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Massaker an Armeniern Türkei lädt US-Botschafter wegen Anerkennung von Völkermord vor

Bidens Äußerung zu Massakern an Armeniern im Ersten Weltkrieg belastet Beziehungen zu Ankara. Der armenische Premier zeigt sich "begeistert".

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Nach der Anerkennung der Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs als Völkermord durch US-Präsident Joe Biden hat die Türkei den US-Botschafter in Ankara ins Außenamt zitiert. Mit der Vorladung von David Satterfield bringe das türkische Außenministerium seinen Protest gegen Bidens Äußerungen vom Samstag zum Ausdruck, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Bidens Äußerungen hätten "eine Wunde" in die Beziehungen beider Länder geschlagen, "die schwer wieder gut zu machen" sei, kritisierte das Ministerium in Ankara laut Anadolu. Zuvor hatte es Bidens Positionierung "auf das Schärfste" zurückgewiesen.

Hintergrund

Der 24. April 1915 markierte den Beginn der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich. Schätzungen zufolge wurden zwischen 1915 und 1917 von den Soldaten des Osmanischen Reiches zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Armenier getötet. Die Türkei lehnt die Verwendung des Begriffs Völkermord ab und spricht von einem Bürgerkrieg, in dessen Verlauf auf beiden Seiten Hunderttausende ihr Leben verloren.

Das Osmanische Reich war im Ersten Weltkrieg ein Bündnispartner von Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich, die beim Massenmord an den Armeniern wegschauten. In der deutschen Armee gab es sogar Befürworter des Genozids, weil die Armenier beschuldigt wurden, auf der Seite des gemeinsamen Kriegsfeindes Russland zu stehen. Dieses kämpfte mit Großbritannien und Frankreich gegen die drei "Mittelmächte".

Erstmals als Völkermord anerkannt

Biden hatte am Samstag als erster US-Präsident die Einstufung als Genozid vorgenommen. "Wir gedenken all derer, die im Völkermord an den Armeniern während der Zeit der Osmanen gestorben sind", erklärte er zum 106. Jahrestag der Massaker. Der US-Präsident betonte, es handle sich um die Bestätigung einer historischen Tatsache und gehe nicht darum, der Türkei "Vorwürfe zu machen". Die Anerkennung der Geschichte sei wichtig, um zu verhindern, "dass solch eine Gräueltat sich jemals wiederholt".

In einem Telefonat mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte Biden am Vortag um Verständnis für den Schritt geworben. Erdogan erklärte jedoch, das Thema dürfe nicht "durch Dritte politisiert" und "als Instrument zur Einmischung in unserem Land" missbraucht werden.

Österreich verurteile Gräueltaten 2015

Der österreichische Nationalrat verurteilte die Gräueltaten an den Armeniern im April 2015 offiziell als Völkermord, weswegen Ankara zeitweise den Botschafter aus Wien abzog. Eine Anerkennung der Gräueltaten als Genozid durch den Deutschen Bundestag im Jahr 2016 belastete die deutsch-türkischen Beziehungen schwer.

Zuvor hatte auch Bidens französischer Amtskollege Emmanuel Macron des Massakers an den Armeniern gedacht. "Das französische Volk und das armenische Volk sind für immer verbunden", teilte der 43-Jährige am Samstag via Twitter mit. Auf Bildern war der Staatschef anlässlich des "Gedenktags für den armenischen Genozid" beim Mahnmal im Zentrum der französischen Hauptstadt zu sehen.

Macron hatte vor rund zwei Jahren angekündigt, den 24. April zu einem nationalen Gedenktag zu machen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, war es nun das erste Mal, dass er am Gedenktag an einer offiziellen Feier teilnahm. In Frankreich gibt es eine große armenische Diaspora.

Unterstützung für die Benennung des Völkermordes an den Armeniern durch Biden äußerte indes das Internationale Auschwitz Komitee. "Die Anerkennung und Benennung des Völkermordes an den Armeniern durch den amerikanischen Präsidenten Biden ist für Überlebende des Holocaust eine überaus wichtige Geste und ein beispielhaftes politisches Signal an die türkische Regierung, sich endlich der Wahrheit und der historischen Verantwortung zu stellen", betonte Christoph Heubner, der Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, in einer Aussendung am Sonntag.

Kommentare (8)
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zweigerl
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Rhetorik

Als mindeste Wiedergutmachung wäre die Rückgabe von Berg-Karabach an Armenien zu fordern. Dass die von der Türkei unterstützte aserbaidschanische Besetzung der armenischen Provinz einfach so hingenommen wird, auch vom Armenienfreund Putin, fügt sich in die Leugnung des Völkermordes. Erdogan punktet nach Belieben.

tomtitan
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Im Austeilen sind sie Weltmeister -

beim Einstecken hapert es - das ist mit ihrem "Ehrgefühl" nicht vereinbar...

voit60
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die Türken

vertragen anscheinend die Wahrheit nicht.

gmirakel
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Endlich!

Hat lange gedauert! Eine Diskussion mit Türken darüber ist nicht sehr ratsam. Vor allem, wenn man dies im Urlaub versucht. Ich weiß nicht, ob Deutschland dies jemals als Völkermord verurteilt hat. Wie schauts mit unseren Politikern in dieser Frage aus?

Reipsi
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Türken und Sultan

stehts zu eure Sachen die ihr alles angestellt habts und noch unter dieser Person anstellen werdetst , auch an den Kurden , denkt dran ihr seid nix besseres wie andere .

jg4186
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Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar ...

... und damit auch einem Erdogan und seinen Wählern!
Auch wenn alles schon lange her ist: Gerade weil Erdogan so empfindlich reagiert, zeigt doch, dass dies alles noch lange nicht vorbei ist.
Und dass eine offene und klare Benennung wichtig und wertvoll ist.
Allen heutigen Regierenden sollte klar sein, dass Mord, besonders Völkermord, nicht verjährt und nicht vergessen wird. Die Wahrheit und deren Benennung kann aber heilend und versöhnend sein. Vielleicht schafft das die Türkei auch einmal.

reschal
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@jg

Das Bachmannzitat treffend angewendet. Danke für diesen Kommentar! In der muslimischen Kultur läuft viel über Ehre und Scham; und somit über Verdrängung. Da wird viel versteckt. Liebe Türken, stellt euch der Realität.

sandor026
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Danke,

Ich habe selten einen so intelligenten Kommentar hier gelesen!