Mit einem Feuerzeug wurde Würfelzucker fein zerstampft, damit er Kokain ähnelt. Vor dem Verkauf wurde der weiße Stoff professionell abgepackt – in Hundekotsackerl. Vier Jugendliche sitzen nach diesem ungewöhnlichen „Drogen“-Geschäft, das in Graz-Andritz über die Bühne gegangen ist, in Haft. Laut Staatsanwaltschaft hat das Quartett den jungen Kunden während des Treffens ausgeraubt. Für die Angeklagten (aus Österreich, Russland und Afghanistan, 15 und 16 Jahre alt) war es hingegen lediglich Betrug.
Gerd Krassnig, Anwalt des erstangeklagten „Zuckerkoks“-Produzenten, geht beim Prozess mit seinem Mandanten zunächst hart ins Gericht: „Er hat die Richterin, seine Eltern und mich schwer enttäuscht und eigentlich jeden Kredit verspielt.“ Nach der letzten Verurteilung im Mai schwor der 16-Jährige, „keinen Blödsinn mehr zu machen. Doch das war eine Lüge.“ Als Verteidiger stehe er ihm aber dennoch zur Seite, „weil die vier Zeugen ein komplexes Lügenkonstrukt aufgezogen haben und mein Mandant hundertprozentig unschuldig ist. Ja, er wollte den Kunden mit dem Zucker abziehen“, mehr als ein Betrug sei es allerdings nicht gewesen.
Verteidiger: „Es gab kein Messer“
Ähnlich argumentiert Martin Robier, der die anderen drei Angeklagten verteidigt: „Verzeihung, aber ich muss festhalten, dass meine Mandanten nicht die Hellsten sind. Sie sind mit dem Erstangeklagten mitgegangen, aber es gab weder ein Messer noch einen Raub.“ Und: Warum sollte man Zucker zerstoßen? Für einen Raub sei eine solche Extraübung nicht notwendig.
230 Euro hat der 16-Jährige für das vermeintliche Kokain erhalten. „Ein Würfelzucker sollte ein Gramm Kokain sein. Ich habe meine Kollegen nur aus Sicherheitsgründen mitgenommen, falls jemand das mit dem Zucker merkt“, erklärt der Jugendliche. Eingeladen hat er den Kunden über Snapchat und TikTok: „Die Schneeflocken und der Brokkoli als Emojis sind ein Hinweis, dass es bei mir Drogen zu kaufen gibt“, lässt er wissen. Koks habe er ohnehin nie verkaufen wollen, bislang stets nur mit „Gras“ gedealt.
Kunde wurde misstrauisch
Staatsanwältin Sara Sailer hält dagegen: „Die Angeklagten wollten das Opfer zwingen, das vermeintliche Kokain zu kaufen.“ Einer habe mit einem Springmesser gedroht, einer zugetreten. „Kann es sein, dass Sie zornig geworden sind und zugetreten haben, weil der Kunde misstrauisch geworden ist?“, fragt Richterin Gudrun Schmitt. – „Nein“, beharrt der 16-Jährige auf seiner Unschuld. Vertagt. Die Verteidigung will einen Burschen hören, der den „Zuckerkoks“-Deal eingefädelt haben soll.