Die Saab Draken und die Steirer. Nein, das war alles andere als Liebe auf den ersten Blick. Heimlich, still und für Zaungäste überraschend leise setzten die ersten sechs Stück des ersten Überschall-Abfangjägers der österreichischen Luftstreitkräfte vor genau 30 Jahren -  am 6. Juni 1988 - am Flughafen Graz-Thalerhof auf. Grund für die Geheimoperation: Man wollte den erbitterten Gegnern des schwedischen Drachens keine Bühne für medienwirksame Protestaktionen bieten.

Doro Kowatsch, damals 32-jähriger Hauptmann der Luftstreitkräfte, überstellte den ersten der umstrittenen Jets an jenem Tag in seine neue Heimat. Da er fast die gesamte Ausbildung auf dem Abfangjäger in Schweden verbracht hatte, hatte der Seckauer den ganzen politischen Wirbel um sein neues Arbeitsgerät damals nur aus der Ferne mitbekommen. Und reagierte mit Unverständnis. „Weil eigentlich keiner genau Bescheid wusste. Flugzeuge dieser Art erzeugen nun einmal eine gewisse Lärmkulisse. Aber ob das ein Draken ist, eine Mirage oder eine F-16, ist ja im Prinzip egal.“ Dass damals sogar namhafte Professoren in Ferngutachten dem Flieger ein Gesundheitsrisiko attestierten, ringt Oberst Kowatsch heute noch ein Kopfschütteln ab.

Airpower 2016, Doro Kowatsch mit Saab Draken
Draken-Pilot der ersten Stunde: Doro Kowatsch
© Wilfried Rombold

Die Situation beruhigte sich in den folgenden Jahren einigermaßen. Und dann kam der Sommer 1991, die Jugoslawienkrise spitzte sich zu. Im Heer war man natürlich vorgewarnt und die Drakenpiloten hatten bereits Orientierungsflüge entlang der Südgrenze absolviert. „Für uns kam es dann doch überraschend, als am Freitag, dem 28. Juni, der Einsatz aktiviert wurde“, erinnert sich Kowatsch. Denn schon tags zuvor hatte es Luftraumverletzungen durch die jugoslawische Volksarmee gegeben, der Einsatzbefehl blieb jedoch aus. Nun aber starteten die Drakenpiloten von Zeltweg und später von Graz aus ihre Patrouillenflüge. Präsenz zeigen lautete die Mission.

Falsche Gerüchte

Doch im Geschwader machte man sich seine Gedanken. „Weil wir hörten, welche Lage in Belgrad ausgegeben wurde. Gerüchte wurden gestreut, Österreich und Deutschland wollen den Staat Jugoslawien aufsplitten, man sprach von Waffenlieferungen nach Slowenien.“ Wie würde also ein Pilot der Volksarmee seine Kollegen im Draken sehen? Etwa als Feind? Rasch wurden die taktischen Verfahren geändert. Und die Frage diskutiert, ob die Bordbewaffnung des Drakens (bestand nur aus der eingebauten Bordkanone) ausreichend ist. Erst drei Jahre später sollte der Flieger Sidewinder-Lenkraketen unter seine markanten Doppeldeltaflächen bekommen.

Doch hätten Kowatsch und seine Kollegen damals überhaupt schießen dürfen? „Nur in Notwehr. Wir waren ja nicht im Krieg, daher galten auch die friedensmäßigen Regeln.“ Also erst einmal hinfliegen und identifizieren. Wäre die Begegnung auf österreichischem Hoheitsgebiet erfolgt, hätte die Rotte den Eindringling zum Landen gezwungen. „Einer geht vor, gibt die internationalen Zeichen, der andere sichert von hinten“, erklärt der Offizier das Verfahren.

Doch dazu kam es nie. Die rot-weiß-roten Patrouillen erfüllten ihren Zweck. Die MiG-21 der Jugoslawen drehten fortan vor der Grenze ab. Und angeblich kamen Landeshauptmann Josef Krainer jun., mächtigster aller Draken-Gegner, bei der Ansicht einer patrouillierenden Draken-Rotte die Worte über die Lippen: „Gut, dass wir sie haben.“ In Bad Radkersburg applaudierten am Boden die Menschen sogar, als über ihnen zwei Draken mit vollem Schub gen Himmel schossen. Die Steirer, vor allem jene im Grenzgebiet, waren versöhnt mit den einst ungeliebten Abfangjägern.

Akzeptanz

„Es war ein gewisser Durchbruch“, erinnert sich Kowatsch, „Der offene politische Widerstand hörte auf und eine allgemeine Akzeptanz war da.“ Damit konnte der Flugbetrieb weiterentwickelt werden. Und es wurde die Basis geschaffen für die Einführung eines supermodernen Fliegers, des Eurofighters.

Aber das ist eine andere Geschichte, deren letztes Kapitel noch lange nicht geschrieben ist.

Dieser Text ist eine überarbeitete Version eines Beitrags in der Beilage zur Airpower16 der Kleinen Zeitung vom August 2016.