Der Amoklauf im BORG Dreierschützengasse, die Welle an Hassverbrechen in der „Pedo-Hunter-Szene“ oder der gewaltsame Tod der Grazer Influencerin Stefanie P.: Für die steirische Polizei war 2025 ein ereignisreiches, ja teils dramatisches Jahr. In der Anzeigenstatistik schlägt sich das ebenfalls nieder – es gab einen signifikanten Anstieg um 5,1 Prozent. Insgesamt wurden im Vorjahr 61.372 Straftaten in der Steiermark angezeigt.

So viele Delikte gab es zuletzt im Jahr 2007. Landespolizeidirektor Gerald Ortner bemühte sich jedoch bei der Präsentation der Zahlen um Einordnung. Man verfüge derzeit über so viele Polizisten wie noch nie, damit erhöhe sich auch der Kontrolldruck auf der Straße und im digitalen Raum. „Wir bringen Dinge ans Licht, die sonst im Dunkelfeld geblieben wären“, sagte Ortner. Aber auch neue Phänomene, insbesondere die Internetkriminalität, tragen zum Anstieg bei. Im Vorjahr gab es in diesem Bereich um 11,3 Prozent mehr Anzeigen, mehr als die Hälfte aller Betrugsdelikte werden mittlerweile digital angebahnt bzw. vollzogen. Für Ortner ist das ein „hochdynamisches Feld“, hier gelte es ständig am Ball zu bleiben und sich weiterzubilden.

Ein Plus steht diesmal fast vor allen Deliktsbereichen, aber auch bei der Aufklärungsquote. Mit 58,7 Prozent konnte diese neuerlich leicht gesteigert werden. „Wer in der Steiermark eine Straftat begeht, muss damit rechnen, gefasst zu werden“, betonte der Landespolizeidirektor. 42.651 Tatverdächtige wurden insgesamt im Vorjahr ausgeforscht, knapp 38 Prozent davon waren Fremde, also keine österreichischen Staatsbürger.

Nicht in der Statistik: Elf Tote an der Schule

Sieben vollendete Morde stehen an der traurigen Spitze der Gewaltdelikte – um zwei weniger als 2024. Dabei wurden vier Frauen und drei Männer zu Opfern. Nicht eingerechnet in die Statistik ist das Massaker am BORG Dreierschützengasse, wo ein ehemaliger Schüler zehn Menschen und danach sich selbst erschossen hat. Offiziell begründet das die Landespolizeidirektion damit, dass der Akt noch nicht abgeschlossen sei.

Fast 23 Prozent der Gewaltdelikte spielen sich in der Privatsphäre ab, bei 62 Prozent gab es zwischen Opfer und Täter eine Bekanntschaft, erläuterte Rene Kornberger vom Landeskriminalamt Steiermark. Bei den angezeigten Vergewaltigungen gab es eine leichte Steigerung auf 146.

Im Schnitt jeden Tag zwei Einbrüche

Nicht mehr so hoch wie noch vor der Corona-Zeit ist die Zahl der Einbrüche in Wohnräume. Dennoch wurde im Vorjahr im Schnitt an jedem Tag zweimal in Wohnungen oder Wohnhäuser in der Steiermark eingebrochen (706 Fälle insgesamt). Ein Teil davon geht auch auf die Kappe einer international tätigen Chilenen-Bande, die von steirischen Ermittlern ausgeforscht werden konnte.

Landespolizeidirektor Gerald Ortner, Kripo-Graz-Leiterin Christine Krenn und Rene Kornberger (LKA Steiermark) präsentierten die Statistik für 2025
Landespolizeidirektor Gerald Ortner, Kripo-Graz-Leiterin Christine Krenn und Rene Kornberger (LKA Steiermark) präsentierten die Statistik für 2025 © Rombold

Graz bleibt steirischer Drogen-Hotspot

Fast die Hälfte der 4205 in der Steiermark angezeigten Suchtmitteldelikte entfielen im Vorjahr auf die Landeshauptstadt. Den deutlichen Anstieg in Graz um 9,1 Prozent führt Kripo-Chefin Christine Krenn unter anderem auf gezielte Strukturermittlungen und die hohe Kontrolldichte zurück. Die Verordnung von Schutzzonen im Volksgarten und Metahofpark hätte sich bewährt, jene im Metahofpark wird daher ab 1. April neuerlich verlängert.

Ebenso ein Graz-zentriertes Phänomen ist der Sozialleistungsbetrug. Hier wurde im Vorjahr mit 78 Prozent (von 515 auf 919) die größte Steigerung bei den Anzeigen registriert. In Graz beträgt das Plus sogar 94 Prozent. Als Gründe nennt Krenn die eigens dafür eigerichtete Taskforce (SOLBE) und die gute Zusammenarbeit mit den auszahlenden Stellen, wie Pensionsversicherungen. Auch die Banken legen mit ihren Verdachtsmeldungen zur Geldwäsche oft die erste Spur zu Sozialleistungsbetrügern.