätze in Lieboch, am Steinberg oder Eisbach-rein dazu. In Graz regnete es heftig, aber Sturm verschonte die Stadt. Laut Magistrat Graz gab es 30 Einsätze der Feuerwehr. Tagsüber waren 430 Mitarbeiter der Holding Graz am Aufräumen.

Viel Schaden im Westen

Außerhalb von Graz war Piberegg (Bärnbach), nicht weit des Bundesgestüts, ein Brennpunkt: Dort ist der Freisingbach stark verklaust. Bäume waren auf Häuser gestürzt. Auch ein Hof war von der Außenwelt abgeschnitten. Daher hat Vize-LH Michael Schickhofer den Ortsteil zum Katastrophengebiet erklärt. Land und BH koordinieren dort nun die Einsätze - diese laufen am Donnerstag voll an.   

Nach der heftigen Gewitterfront, die am Dienstagabend über die Steiermark gezogen ist - allein in der Steiermark registrierte das österreichische Blitzortungssystem Aldis 4.686 Einschläge - waren Mittwochabend noch Dutzende Haushalte ohne Strom.

 

In der Nacht waren noch 20 Trafostationen der Energie Steiermark außer Betrieb. Betroffen waren die Gemeinden Kainach bei Voitsberg, der Raum Gasen, Falkenstein bei Fischbach sowie Rettenegg (Bezirk Weiz). Viele der kaputten Leitungen konnten dann provisorisch instand gesetzt werden. Die tatsächlichen Reparaturarbeiten am Netz dürften noch Tage oder Wochen dauern.

Warum es zu den katastrophalen Unwettern gekommen ist

Die Unwetter-Warnung bleibt aufrecht. Am Mittwoch wurden wieder Gewitter und Starkregen erwartet. In Graz gab es am Abend Entwarnung: "Die Zellen haben in Slowenien an Kraft verloren", fasste Wolfgang Hübel, Sicherheitsmanager im Magistrat zusammen.

Mit 140 km/h

Rund 1.500 Kräfte waren im Einsatz. Allein In Graz halfen elf Wehren aus GU aus. Der steirische Feuerwehrverband sprach von orkanartigen Windböen mit Spitzen über 140 km/h (gemessen in der Grazer Kärntner Straße), einer Vielzahl von entwurzelten bzw. geknickten Bäumen sowie heruntergebrochenen Ästen. Dächer wurden beschädigt oder abgedeckt. Straßen, Gehwege und Gleisanlagen waren blockiert.

"Feuerwehren, das Rote Kreuz, das Kriseninterventionsteam ... alle Organisationen haben großartige Arbeit geleistet", bedankte sich Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Er war Dienstagnacht noch bis spät in die Nacht hinein mit dem Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl und Bürgermeistern aus den Umlandkollegen in Kontakt.

Dach wird über Schönaugürtel geweht

Zum Nachlesen

Todesopfer im Grazer Stadtpark

Im Stadtpark in Graz kam ein 26-jähriger Rumäne ums Leben, als er von einem umfallenden Baum getroffen wurde. Ein rund 40 Meter hoher Fichtenbaum war auf ihn gefallen. Der junge Mann hatte sich mit einigen weiteren Personen im Stadtpark aufgehalten, konnte jedoch nicht rechtzeitig davon laufen. Er wurde unter dem umstürzenden Baum begraben. Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr bargen den 26-Jährigen, der Notarzt konnte jedoch nur mehr den Tod feststellen. Die Angehörigen wurden vom Kriseninterventionsteam betreut. 

Aufgrund der zahlreichen entwurzelten Bäume und der damit verbundenen Gefahren verordnete die Stadt Graz ein Platzverbot für den Stadtpark und den Schloßberg. Und die Sperre für den Stadtpark bleibt jedenfalls bis Sonntag aufrecht, auch Teile des Leechwaldes und beim Rosenhain sind abgesperrt. Die Schloßbergbahn hat am Nachmittag wieder den Betrieb aufgenommen.

 

Der Unglücksort im Grazer Stadtpark

Rund um den Stadtpark kam es zu Verkehrsbeeinträchtigungen aufgrund temporärer Sperren. Rund 350 Einsatzkräfte sämtlicher Einsatzorganisationen waren in den Nachtstunden mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) drückte gegenüber den Angehörigen eines Mannes, der bei dem Unwetter im Grazer Stadtpark ums Leben gekommen ist, sein Mitgefühl aus. Er und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) haben am Mittwoch rasche Hilfe für Betroffene angekündigt.

Graz: Die Unwetternacht in Bildern

Weltuntergang für wenige Minuten - so fühlte es sich am Dienstagabend kurz nach 18 Uhr für viele in Graz an.

Chris Bauer

Zahllose entwurzelte Bäume lagen quer über die Straßen, wie hier die Parkstraße...

Chris Bauer

...und mussten von insgesamt 350 Einsatzkräften bis in die Nacht hinein wieder aufgeräumt werden.

Chris Bauer

Wolkenturm von Graz-Puntigam aus

Andreas Scherk

Tragisch: Im Stadtpark in der Nähe des Brunnens ...

(c) Garfield Trummer

... wurde ein 26-jähriger von einem Baum erschlagen.

Markus Leodolter

Die Stadt Graz hat den Stadtpark und auch den Schloßberg noch in den Abendstunden behördlich gesperrt.

Markus Leodolter

Die Sperre dauert bis Sonntagmittag. Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) appellierte, derzeit generell Parkanlagen und Wälder zu meiden.

Markus Leodolter

Auch im Augarten wurden ganze Bäume entwurzelt.

(c) Alexander Tengg

In Geidorf in der Wilhelm-Raabe-Gasse stürzte ein Baum beinahe auf eine Wohnsiedlung.

Gonzo Renger

Das Unwetter kündigte sich gegen 18 Uhr immer mehr an und entlud sich dann in nur knapp 20 Minuten mit voller Kraft.

LR Doris Langberger

Am Schönaugürtel wurde das Dach eines Gebäudes über die Straße geweht - und führte zum Ausfall der Linie 5 bis in die späten Abendstunden hinein.

Markus Leodolter

Massive Schäden auch am Sonnenfelsplatz: Die umgefallen Fahrräder sind noch vu zernachlässigen...

Bernd Hecke

... die umgestürzten Bäume weniger.

Didi Hubmannn

Am Hauptplatz in Andritz zeigten sich ebenfalls die Auswirkungen...

kk

...der öffentliche Verkehr stand zeitweise völlig still.

LR Anneliese Kukowic

In der Ragnitz blockierte ein umgefallener Baum die Straße...

Bernd Hecke

... genauso wie in der Münzgrabenstraße.

LR Manuela Graz

Nahe Stadtpark blieben große Äste in der Stromleitung hängen.

LR Tami Ho

Der Glacis auf Höhe Zinsendorfgasse wurde am Abend für den Rad-, aber auch für den Autoverkehr ...

Didi Hubmann

...komplett von der Polizei gesperrt.

Didi Hubmann

Räder wurden in der Innenstadt durch die Luft geweht.

Christian Penz

Auch die FF Steinberg-Rohrbach war beim Unwetter gefragt.

Huber, HBM, FF Steinberg-Rohrbach

Bäume blockierten die Straße.

FF Steinberg-Rohrbach
DWirght

Bild aus Hausmannstätten.

Sorin Popa
Nina Maninger
DWirght
DWirght

Blechsalat in Graz.

Christian Penz

Auch am Mittwoch liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren.

Christian Penz
Christian Penz

Holding beseitigt 25 gefallene große Bäume, dazu kommen Ast- und Kronenbrüche.

Christian Penz
Christian Penz
Christian Penz
Christian Penz

Unter den elf Wehren aus GU eilte auch jene aus Gratkorn den Grazern zur Hilfe.

FF Gratkorn
FF Gratkorn
FF Gratkorn

Schäden an Dächern.

FF Gratkorn
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Aufräumen im Stadtpark

Aufräumen im Stadtpark

Das Unwetter im Rücklick

Am Grazer Schönaugürtel wurde ein Blechdach durch die orkanartigen Windböen auf die Fahrbahn sowie auf eine Oberleitung geschleudert, wodurch es auch zwischenzeitlich zu Verkehrsbehinderungen kam. Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Graz konnten das Blechdach entfernen ohne die Leitung zu beschädigen. Es gab keine Verletzten.
In der Grazer Gallmeyergasse riss der Sturm die Dacheindeckung sowie Teile des Dachstuhles vom Dach eines Mehrparteienhauses. Aufgrund herunter fallender Deckenteile und des Wassereintritts war das 2. Obergeschoss nicht mehr bewohnbar, woraufhin das Mehrparteienhaus geräumt werden musste. Verletzt wurde niemand.
Am Eggenbergergürtel wurden zwei Tische (rund 1,5 x 1 Meter) vom Dach eines Hauses direkt auf einen vorbeifahrenden 22-jährigen Pkw-Lenker geweht. Dabei wurden Windschutzscheibe und Autodach erheblich beschädigt, sodass der Pkw abgeschleppt werden musste. Der Lenker blieb unverletzt.

Unwetter in der Oststeiermark: Umgestürzte Bäume und überflutete Keller hielten Feuerwehren auf Trab

Barbara Kahr
FF Mönichwald
FF Fürstenfeld
FF Fürstenfeld
FF Wenigzell
FF Fürstenfeld
FF Fürstenfeld
FF Fürstenfeld
FF Wenigzell
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Aber auch außerhalb von Graz kam es zu Schäden. Im Ortsgebiet von St. Marein bei Neumarkt (Bezirk Murau) fiel ein entwurzelter Baum auf die B317 Friesacher Straße und traf einen vorbeifahren 62-jähriger Pkw-Lenker aus dem Bezirk Murau. Er und seine Beifahrerin blieben unverletzt. Am Pkw entstand erheblicher Sachschaden. Die B317 war in der Zeit von 16.35 bis 18 Uhr zwischen Perchau und Neumarkt in der Steiermark für den gesamten Verkehr gesperrt.

Im oststeirischen Raabtal hatte ein Baum nahe dem Bahnhof Studenzen-Fladnitz die Gleise der Ostbahnstrecke der ÖBB blockiert.

Bezirk Voitsberg: Aufräumarbeiten am Tag nach dem Sturm

Im Bezirk Voitsberg heißt es am Mittwoch: aufräumen nach dem Sturm. Ein Streifzug durch die Gemeinde Kainach, die es besonders getroffen hat.

Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer

Kainachs Bürgermeister Viktor Schriebl begutachtet am Dienstag mit dem Voitsberger Katastrophenschutzreferenten Harald Fürpaß die Gemeinde.

Karl Mayer
Karl Mayer
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Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
Karl Mayer
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Im Bezirk Voitsberg kam es auf mehreren Streckenabschnitten (B70, B77, L346, L348 sowie der Blocklochgrabenstraße) zu Straßensperren aufgrund der über die Fahrbahn liegenden Bäume. Auf der B70 Packer Straße im Bereich der sogenannten „Mattl-Kehre“ stürzte ein Baum auf einen Pkw. In Bärnbach krachte ein Baum auf ein Hausdach, wodurch erheblicher Sachschaden entstand. Personen wurde nicht verletzt. BH Hannes Theißl ist mit Geologen, seinen Mitarbeitern und den Einsatzkräften im Auftrag von Vize-LH Michael Schickhofer unterwegs, um die Sicherheit vor Ort wieder herzustellen.

Unwetterwarnung bleibt aufrecht

Seitens der ZAMG - Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik - wurde am Mittwoch eine Unwetterwarnung erlassen, auch Graz ist betroffen. Gültig ist diese von Mittwochfrüh bis Donnerstagfrüh.

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the_critic
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18
Lesenswert?

Bundesheer auch im Einsatz?!

Ich lese hier viel über die fleißigen Feuerwehrler und denen großen Dank, ebenso den anderen Helfern.

Aber ich habe noch nichts über Hilfe seitens des Bundesheers gelesen. Gibts da Katastrophenhilfe, wie es ja bei solchen Lagen wie im Moment angebracht wäre? Abgesehen davon war das ja auch immer eines der führenden Argumente, wenn es um die Beibehaltung der Wehrpflicht ging.

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