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Papst fordert Kurie zum Wandel aufFranziskus: "Kirche ist 200 Jahre lang stehen geblieben"

Franziskus hielt am Samstag seine traditionelle vorweihnachtliche Ansprache vor den Beamten den Vatikans.

Papst Franziskus fordert Kurie zum Wandel auf
Papst Franziskus fordert Kurie zum Wandel auf © (c) AP (Andrew Medichini)
 

Mit einem Zitat des verstorbenen liberalen Kardinals Carlo Maria Martini (1927-2012) hat Papst Franziskus die Römische Kurie zum Wandel aufgefordert. "Die Kirche ist 200 Jahre lang stehen geblieben. Warum bewegt sie sich nicht? Haben wir Angst?", habe der ehemalige Erzbischof von Mailand in seinem letzten Interview vor seinem Tod gesagt.

Um als Christen in einer zunehmend säkularisierten Welt zu bestehen, müsse sich die Kirche reformieren, sagte Franziskus in seiner traditionellen vorweihnachtlichen Ansprache vor den Beamten den Vatikans am Samstag. Bei seiner jährlichen Audienz für die Römische Kurie erklärte Franziskus, er wolle die Geschichte der Kurie verwerten, um "eine Zukunft mit solidem Fundament" aufzubauen. "Tradition ist nicht statisch, sondern dynamisch. Tradition ist Garantie für Zukunft."

Den Missbrauchsskandal in der Kirche und die jüngsten Enthüllungen über korrupte Finanzgeschäfte im Vatikan nannte Franziskus nicht beim Namen. Die Kirche solle sich aber mehr auf die "Verkündigung" und weniger auf die "Selbsterhaltung" konzentrieren, forderte der Papst.

Glaube keine Bedingung mehr für Gemeinschaftsleben

"Wir sind nicht mehr unter einer christlichen Herrschaft, weil der Glaube - besonders in Europa, aber auch in großen Teilen der westlichen Welt - keine Bedingung mehr für das Gemeinschaftsleben ist", so der Papst. Vielmehr werde der Glaube "abgelehnt, verspottet, marginalisiert und ausgelacht", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter.

"Wir erleben zurzeit nicht einfach eine Epoche des Wandels, sondern den Wandel einer Epoche", sagte der Pontifex. In solchen Phasen erlebe man einen schnellen Wandel in der Lebensweise, in den Beziehungen zwischen Generationen und in der Kommunikation. Der Christ müsse sich mit den Herausforderungen der Gegenwart befassen. "Das christliche Leben ist ein Weg, ein Pilgerweg. Die Geschichte von Gottes Volk - die Geschichte der Kirche - ist seit jeher von Wechseln geprägt", sagte der Papst.

Papst Franziskus hatte kurz nach seiner Wahl einen Kreis von Kardinälen benannt, die ihn bei einer Umgestaltung der Leitungszentrale im Vatikan beraten sollten. Dem Rat gehören derzeit sechs Kardinäle an.

Franziskus sprach auch das Thema Migration an, das ihm besonders am Herzen liegt. Er bemängelte Gleichgültigkeit gegenüber der Tragödie des Mittelmeers, das zu einem "Friedhof für Flüchtlinge" geworden sei. "Bei der Migrationsfrage geht es um Menschen, um Brüder und Schwestern, die heute das Symbol aller Ausgegrenzten der globalen Gesellschaft sind", betonte Franziskus. Für Gott sei niemand ein Ausländer, oder ein Ausgegrenzter.

Kommentare (15)

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Irgendeiner
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Naja,eigentlich muß man sich über den Stillstand der Kirche als

Agnostiker freuen,denn nichts hat die Religionskritik so befördert wie die Überheblichkeit der Amtskirche,die Zwangsmissionierung,die Nähe zu Staatsverbrechern, das Unrecht im Namen Gottes halt.Und begonnen hat das schon viel früher als vor 200 Jahren, in dem Moment wo das Christentum in Rom Staatsreligion wurde und sehr schnell intolerant gegen alles und jedes.Aber die Hoffnung, daß die Säkularisierung zum Zustand der Vernunft führen würde war auch ein fataler Fehlschluß,denn es wurde ums goldene Kalb getanzt mit zunehmender Ekstase und diese neue Religion die sich nicht so nennt, hat keine moralische Regeln außer dem Eigennutz und möchte die Empathie des Menschen für den Menschen abschaffen, gebrieft und gesiegelt vom Hohepriester Hayek und viele dumme kleine Propagandisten beschleunigen den Tanz der mittlerweile schon tausendfach Tote produziert und melden frech in den Medien und aus politischen Ämtern, tau- und rücksichtslos.Und mit diesem Papst,der erste den ich in einem langen Leben sah der die Bergpredigt und damit den Menschen wieder ernst nimmt,ist jetzt mehr Vernunft in einer metaphysischen Gemeinschaft als in einer ebenso metaphysischen aber getarnten vorgeblich säkularen Religion die sich frech den Titel Vernunft verliehen hat,wo echte Würstchen glauben Regeln vorgeben können.Ich wünsche dem Manne der ein Bollwerk der Humanität geworden ist über den Graben des Unglaubens hinweg viel Glück,wir brauchen ihn.

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KarlZoech
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@ irgendeiner: Ich frage mich, aus welchen Gründen

zwei Personen Ihren Text nicht leserlich finden? Ich finde, Sie liegen völlig richtig mit Ihren Zeilen.

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KarlZoech
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Will noch ein PS an bringen zu "lesenswert":

Lesenswert kann ein Posting selbstverständlich auch dann sein, wenn man mit dessen Inhalt nicht übereinstimmt! Wäre nur lesenswert, womit man übereinstimmt, so wäre das eine geistig ziemlich öde Debatte.
Allerdings hat sich nicht nur in diesem Forum eingebürgert, mit Daumen rauf oder runter nicht "lesenswert" zu signalisieren, sondern Zustimmung oder Ablehnung zum Inhalt. Was vielleicht auch sinnvoller ist, denn wenn etwas nicht einmal lesenswert ist, so hört man/frau meinst ohnehin nach spätestens drei Zeilen auf zu lesen - und gibt gar keinen Klick dazu.

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hbratschi
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@karlz

das sind personen die, wenn sie "irgendeiner" lesen, reflexartig negativ bewerten, weil sie nicht seiner politischen meinung sind, bzw personen, die sich schwer damit tun, sinn erfassend zu lesen...

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Nixalsverdruss
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Es gibt kein Problem der Kirche...

... es gibt ein Problem der "obersten Verwalter" - der Kurie!
P. Anselm Grün sollte der Kurie mal die Leviten lesen - einer, der in der Gesellschaft absolut akzeptiert ist, einer, der etwas zu sagen hat!
Viele Gruppierungen - früher sagte man Sekten dazu - haben enormen Zulauf! Das Überraschende dabei ist - sie sind meist im Denken und Handeln "einschränkender und konservativer" als die evangelische oder katholische Kirche es sind...
Es ist dringend erforderlich sich als Kirche zu erneuern, den Werten verpflichtet bleiben - doch den Menschen mehr in den Mittelpunkt zu stellen.
Alle Ungerechtigkeiten müssen aufgearbeitet werden - im Gegenzug muss man sich die Frage stellen, ob man der heutigen Kirchenführung noch immer die Schuld an den Geschehnissen der Geschichte geben kann.
Es ist für viele einfach in den großen Chor derer einzustimmen, die - wie Papst Franziskus es sagt: " den Glauben ablehnen, verspotten, marginalisieren und auslachen ...", gleichzeitig aber fordern, dass man die Kirche erneuern muss.
Die Frage ist aber, was bin ich bereit beizutragen, dass sich etwas in der Kirche ändert. Vielen ist die Kirche aber egal - und es ist ihnen lieber, auf die Kirche einzudreschen, als etwas beizutragen!
"Frohe Weihnachten" - egal ob Sie glauben oder nicht! Denn was hat Weihnachten schon mit Kirche zu tun ...???

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GordonKelz
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ALLE WOLLEN REFORMEN....

....es ist zu spät. Noch wird vertuscht und gelogen. Ein einzelner, auch als Papst bewirkt gar nichts. Die Jahrhunderte der Lügen und des Missbrauchs rächen sich!
Gordon Kelz

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Nixalsverdruss
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Gordon Kelz -

... sie sind ein armer Knopf! Ihnen muss massives Unrecht geschehen sein, dass man solche Leserbriefe schreibt, dass man solche Postings absetzt!
Es wäre interessant, was Sie so blockiert - ich habe zeitweise das Gefühl, dass Sie sich selbst im Wege stehen ...
Schöne Weihnachten, falls das für Sie eine Bedeutung hat...

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GordonKelz
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Bin ein sehr lustiger, ausgeglichener Mensch

...das was mich erzürnt ist, wie die Menschen
belogen und betrogen werden und es kein Ende gibt, und Leute wie Sie das offensichtlich nicht verstehen!
Fröhliche Weihnachten
Gordon Kelz

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X22
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Hmm, sagen sie in ihrem Kommentar sinngemäß nicht das gleiche oder verstehe ich es falsch

"Alle Ungerechtigkeiten müssen aufgearbeitet werden - im Gegenzug muss man sich die Frage stellen, ob man der heutigen Kirchenführung noch immer die Schuld an den Geschehnissen der Geschichte geben kann."

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hbratschi
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da hast recht, gordon,...

...aber gerade deshalb ist es bewundernswert, wie sich ein einzelner, und auch wenn er papst ist, gegen diesen verkrusteten, abgehobenen und ignoranten "sauhaufen", der sich christlich schimpft, aufbäumt. allergrößten respekt, denn es ist alles andere als ungefährlich, sich mit diesen kirchenbonzen anzulegen...

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hermannsteinacher
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Jesuit

zitierte Jesuiten.

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KarlZoech
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@ hermannsteinacher: Warum sollte Papst Franz(iskus) nicht den Kardinal Martini zitieren?

Spricht da Ihrer Ansicht nach etwas dagegen? Wenn ja, was wäre dies?

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mneubauer
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Wenn der Papst es erkennt, ...

...werden ihm die "Funktionäre" folgen?
Kritik ist in Kirchenkreisen nicht gewünscht, so die Erfahrung mancher Mitglieder und auch Priester. Es wird sehr mühsam sein, aus dem Stillstand heraus zu finden.
Wie auch sonst in vielen Lebensbereichen wollen Menschen keine Veränderungen. -Meiner Meinung nach stellt er die richtige Diagnose und Reformen sind dringend nötig bzw. längst überfällig.

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47er
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Seine obersten Untertanen, besonders in Rom, sind dagegen,

wollen viele davon das Leben einer Made im Speck weiterführen.

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KarlZoech
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@ mneubauer: Naja, die römische Kurie ist ein spezielles Kapitel....

Geschätzt gut drei Viertel der Leute in der Kurie gefällt die Linie von Papst Franziskus nicht; leider ist das so.

Ich erinnere mich an ein Radiointerview (Radio Ö1) mit Kardinal Schönborn, ehe er zum letzten Konklave nach Rom flog; er sagte damals, das Konklave müsse eine starke Persönlichkeit zum Papst wählen, welche den Willen habe und auch imstande sei, "den Saustall in der römischen Kurie auszumisten". (In "" ist wörtliches Zitat!)

Und wenn schon ein Mann wie Kardinal Schönborn, der ein Mann gesetzter Worte ist und kein Maulheld, so formuliert, so kann man sich denken, was sich in der römischen Kurie alles ändern muss(te), immer noch ändern muss!

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