Das UNO-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin von Dienstag könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. US-Außenminister Marco Rubio sagte, US-Truppen würden „nicht absichtlich eine Schule ins Visier nehmen“. In Minab nahmen unterdessen Tausende Menschen am Begräbnis der Kinder teil.
Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren laut iranischen Angaben am Samstagvormittag mehr als 160 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt. Sie wollten die Berichte ebenso wie die Amerikaner prüfen. Auch das Pentagon will den Angriff prüfen.
Amnesty International verifizierte sechs Videos aus dem Nachgang des Angriffs auf die Schule, die schwarzen Rauch aus dem teilweise eingestürzten Gebäude sowie Rettungskräfte und Bagger bei der Suche nach Überlebenden in den Trümmern zeigen. Aufnahmen, die vom Eingang der Schule aus gefilmt wurden, zeigen Mauern, die den Schulhof und das Gebäude umgeben, während im Hintergrund Rauch aus Richtung eines nahegelegenen Stützpunkts der Revolutionsgarden aufsteigt.
Die USA äußerten sich erstmals am Montag dazu. „Das Kriegsministerium würde das untersuchen, wenn es sich um einen unserer Angriffe handelte, und ich würde Ihre Frage an sie (das Ministerium, Anm.) weiterleiten“, sagte US-Verteidigungsminister Marco Rubio am Montag gegenüber Journalistinnen und Journalisten, als er zu dem Vorfall befragt wurde. „Die Vereinigten Staaten würden nicht absichtlich eine Schule angreifen.“
„Das wäre sehr tragisch, aber ich kann mich zu den Details nicht äußern, da ich einfach keine habe. Es wäre ein tragisches Ergebnis, wenn es passiert wäre. Ich habe keine Details dazu, was dazu geführt hat, aber klar ist, dass die Vereinigten Staaten nicht absichtlich eine Schule angreifen würden“, sagte Rubio.
Israels UNO-Botschafter: Unterschiedliche Berichte
Auch Israels UNO-Botschafter Danny Danon wurde zu dem Angriff befragt, für den iranische Staatsmedien Israel und die USA verantwortlich machten. Danon sagte, er habe unterschiedliche Berichte gesehen, darunter auch einen, wonach die iranische Revolutionsgarde die Schule angegriffen habe. Reuters konnte diese Berichte nicht unabhängig bestätigen.
Gezielte Angriffe auf Schülerinnen
Seit November 2022 wurden tausende Schülerinnen im Iran mit Vergiftungen ins Krankenhaus gebracht, informierte zuletzt Amnesty International. Fortlaufende gezielte Gasangriffe auf Mädchenschulen bringen die Rechte auf Bildung, Gesundheit und Leben von Millionen Schülerinnen in Gefahr. Die iranischen Behörden würden versuchen, die Angriffe zu vertuschen, statt die Mädchen zu schützen.
Mehr als 100 Schulen wurden seit November 2022 im Iran angegriffen, einige davon mehrmals. Die Angriffe haben dazu geführt, dass Schülerinnen mit Symptomen wie Husten, Atembeschwerden, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Einige Eltern haben ihre Töchter aus Angst um ihre Sicherheit von der Schule genommen.
Versuche der Vertuschung
Seit Bekanntwerden der Angriffe versuchen die Behörden, Schwere und Ausmaß der Angriffe zu vertuschen. Noch immer wurden weder wirksame und unabhängige Untersuchungen durchgeführt noch sinnvolle Schritte unternommen, um den Angriffen ein Ende zu setzen.
Obwohl aus offiziellen Statistiken hervorgeht, dass 13.000 Schülerinnen wegen Vergiftungen medizinisch behandelt wurden, erklärte der iranische Gesundheitsminister am 14. April 2023, es würden „keine stichhaltigen Beweise“ vorliegen, dass Schülerinnen vergiftet wurden und „mehr als 90 Prozent“ der Erkrankungen seien auf „Stress und Unfug zurückzuführen“.
Bei den Giftangriffen scheint es sich um eine gezielte Kampagne zu handeln, um Schülerinnen für ihre friedliche Beteiligung an den landesweiten Protesten zu bestrafen, die Mitte September 2022 ausgebrochen waren.