Wenn heute in Wien der Startschuss für den „Vienna City Marathon“ fällt, wird Aaron Gruen (ÖBV Pro Team) irgendwo in Deutschland in den Bergen weilen und das Geschehen eventuell am Handy mitverfolgen. „Ich bin mit meiner Freundin auf Urlaub. Es ist aber etwas weniger Urlaub, als wir erwartet haben“, sagt er lachend. Der Grund? Das Interesse am 26-Jährigen, Nachkomme einer Familie von im zweiten Weltkrieg verfolgter und schließlich geflüchteter Juden, ist aktuell groß: „Unglaublich, wer alles mit mir sprechen möchte. Ich kann es selbst noch gar nicht glauben und fassen.“ Das Interesse ist begründet. Und – rein sportlich – lässt sich das mit den vergangenen vier Monaten erklären. Mit großem Vorsprung gewann der Österreicher zum Jahreswechsel den Wiener Silvesterlauf. Und vor einer Woche knallte er beim McKirdy-Marathon in Valley Cottage, New York, eine Zeit von 2:09:53 Stunden über die 42,195 Kilometer auf den Asphalt des Rundkurses. Und lief damit als erster Österreicher unter 2:10 Stunden. Ein Rekord, der eine rot-weiß-rote Schallmauer durchbrach. Gelaufen von einem Mann, der offenbar Grenzen gerne verschiebt.
Leichtathletik
Aaron Gruen will nicht nur Läufer sein – und ist doch Österreichs Marathon-Rekordler
Porträt.
Aaron Gruen ist in den USA als erster ÖLV-Athlet einen Marathon unter 2:10 Stunden gelaufen. Die Geschichte des Hochbegabten, der sich an sich mehr als Musiker denn als Sportler fühlt, ist beeindruckend. Ebenso wie die Entscheidung des Nachkommen vertriebener Juden, für Österreich zu laufen.
© Julie Porter