Im Frühling steigt die Gefahr von Fensterstürzen. Davor warnt der in Graz ansässige Verein „Große schützen Kleine“. Die höheren Temperaturen würden wieder dazu einladen, die Fenster zu öffnen und frische Luft in die Wohnung zu lassen. Deshalb sollte man Kinder beim Lüften nie aus den Augen lassen und versperrbare Fenstergriffe anbringen, so der Rat des auf Kindersicherheit spezialisierten Vereins.
Jährlich versterben ein bis zwei Kinder in Österreich durch Stürze aus geöffneten oder ungesicherten Fenstern. Holger Till, Präsident des Vereins „Große schützen Kleine“ und Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie warnt: „Fenster üben auf Kinder eine nicht zu unterschätzende Faszination aus. Sind sie geöffnet, ist der Drang, die Welt da draußen zu entdecken, groß. Der gewichtsmäßige Körperschwerpunkt liegt beim Kleinkind deutlich weiter oben als beim Erwachsenen. Es besteht entsprechend die Gefahr, dass Kleinkinder, wenn sie sich nach vorne lehnen, über alles bis Bauchnabelhöhe ‚kippen‘ können.“
Buben unter fünf Jahren am häufigsten betroffen
Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins „Große schützen Kleine“ weiß: „Das ‚typische Kind‘, das aus dem Fenster stürzt, ist laut langjähriger Betrachtung unter fünf Jahre alt (70 Prozent) und männlich (65 Prozent). Etwa jeder achte Fenstersturz endet tödlich. Fensterstürze passieren das ganze Jahr hindurch. Mit den laueren Temperaturen steigt die Gefahr im Frühling jedoch wieder deutlich, der Höhepunkt lässt sich dann in den Monaten Mai bis August feststellen.“
Versperrbare Fenstergriffe schützen
In rund der Hälfte der Fenstersturz-Fälle öffnen die Kinder das Fenster selbst. „Mithilfe von Couch, Sessel, Spielzeugkiste und Ähnlichem können Kinder Fenstergriffe schon sehr früh und einfach erreichen. Den besten Schutz vor einem Fenstersturz bieten versperrbare Fenstergriffe. Diese sind kostengünstig zu erwerben und können einfach nachgerüstet werden“, rät Till.
Für die Zeit des Lüftens sei es unerlässlich, sich direkt beim Kleinkind aufzuhalten und ihm seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Am besten verlasse man mit dem Kind gemeinsam den Raum. Dauerlüften, z. B. im Sommer oder in der Nacht, sollte jedenfalls nur mit gekipptem Fenster erfolgen.
Außerdem wichtig zu bedenken: Insektennetze, Fliegengitter oder Ähnliches – Mit-Unfallursache für rund 13 Prozent der Fensterstürze – bieten laut Experten keinerlei Schutz. Im Gegenteil: Sie verleiten Kinder dazu, sich gegen diese zu lehnen. Wenn das Netz dann ausreißt bzw. aufgeht, können sich die Kinder normalerweise nicht mehr rechtzeitig abfangen. Katzengitter sollte man ebenfalls niemals als Schutz für Kinder ansehen.