Karge Landschaft, aber eine umso reichere Küche und Geschichte – so lässt sich der Karst vielleicht am treffendsten beschreiben. Doch wo beginnt man? Am besten in Triest, der Hafenstadt an der Adria, in der sich Vergangenheit und Genuss auf einzigartige Weise miteinander verweben.

Hoch oben über dem blauen Meer erhebt sich das Schloss Miramare, ein Meisterwerk romantischer Architektur und einstige kaiserliche Residenz der Habsburger. Stolz wacht es dort über die Stadt und ihre Geschichte. Ein Spaziergang durch die prächtigen Schloss­gärten ist der ideale Einstieg in eine Triester Entdeckungsreise.

Kaffeehauptstadt Triest

Triest ist auch untrennbar mit Kaffee verbunden. Die aromatischen Bohnen werden im Hafen aus Plantagen aus aller Welt angeliefert, in Qualitätsröstereien veredelt und schließlich in legendären Kaffeehäusern wie dem Antico Caffè San Marco oder dem Caffè degli Specchi in Form von Kaffee kredenzt. Noch heute spürt man hier den Hauch vergangener Zeiten, während man einen wundervoll weichen Espresso genießt. Wer nicht auffallen will, sollte jetzt mitschreiben: In der Hafenstadt heißt ein Espresso nämlich „un nero“, mit einem Schuss Milch wird er zum „un capo“ und mit einer zarten Haube Milchschaum zum „gocciato“.

Mit Kaffeearoma noch in der Nase, ist der perfekte Moment gekommen, sich dem Karst zuzuwenden. Das raue Kalksteinplateau offenbart eine Landschaft voller Geheimnisse: durchzogen von Höhlen, von sonnenverwöhnten Weinbergen und von kleinen, zeitvergessenen Dörfern. Im Rosandra-Tal, einem kleinen Stück Bergwelt in der Nähe des Meeres, rauscht ein Bach durch wilde Schluchten, während in Duino, zwischen Monfalcone und Triest, das Schloss hoch über den Klippen steht. Es ist ein stummer Zeuge der Geschichten, die einst schon Rainer Maria Rilke inspirierten.

Das beschauliche Fischerdorf Muggia gleicht einem farbenfrohen Gemälde. Die warmen Töne der Fassaden spiegeln die Lebensfreude seiner Einwohnerschaft wider, die in kleinen Osterien mit einem Glas Malvasia oder Vitovska verweilen. Diese Weine, geboren aus den kargen Böden des Karsts, sind von einer Tiefe, die die Seele berührt. Und dann ist da der Terrano: dunkel und erdig, ein echter Charakterwein, der nach kalkhaltigem Karstboden und Sommersonne schmeckt.

Simpel, aber schmackhaft

In den Osmize, den traditionellen Schenken, stehen Hausgemachtes und Authentisches im Mittelpunkt: Marasca-Honig, würziger Jamar-Käse, gereift in den Höhlen des Karsts, sowie Presnitz und Putizze, süße Teigrollen, die mit Nüssen und Rosinen gefüllt sind. Auf den Tischen dampft oft die Jota, eine Suppe, die Sauerkraut, Bohnen und Kartoffeln in einem herzhaften Tanz vereint.

Eine Eigenheit sind auch die Buffets in Triest, die vor über 100 Jahren entstanden, um die Hafenarbeiter mit kräftigen Mahlzeiten zu stärken. Auch heute sind die über 50 Buffets der Stadt ein Paradies – vor allem für alle, die Fleisch lieben: In großen Metalkesseln köcheln hier nach altösterreichischer Tradition Schinken, Würstel und Fleisch. Ein typisches Buffet-Gericht ist etwa gekochter Schinken mit geriebenem Kren darauf.

Doch die Region versteht sich nicht nur auf Deftiges. Der Golf von Triest birgt allerlei Schätze. Der Muschelanbau hat eine lange Tradition und schenkt den Küchen frische, delikate Meeresfrüchte. All das wird perfekt abgerundet durch einen Schuss des berühmten Tergeste-Olivenöls DOP aus dem Rosandra-Tal.

Tergeste-Olivenöl trägt die Sonne Friauls in sich
Tergeste-Olivenöl trägt die Sonne Friauls in sich © Pietro Rizzato