Matthias Weißenegger hatte es nicht leicht. Eigentlich wollte er Tierarzt werden, doch als ältester Sohn musste er den Hof seiner Familie (vulgo Mehringer) übernehmen. Und so wurde aus ihm der „Mehringer-Hiasl“. Seine Ehe mit Antonia R. war keine Liebesheirat, aber kinderreich. Und bald zerrüttet.
Ein letztes „Weidmannsheil“
Hiasl verbringt viel Zeit bei seinem Nachbarn und Jagdkumpel Franz Unterkirchner (vulgo Knauder-Bauer) – vor allem, wenn es zu Hause wieder einmal Streit gibt. So auch am 13. Jänner 1931. Mit einigen Jagdkollegen verbringt man einen feuchtfröhlichen Abend und erzählt sich Geistergeschichten, wie es damals üblich war. Mit einem „Weidmannsheil“ verabschiedet sich der gut gelaunte Hiasl. Doch er kommt nie zu Hause an. Seine Familie macht sich zunächst keine Sorgen, weil es öfters vorkommt, dass er als laienhafter „Viehdoktor“ Rinder auf Höfen in der Umgebung behandelt und dort übernachtet.
Ein offenes Geheimnis
Doch am Vormittag wird Hiasl schließlich von seinem Knecht Franz Dornig nahe seinem Hof tot aufgefunden. Für die Gerichtsmedizin ist klar, es war Mord. Hiasl war von zwei Revolverkugeln getroffen worden. Schnell geriet die 42-jährige Witwe Antonia und der 21-jährige Knecht Franz Dornig unter Verdacht. Es war ein offenes Geheimnis, dass die beiden ein Verhältnis hatten und Antonia soll ihrem jungen Liebhaber die Ehe versprochen haben. Doch die Beweise reichten nicht aus. Erst als Antonia – und deren fünfzehnjährige Tochter – fast zur gleichen Zeit ein Kind zur Welt bringen, wird wieder ermittelt. Der Vater beider Kinder ist Franz Dornig.
Eines von zwölf „Protokollen des Bösen“
Der Historiker und Chronist Valentin Hauser berichtet im Podcast von den Hintergründen des Verbrechens, den dramatischen Vorkommnissen in der Familie des Mordopfers und dem spektakulären Prozess.
Der Fall ist eines von zwölf Kapiteln aus Hausers neuem Buch „Protokolle des Bösen – Gewaltverbrechen in Kärnten“, erschienen im Hermagoras Verlag. Das Buch ist auch direkt beim Autor erhältlich.