Über 400 Brennpunktschulen erhalten ab Herbst den sogenannten Chancenbonus. , eine zusätzliche Unterstützung in Form von zusätzlichen Planstellen. Der Großteil davon geht nach Wien.

In der Steiermark wandert das Gros der Stellen nach Graz. 32 Schulen bekommen hier zusätzliche Unterstützung. Das sind knapp die Hälfte der Volks- und Mittelschulen in Graz. Insgesamt werden in der Steiermark 41 Schulen in das Programm aufgenommen, unter anderem auch drei in Kapfenberg und zwei in Leoben.

Elternhaus in Österreich besonders ausschlaggebend

Der Hintergrund: In Österreich hängt die Bildungslaufbahn von Kindern besonders stark davon ab, wo ihre Eltern herkommen und welchen Bildungsgrad sie haben – viel stärker als in anderen Ländern.

Wie stark auch der Schüler-Mix am Standort hierzulande auf die Leistung durchschlägt, hat erst vergangene Woche ein Vergleich der Leistungen am Ende der Volksschulzeit gezeigt: Schulen mit dem höchsten Anteil an Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund sowie aus bildungsfernen Familien liegen beim Lesen im Schnitt 22 Lernmonate hinter Schulen, an denen besonders viele Kinder die Erstsprache Deutsch und Akademikereltern haben.

Mehr Chancengleichheit in der Bildung als Ziel

Mit dem Chancenbonus sollen ab dem nächsten Schuljahr 244 Volksschulen und 156 Mittelschulen, in denen besonders viele Kinder schwierigere Lernvoraussetzungen mitbringen, zusätzliches Personal bekommen. Die Schulen können dabei je nach Bedarf Lehrkräfte oder Schulpsychologinnen und -sozialarbeiter, Theaterpädagogen und Psychotherapeutinnen beantragen.

Zum Chancenbonus-Programm gehört außerdem das Vernetzen mit anderen Standorten und externe Beratung bei der Schulentwicklung. Insgesamt sind dafür bundesweit pro Jahr 65 Mio. Euro zusätzlich budgetiert.

Sprache und Bildung der Eltern entscheiden über Bonus

Vergeben werden die Mittel auf Basis der sozioökonomischen Ausgangslage (SÖL), die Statistik Austria berücksichtigt dabei neben Migrationshintergrund und Alltagssprache der Kinder auch Bildungsstand, Erwerbsstatus und Einkommen der Eltern.

Der Chancenbonus geht an Schulen der beiden untersten SÖL-Kategorien, also Schulen, in denen besonders viele Kinder Migrationshintergrund und Eltern mit geringer Bildung und wenig Geld haben. Wie viel Unterstützung ein Standort bekommt, hängt von Schulart und Zahl der Kinder ab.

Vergleichbare Projekte im Ausland zeigen laut Ministerium Wirkung

Über die Qualität der Schule oder die Leistungen der Kinder sagt der SÖL per se nichts aus, wie das Ministerium betont. „Unser Ziel ist, dass die Potenziale der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen - und nicht mehr der Bildungshintergrund der Eltern“, so Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS).

Bei vergleichbaren Projekten zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit im Ausland habe sich die Unterstützung von Schulen mit den schwierigsten Rahmenbedingungen besonders wirksam gezeigt.