Steirer des TagesPionier und Spielmacher

Der Weststeirer Willi Huberts war der erste Österreicher in der deutschen Fußball-Bundesliga. Heute ist er 80 Jahre alt.

Willi Huberts, 80 © Simon Moestl
 

Im Glanz seiner Augen scheint er nochmals abzulaufen, der Spielfilm einer Fußballerkarriere. Beim nostalgischen Blick in die Vergangenheit verschmelzen die Erinnerungen von Willi Huberts zum Gesamtkunstwerk, gegossen in eine außergewöhnliche Form. Denn der mit heutigem Tag 80-Jährige beschritt einen vollkommen anderen, unorthodoxen Weg. Er verstand seinen Sport stets als Kunst, nicht als harte Arbeit. „Ich wollte immer selbst gestalten“, sagt er.

Schon bald nach den ersten Gehversuchen verschlug es den Steirer nach New York, wo der GAK (wie heute Real Madrid oder Manchester United) eine Werbetour absolvierte. Das war 1959. Huberts landete bei New York Hungaria, dem Klub eines ungarischen Millionärs. Aber der Ruf der alten Fußballwelt ließ nicht lange auf sich warten. War der hochbegabte junge Kicker bei der die Südamerikaner bevorzugenden AS Roma noch dritte Wahl (nur zwei Ausländer durften eingesetzt werden), sollte er fortan die erste Geige spielen. Ein Manager kam persönlich vorbei und für Willi Huberts öffnete sich als erstem Österreicher das Tor zur deutschen Bundesliga, wo er im Gründungsjahr 1963 zu Eintracht Frankfurt stieß. „Ich war der Spielmacher“, sagt Huberts und verweist stolz auf seine Rückennummer. Mit der „10“ schmücken sich die wahren Größen des Fußballs, allen voran Pele.

Huberts ließ seiner Spielfreude freien Lauf und sog sie förmlich auf, die Atmosphäre der Bundesliga. „Wir haben immer vor 50.000, 60.000 Zuschauern gespielt.“ Er sollte sieben Jahre bleiben. Seine Fähigkeiten erregten auch die Aufmerksamkeit des DFB, der ihn über eine Hintertür zur deutschen Nationalmannschaft lotsen wollte. „Das ist für uns aber nicht infrage gekommen“, sagt seine Frau Christa, die ihren Mann in 58 Ehejahren stets begleitet hat.

Angeklopft haben natürlich auch die Österreicher, im wahrsten Sinne des Wortes. Eines Tages stand Hans Pesser vor der Tür, der damalige Teamchef. „Er ist extra zu uns nach Frankfurt gekommen.“ Und abgeblitzt. Nicht, weil Huberts nicht wollte. Er durfte nicht. „Sie haben gesagt, dass die Verletzungsgefahr zu groß ist.“ Aber es gibt auch das Gerücht, dies sei nur ein Vorwand gewesen, um zu verhindern, dass Huberts gegen Deutschland spielt. Österreich war in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1970 ein Gruppengegner. Es war trotzdem schön und es hat ihn sehr gefreut: "Wir haben gut leben können."

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