Seine große Hilfsbereitschaft hat der in Graz lebende Software-Unternehmer Daniel Kollnig schon mehrmals unter Beweis gestellt, unter anderem als Flüchtlingshelfer. Nun ist der gebürtige Osttiroler aber selbst in eine äußerst verzwickte Lage geraten und auf Hilfe aus Österreich angewiesen. Er wurde in der Westukraine wegen des Verdachts der Kindesentführung vorübergehend festgenommen und darf das Land nicht verlassen. Über diesen Fall berichtete am Mittwochabend auch die ZiB2.
Der Grazer ist zwischen die Fronten eines erbitterten Sorgerechtsstreits zwischen einem Ukrainer und seiner Ex-Frau um deren gemeinsame elfjährige Tochter geraten. Mutter und Kind waren 2022 vor dem Krieg in der Ukraine nach Graz geflohen, dort wurden sie von Kollnig und dessen Bekannte Marion Bock ehrenamtlich betreut. Der aus Kiew stammende Vater habe laut einer Vereinbarung mit der Mutter einmal jährlich einen Urlaub mit seiner Tochter verbringen dürfen, das tat er auch im letzten Sommer. Danach habe er das Mädchen aber nicht mehr zu seiner Mutter zurückkehren lassen, berichtet Bock der Kleinen Zeitung. Der Frau sei zwar vom obersten Gerichtshof in der Ukraine das alleinige Sorgerecht für ihre Tochter zugesprochen worden, umgesetzt wurde der Bescheid allerdings nicht. Zudem sei gegen den Vater ein Strafverfahren wegen Kindesentziehung eingeleitet worden, das die Staatsanwaltschaft Graz an die ukrainischen Behörden abgetreten hat.
Mutter reiste mit Helfern in die Ukraine
Weil alle Bemühungen auf juristischer Ebene nichts brachten, sind die beiden Steirer mit der Mutter auf deren Bitte Anfang Jänner in die Westukraine gefahren, um die Elfjährige zu suchen. „Wir haben sie auch in einem Hotel in den Karpaten gefunden“, berichtet Bock. Das Trio brachte das Mädchen in ihr Auto und fuhr damit weg. Etwa 45 Minutet später wurde das Auto im Zuge einer Alarmfahndung von der Polizei gestoppt, die Insassen festgenommen und das Mädchen zu ihrem Vater zurückgebracht. Während die beiden Frauen bald wieder auf freiem Fuß waren, blieb Kollnig in Polizeigewahrsam. Nach zwei Nächten im Gefängnis wurde er zwar gegen Kaution freigelassen, darf die Region und die Ukraine aber nicht verlassen.
Hintergrund für die Verhaftung des Steirers soll eine Anzeige des Kindesvaters sein. Er sei Anwalt, vermögend und einflussreich, sagt Bock. Und sie ist sich sicher: „Er manipuliert das Kind.“ Kollnig drohe bei einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren. Das Verfahren verlaufe allerdings nicht fair und objektiv, sagt seine Bekannte. „Obwohl die Mutter immer anwesend war und alles eigentlich auf ihren Wunsch hin erfolgte, wird er als Einzeltäter geführt“, berichtet die Grazerin. Entlastende Fakten seien nicht ins Protokoll aufgenommen worden.
Botschaft ist eingeschaltet
Zwar würden das Außenministerium und die Botschaft in Kiew den Österreicher nach ihren Möglichkeiten unterstützen, allerdings sei deren Handlungsspielraum eingeschränkt, sagt Bock. Sie betont: „Es war eine reine private Entscheidung, dieser Mutter zu helfen, weil auf anderem Wege nichts mehr weitergegangen ist.“ Hätte man gewusst, welche Komplikationen sie dort erwarten, wäre man nie in die Ukraine gefahren. Die leise Hoffnung: Dass durch die mediale Berichterstattung ein Druck auf die ukrainischen Behörden aufgebaut wird.