Nowitschok-Formel verraten?Hochrangiger Diplomat suspendiert

Korruptionsbekämpfer ermitteln gegen den ehemaligen Generalsekretär im Außenministerium, berichtet der Kurier. Er könnte Geheimnisse an den flüchtigen Wirecard-Manager Jan Marsalek weitergegeben haben, mutmaßt Ö1.

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Im Außenministerium wird ermittelt.
Im Außenministerium wird ermittelt. © Willfried Gredler-Oxenbauer
 

Die Bundesdisziplinarbehörde hat den hochrangigen österreichischen Diplomaten und ehemaligen Generalsekretärs des Außenministeriums Johannes Peterlik vom Dienst suspendiert. Im Hintergrund stehen Vorwürfe gegen den nunmehr abberufenen österreichischen Botschafter in Indonesien, mit denen sich laut Angaben des "Kurier" das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) beschäftigt.

Mutmaßliche Verbindungen zu Marsalek

"Ö1" mutmaßte am Freitag, dass die Ermittlungen gegen den Diplomaten mit Geheimnisverrat an dem Bankmanager Jan Marsalek zu tun haben könnten. Bereits im Juli 2020 sei bekannt geworden, dass das Außen-, Wirtschafts- und Verteidigungsministerium wegen einer möglichen Weitergabe vertraulicher Unterlagen über das russische Nervengift "Nowitschok" Anzeigen erstattet hätten.

Der damalige Wirecard-Manager Marsalek solle mit einem in Österreich geleakten Dokument der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in London geprahlt haben. Es habe Anzeichen gegeben, dass das Leaken des Dokuments mit dem Außenministerium und Peterlik in Verbindung stehe, erklärte im "Ö1"-Mittagsjournal der Nationalratsabgeordnete David Stögmüller (Grüne), der sich im Ibiza-Untersuchungsausschuss mit dem Fall beschäftigt hatte.

Alle Schritte gesetzt

"Es ist zutreffend, dass Johannes Peterlik von der Bundesdisziplinarbehörde per Bescheid suspendiert wurde", bestätigte am Freitag eine Sprecherin des Außenministeriums. Peterliks Abberufung als österreichischer Botschafter in Indonesien sei nach der Zustellung des Bescheids am 13. Oktober erfolgt, erklärte sie.

Bereits im Vorfeld habe das Ministerium umgehend alle notwendigen disziplinarrechtlichen Schritte gesetzt. Angaben zu den konkreten Vorwürfen wollte man im Außenministerium nicht machen, es gelte die Unschuldsvermutung. Zuständig für die Ermittlungen ist laut Angaben des Innenministeriums die Staatsanwaltschaft Wien, die am Freitag ebenso keine Auskünfte erteilen wollte.

Der Karrierediplomat Peterlik ist seit 1994 im Außenministerium tätig. Vor seiner Berufung zum österreichischen Botschafter in Indonesien hatte er unter Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) und auch unter Interimsaußenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) zwischen Mai 2018 und Jänner 2020 als Generalsekretär des Außenministeriums amtiert. In dieser Funktion war Peterlik auf den nunmehrigen Außenminister Michael Linhart gefolgt, der damals von Kneissl abberufen worden war.

Kommentare (1)
Mein Graz
1
4
Lesenswert?

Johannes Peterlik

"Der Karrierediplomat und der ÖVP eng verbundene Johannes Peterlik..." (Standard)

Welch eine Überraschung....