Fast ein Jahr ist es her, da strömten bundesweit rund 400 Polizistinnen und Polizisten zu einem europaweit beachteten Schlag gegen die Hasskriminalität aus. Die Razzia am 21. März 2025 führte letztendlich zu 25 Festnahmen und 43 Hausdurchsuchungen in sieben Bundesländern. Im Fokus standen sogenannte „Pedo-Hunting“-Gruppen, die Männer mit falschen Profilen auf Dating-Apps in die Falle lockten, dort als Akt der Selbstjustiz brutal misshandelten und erniedrigten.

Im Hintergrund hatte die „AG Venator“ im Landeskriminalamt Steiermark schon seit Monaten gegen die teils straff organisierten Tätergruppen ermittelt. Und auch ein Jahr danach ist die „Monsterarbeit“ noch nicht abgeschlossen, wie Bezirksinspektor Rene-Alexander Kargl berichtet. „Wir haben uns durch 35.000 Chatnachrichten gearbeitet und 270 Beschuldigte identifiziert“. Die Kriminalisten leisteten dabei Pionierarbeit, denn weltweit wurde noch nie tiefgehend in die Struktur der „Pedo-Hunter“-Szene hineinermittelt, wie Kargl sagt. 30 Gruppen wurden insgesamt ausgeforscht. Letztlich habe man die Grundstrukturen in Österreich zerschlagen können, nun werden die bis hin zum Mordversuch reichenden Gewaltdelikte nach und nach von den Gerichten abgearbeitet. Erst diese Woche sind acht junge Täter im Grazer Straflandesgericht zu Haftstrafen verurteilt worden.

Für den Knittelfelder Rene-Alexander Kargl gab es am Freitagabend eine besondere Ehrung. Der Leiter der „AG Venator“ wurde stellvertretend für sein siebenköpfiges Team bei einer Gala in den Grazer Kammersälen mit dem „Schöckl Award“ ausgezeichnet. Zum zweiten Mal hat die Landespolizeidirektion, das Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) und Land Steiermark diesen Preis an die Polizistinnen und Polizisten des Jahres verliehen. Sein Name bezieht sich auf die steirische Leitstelle, im Polizeifunk „Schöckl“ gerufen.

Inspektor Tobias Köck ist „Newcomer des Jahres“, im Bild mit Ehrenpatin Landesrätin Simone Schmiedtbauer
Inspektor Tobias Köck ist „Newcomer des Jahres“, im Bild mit Ehrenpatin Landesrätin Simone Schmiedtbauer © LPD Steiermark/Huber

Mit Stichwortzetteln durchs Gespräch geleitet

Als „Newcomer des Jahres“ freut sich auch Inspektor Tobias Köck von der Polizeiinspektion Trofaiach über einen Award. Dem 25-Jährigen ist es im Oktober gelungen, drei Männer festzunehmen, die einer 92-jährigen Pensionistin mit dem „Falsche-Polizisten-Trick“ bereits 80.000 Euro herausgelockt hatten. „Das Besondere daran war, dass die Frau nach der Tat noch immer mit den Tätern in Kontakt stand“, erzählt der Polizist. Und so arrangierte man gemeinsam mit dem Opfer eine weitere fingierte Geldübergabe. Köck bereitete die Seniorin behutsam auf die Telefonate mit den Betrügern vor und leitete sie mit vorgedruckten Stichwortzetteln durch das Gespräch. „Flüstern war ja nicht möglich, das hätte man hören können.“

Tatsächlich kamen tags darauf drei Männer ins Haus, um das Geld abzuholen – und wurden dort von Köck und seinen Kollegen bereits erwartet. Der Fall ist inzwischen beim Landeskriminalamt gelandet und könnte sich noch zu einem größeren Ermittlungserfolg gegen die „falschen Polizisten“ ausweiten, wie Köck andeudet.

Alle Preisträgerinnen und Preisträger des „Schöckl-Award“ 2026
Alle Preisträgerinnen und Preisträger des „Schöckl-Award“ 2026 © LPD Steiermark/Huber

Gute Seelen und Sprengstoffexperten

Insgesamt wurde der „Schöckl Award“ in neun Kategorien verliehen. Die weiteren Preisträger sind: Ines Haspl vom Bezirkspolizeikommando Weiz (Prävention), Edmund Lienhart von der Landesverkehrsabteilung (Verkehrsdienst), Rene Kornberger vom LKA in seiner Sonderverwendung als Sprengstoffexperte (Einsatz), Rosa Harrer, die „gute Seele“ der Landespolizeidirektion (Internes Management), Roland Frühwirth, PI Flughafen (Fremdenpolizei) und Johann Klammler, das Urgestein der PI Graz-Karlauerstraße, für sein Lebenswerk. Den Preis für die gute Zusammenarbeit mit der Polizei erhielt Harald Eitner, Leiter des Landes-Katastrophenschutzes.

Galerie: Die weiteren Preisträger