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Zeremonie auf Petersplatz Katholische Kirche hat sieben neue Heilige

Papst Paul VI., Befreiungstheologe Romero und deutsche Nonne kanonisiert: Papst Franziskus hat am Sonntag sieben Katholiken heiliggesprochen.

Papst Franziskus
Papst Franziskus © (c) APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE (FILIPPO MONTEFORTE)
 

Papst Franziskus hat am Sonntag sieben Katholiken heiliggesprochen. Zu ihnen zählte der wegen seines Verbots der Antibabypille umstrittene Papst Paul VI., der ermordete salvadorianische Erzbischof Oscar Romero und die deutsche Nonne Maria Katharina Kasper. Zehntausende Pilger aus der ganzen Welt wohnten der Zeremonie auf dem Petersplatz in Rom bei. Wer waren die künftigen Heiligen?

DER PAPST UND DIE PILLE

Paul VI., dessen bürgerlicher Name Giovanni Battista Montini lautete, stand von 1963 bis zu seinem Tod 1978 an der Spitze der katholischen Kirche. Wegen seines Verbots der Antibabypille ist Paul VI. bis heute umstritten. In seine Amtszeit fiel aber auch der Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, das wichtige Reformen in der Kirche anstieß.

Paul VI. war zudem das erste katholische Kirchenoberhaupt, das - ähnlich wie Franziskus heute - den Prunk des Papsttums ablehnte. So legte er die Tiara, die traditionelle Papstkrone, kurz nach seiner Wahl ab und spendete deren Gegenwert für die Armen. Als erster Papst hielt er zudem wöchentliche Generalaudienzen auf dem Petersplatz ab und bereiste alle Kontinente, um mit den Gläubigen in Kontakt zu kommen.

DER SÜDAMERIKANISCHE BEFREIUNGSTHEOLOGE

Der ehemalige Erzbischof des mittelamerikanischen Staats El Salvador, Oscar Romero, war vatikanintern lange heftig umstritten. Konservativen Kreisen stieß übel auf, dass er sich für besitzlose Bauern einsetzte und gegen soziale Ungerechtigkeit kämpfte. 1980 wurde Romero während einer Messe ermordet. Es folgte ein blutiger Bürgerkrieg.

Konservative Gruppen im Vatikan hatten sich lange gegen die Erhebung des ermordeten Erzbischofs in den Heiligenstand gewehrt. Doch 2015 machte Franziskus den Weg zur Seligsprechung frei.

DIE NONNE AUS DEM WESTERWALD

Maria Katharina Kasper (1820-1898) stammte aus einer Bauernfamilie im Westerwald. 1845 rief sie mit weiteren Frauen aus ihrem Dorf Dernbach einen Verein ins Leben, der sich um Arme und Kranke kümmerte. Später wurde der Verein in eine religiöse Genossenschaft umgewandelt.

1870 erkannte der Vatikan die Vereinigung als Gemeinschaft der "Armen Dienstmägde Jesu Christi" an. Die Kongregation wurde ihrer Gründerin unterstellt. Kasper wurde bereits 1978 selig gesprochen - von Papst Paul VI., der nun am selben Tag wie die deutsche Nonne in den Heiligenstand erhoben wird.

Feierliche Zeremonie auf dem Petersplatz

Der Papst verlas feierlich die Formel, mit der Paul VI. und die anderen sechs Seligen in das Verzeichnis der Heiligen der katholischen Kirche aufgenommen wurden. Die Zeremonie fand im Rahmen der Bischofssynode zum Thema Jugend im Vatikan statt. Zu den Prominenten, die der Heiligsprechung beiwohnten zählten der italienische Präsident Sergio Mattarella, sowie Spaniens Ex-Königin Sofia, Chiles Präsident Sebastian Pinera Echenique sowie Panamas Staatsoberhaupt Juan Carlos Varela Rodriguez.

Benedikt XVI. nahm an der Zeremonie im Unterschied zu früheren Heiligsprechungen nicht teil. Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Heiligsprechungskongregation, begründete dies damit, der inzwischen 91-jährige emeritierte Papst sei nicht mehr so agil wie noch vor wenigen Monaten.

Paul VI. war von 1963 bis 1978 Pontifex. Er beendete erfolgreich das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das als wegweisend für die Erneuerung der Kirche gilt. Bekannt ist er vor allem, weil er am Verbot der Verwendung künstlicher Verhütungsmittel wie der Pille strikt festhielt. Seine Kritiker nannten ihn deshalb "Pillen-Paul".

Paul VI. und Bischof Oscar Romero heiliggesprochen: Papst Franziskus

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Romero, den 1980 ein Mitglied eines rechtsgerichteten Todesschwadron erschoss, gilt als Märtyrer der katholischen Kirche. Er setzte sich für die Belange der Armen ein und brachte damit die reichen Eliten und das Militär in El Salvador gegen sich auf.

Freude auch in Österreich

Die Heiligsprechungen von Papst Paul VI. (1963-1978) und des salvadorianischen Märtyrer-Erzbischofs Oscar Romero (1917-1980) sind ein Zeichen der Unterstützung für das aktuelle soziale und entwicklungspoltische Engagement von Katholiken und eine Rückenstärkung für die Anliegen der Weltkirche: Mit diesem Tenor haben Vertreterinnen und Vertreter der katholischen Kirche in Österreich ihre Freude über die Heiligsprechungsfeier mit Papst Franziskus am Sonntag in Rom zum Ausdruck gebracht.

"Papst Paul VI. hat aus seiner Zeit heraus unseren heutigen Blick entscheidend geprägt: die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, den Anspruch an die Stärkung aller Menschen und die Verantwortung der Wirtschaft im Dienste der Gemeinschaft sind Werte, die uns auch heute noch leiten", hob "Weltkirche"-Bischof Werner Freistetter laut Kathpress am Freitag hervor. "Die schwierigen Fragen nach Wegen der ganzheitlichen Entwicklung gerade auch in Bezug auf unsere Verbindung zur Schöpfung werden von Papst Franziskus neu gestellt und als Weltkirche sind wir gefordert, darauf Antworten zu geben", erinnerte der Vorsitzende der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) in einer Pressemitteilung.

Oscar Romero wiederum ist aus Sicht der Theologin und El-Salvador-Expertin Julia Stabentheiner wegen seines Engagements für die Opfer eines ungerechten Systems eine Leitfigur, wie die Leiterin des kirchlichen EZA-Netzwerks Welthaus Innsbruck in derselben Aussendung betonte. "Nicht nur durch Mildtätigkeit, sondern indem er klar und deutlich lebensfeindliche Strukturen und Schuldige benannte und zur Umkehr aufforderte, hat er sich zum Anwalt der Ärmsten gemacht", erklärte Stabentheiner, die sich seit Studien- und Forschungsaufenthalten in San Salvador intensiv mit Erzbischof Romero befasst: "Das ist, was auch heute von uns gefordert ist, stets an der Seite der Armen und Ausgeschlossenen zu sein und unsere Stimme zu erheben."

Oscar Romero hatte "das eine Ohr beim Evangelium und das andere bei den Armen seines Landes", hielt auch die Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreich (ksoe), Magdalena Holztrattner, zur Heiligsprechung in einem Interview mit der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" fest. Romeros Botschaft wirke im Denken, Fühlen, Reden und Tun vieler Menschen bis heute weiter. Durch die Heiligsprechung werde dies nun für Christen in aller Welt bestätigt. "Sein Einsatz für die Armen und für Gerechtigkeit ist ein Vorbild für alle Gläubigen dieser Welt", sagte Holztrattner. Das Vorbild Romeros ermutige dazu, "vom Evangelium bewegt, mutig, deutlich, und prophetisch aufzutreten für eine menschliche Gesellschaft, für gerechte politische Strukturen, für sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften, einen starken Sozialstaat und den achtsamen, enkeltauglichen Umgang mit unserer Mitwelt".

"Richtungsweisend"

Große Freude über die Heiligsprechung Romeros gibt es auch bei der Katholischen Männerbewegung Österreichs (KMBÖ), für deren entwicklungspolitisches Engagement über die Aktion "Sei so frei" der salvadorianische Erzbischof ebenfalls richtungsweisend ist. Der KMBÖ-Vorsitzende Leopold Wimmer kündigte am Freitag an, dass eine kleine Delegation der heimischen Katholischen Männerbewegung bei der Heiligsprechungsfeier am Sonntag auf dem Petersplatz dabei sein werde, um Romero als "die Stimme der Armen und Benachteiligten in El Salvador" und seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit und die Einhaltung der Menschenrechte zu würdigen.

In Erinnerung an Romero vergibt die KMBÖ seit den 1980er Jahren den mit 10.000 Euro dotierten Romero-Preis an Personen, die sich in besonderer Weise für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Entwicklung in Afrika und Lateinamerika einsetzen. Heuer wird damit Mitte November in Salzburg Francisco Jose San Martin Baldwin ausgezeichnet, der in Peru eine Organisation zur Förderung von Kleinbetrieben gegründet hat, die dazu beigetragen hat, dass sich tausende Menschen aus Armut befreien konnten.

Zu den bisherigen Romero-Preisträgern gehört auch die Brasilianerin Janira Jesus Souza de Franca, die 1992 für ihren Einsatz für die Rechte von Landlosen, Kleinbauern und indigenen Völker ausgezeichnet wurde. "Romero wird weiterhin die Brücke sein hin zu den Bitten der Allerärmsten in ihrem Kampf um Leben und Würde, um Land, Wohnraum, Gesundheit und Bildung. Romero stärkt uns in unserer Hoffnung", hielt sie im Vorfeld der Heiligsprechung fest.

Kommentare (17)

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CuiBono
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Seltsam

Ich hab mir gestern ein neues Packerl Klopapier angeschafft.
Und keiner schreibt davon.

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Irgendeiner
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Naja, den Pillen-Paul hab ich damals

wohl auch unterschätzt,da war der Focus der allgemeinen Diskussion wohl zu eng und wesentliches an dem kleinen Italiener blieb außen vor,Romero ist ein Fanal, gerade heute,da lief der Diskurs schon mal ganz anderes.Aber was ein Agnostiker sich zu Heiligsprechungen denkt ist sowieso unerheblich,aber auf der völlig säkulaten Ebene gesagt, gut daß wir diesen Papst haben.

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lieschenmueller
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@Irgendeiner

Agnostiker sein ist Atheismus für Feige ;-)

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Irgendeiner
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Nein Werteste, ich hatte das hier schon mehrfach erklärt, ein Atheist

behauptet Gott gäbe es nicht,das kann er nicht beweisen so wenig wie sie, daß es nicht im Universum irgendwo ein Einhorn gäbe,das Postulat der Nichtexistenz von X hat halt so seine eigenen logischen Probleme weil wir unter irgendeinem Stein immer noch nicht nachgeschaut haben,umgekehrt sind alle Gottesbeweise theistischer Natur genauso ins Leere gefallen,da waren recht kluge Ideen dabei,auch das ist in Summe eine leere Menge.Bleiben nur zwei Positionen,ich glaube aus welchen seltsamen Gründen auch immer oder ich glaube nicht,weil ich keinen einzigen Hinweis auf die Existenz dessen habe was einst Haeckel böse als gasförmiges Wirbeltier beschrieb,keinerlei Hinweis, keinerlei Evidenz, nur schlüssig beweisen kann ich es aus rein logischen Gründen nicht, diese Position bezieht der Agnostiker, ist die einzig saubere, that´ s all.

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lieschenmueller
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@Irgendeiner

War ja auch mit einem ;-)

Wissen Sie, was ich nachdenkenswert finde: Z.B. wir Zwei wären doch ziemlich überrascht, gäbe es "hinterher" etwas und dächten, o.k., haben wir uns geirrt. Oder besser gesagt, in Ihrem Fall, als Agnostiker, der Gedanke, "aha, Option B trifft zu - obwohl, nehme ich an, Sie doch eher Möglichkeit A - es gibt das Nichts, kein Gott ist da, in Ihrem Kopf haben.

Ein sehr gläubiger Mensch, der überzeugt ist bez. eines Lebens nach dem Tode - und es trifft NICHT zu, er geht ins Nichts oder in den ewigen Schlaf, DER würde den/seinen Irrtum niemals merken.

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Irgendeiner
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Ja,Werteste,da kann ich nicht widersprechen,

wenn ich mich irre wär ich sehr überrascht.Gravierender ist aber, das ich dann Fragen hätte, hat mit der postulierten Allmacht zu tun, ich können nicht zusehen wenn irgendwo ein Kind elendiglich verreckt das sicher niemandem etwas getan hat und ich kann es hindern, ich würd sicher darauf bestehen das Theodizee-Problem zu klären,endgültig.Und auch die gläubigen Menschen werfen schon im diesseits ein Problem auf,wissen sie, Werteste,wenn sie älter werden wird der Focus etwas weiter,da handeln sie nicht mehr aus der Feuerköpfigkeit der Jugend, auch wenn sie recht sicher wissen recht zu haben,wenn einer totkrank ist und auf Gott baut daß er ihn doch errette oder jemand am Ende seines Weges nichts mehr hofft als daß er seine Lieben dann da oben im Trallala wiedersieht,ich verrate denen dann die Wahrheit nicht,manchmal geht die Menschlichkeit wem die Hoffnung zu lassen vor,auch die Wahrheit muß man tragen können.Aber ich persönlich wäre zweifellos sehr überrascht überrascht zu werden.

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lieschenmueller
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@Irgendeiner

Ich weiß gar nicht, ob ich ein Nachher möchte. Wer sagt uns denn, dass das unbedingt glücklich wäre. Und dann in alle Ewigkeit ............

Mir ist das Nichts ein im Grunde sehr tröstlicher Gedanke. Nämlich mit all denen, die ich liebte, im gleichen Zustand zu sein. Von dem wir aber nichts wahrnehmen. Liest sich irre, ich weiß, aber doch, diese Vorstellung hat für mich absolut keinen Schrecken.

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Irgendeiner
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Naja, Werteste, da gratuliere ich zu soviel Gelassenheit

gestehe aber, daß ich einige Leute doch nochmal gerne wiedersehen würde, wenn es sich einrichten ließe und daß ich die Vorstellung zu verschwinden und zwar restlos auch nicht gerade als Bonus betrachte,denn wie heißt es so schön,alle Lust will Ewigkeit und ich leb ganz gerne und ich wüßte so viele Dinge gerne doch noch,aber das Stück steht nicht am Spielplan.Und diese Krot werd auch ich schlucken müssen,das weiß ich wohl, aber ich werd mich wohl wehren, es ist das einzige Leben das ich habe,da bin ich happig,starke Schmerzen mal ausgenommen.Mich dreingeben war halt noch nie meins.Aber daß ich die Schlacht verlieren werde weiß ich da vorher natürlich zweifelsfrei.

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lieschenmueller
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@Irgendeiner - "und ich leb ganz gerne"

Bestünde die Möglichkeit - ist leider nicht so - mit dem Schicksal einen Handel abzuschließen - ich hätte das gerne von meinem Onkel, im Schlaf das Zeitliche segnen mit 75. Da würde ich die 12 Jahre mehr, die meine Mutter hat, sofort dafür eintauschen. Für ihre zusätzlichen wäre - was heißt wäre, BIN ich zu feig - ich sehe sie mit an und hoffe, sie bleiben mir erspart. Obwohl sie sich wiederum an jeden einzelnen Tag klammert.

Ich bin in der Persönlichkeit - fast in jeder Beziehung - anders als sie. Ich würde mich umgekehrt nach dem ewigen Nichts sehnen. Ruhe zu haben von Schmerz und Leid.

Man sagt immer, wenn es bei einem selbst so weit ist, möchte man trotzdem das Leben. Ab einem gewissen Grad will ich es nicht mehr.

Aber 20 so halbwegs gute Jahre von heute an gerechnet, wären schön. Es fragt mich leider keiner :-)

PS: Irgendeiner, wenn Sie mal "da oben" ankommen - oder in der anderen Richtung ;-), dann wird's hart, Sie diskutieren ja egal wo weiter. Man wird beschließen, Sie laaaange auf Erden zu lassen - gg

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Irgendeiner
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Naja,wir sind da eigentlich in ziemlich trivialen lebensweltlichen Themen die jeden notwendig betreffen und die jeder zumindest mal kursorisch behirnen sollte,ich weiß was sie mit dem Onkel meinen und trotzdem bin ich unsicher.Ein plötzlicher Herzstillstand ohne Schmerzen ist sicher subjektiv das angenehmste,einem selbst kann das anschließend wurst sein wie alles,aber weder sie noch die anderen konnten sich dann verabschieden,das würd ich wieder schon gerne können,

andererseits bin ich an genug Sterbebetten gesessen um zu wissen,daß das Hollywood-Spiel, der Alte sagt noch ein paar weltweise Worte,legt den Kopf zur Seite und entschläft sanft auch nicht gespielt wird,da gehts zumeist anders zur Sache und die meisten Angehörigen sind mittlerweile schon zu feig dazu und schiebens ab.Aber ein kleine letzte flapsige Bemerkung hätte ich schon gerne, ein "Es ist gut" wie bei Kant wird es wohl nicht werden,man lacht.Aber das hama eh nicht in der Hand,erst letzte Woche hat mich so ein junger Irgendwas fast von der Seite abgeschossen,mit einer großen Karre,ich hatte eine sehr gute Reaktionszeit und verdammtes Glück,wär wohl der letzte Knall meines Lebens geworden.Und eingedenk dieser Möglichkeiten sollte man denen die man liebt das regelmäßig sagen und wenns gebaut sind wie ich,denen bei denen man was anderes tut auch,man lacht,denn das kann sehr plötzlich abreißen.Und ja, das ist eine Sache die wir rausschieben sollten solangma einigermaßen munter sind-und meine Strategie habens durchschaut, ich hoffe so lästig zu sein, daß die mich weder oben noch unten wollen,mal sehen.

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lieschenmueller
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@Irgendeiner

Da ich ja gerade meinen restlichen Lebenswunschplan durchgehe - das Schicksal oder Gott lächelt amüsiert - war natürlich auch der Schock bei so einem plötzlichen Tod Thema. Meine Tante meinte, als ich mit ihr darüber sprach, was ich glaube, was das für sie bedeutet hat. Das Schreckliche für die Angehörigen ist mir bewusst, natürlich. Ähnliches habe ich auch erlebt und konnte es momentan nicht glauben. Selbst dass an einem solchen Tag das Wetter so schön ist und die Welt sich für fast alle ganz normal weiter dreht, sie ihrem Alltag nachgehen, war an Unwirklichkeit für mich kaum zu überbieten.

Aber dieses Zusehen des Verfalls, ist das schlimmer oder besser - besser weil man sich einstellen kann? Und in beiden Fällen - der, der wusste, es bleibt ihm nicht lange und wir als Familie, wir haben nicht über den Tod gesprochen. Ich glaube, wir wollten uns gegenseitig schonen. Und jetzt meine Mutter, nur ein kleines Anklingen lassen, was sie einmal wolle mit diesem oder jenem - ein sofortiges Stopp von ihr. Ich glaube oft, sie kann sich meinen Tod vorstellen, den ihren aber nicht, obwohl so krank.

Wie Sie schreiben bez. Autofahren, das kann schnell gehen.

Passen Sie auf sich auf, Irgendeiner, Sie würden vermisst werden. Schon von denen in einem trivialen Forum einer Zeitung, die meist zusammenhalten!

Mein Abschweifen hier finde ich nicht ungehörig, weil ob die sieben neuen Heiligen was davon haben, da mache ich ein großes Fragezeichen. Ich konnte was mitnehmen.

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Irgendeiner
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Ja,plötzlich ist schrecklich, aber Sie wissen wohl selbst,

auch wenn man es lange weiß ist es dann doch überraschend, weil man auf das "Jetzt noch nicht" baut.Und ja, die Welt dreht sich weiter als wäre nichts geschehen und man ist auch darüber fassungslos,wo man doch meint mindestens ein mittleres Erdbeben wäre angemessen,das ist nicht nur ihnen passiert.Und was besser ist weiß ich nicht,ist wohl auch die Frage wie es dem geht,selbst Leute die abbauen haben manchmal noch viel Spaß,mein Großmutter konnte noch dement sehr witzig sein und lachen ,auch wenn sie kaum noch wen erkannt hat,das ist wohl eine Naturellsfrage.Und wissen Sie, es gibt Menschen die dem Tod gelassen gegenüberstehen,hab ich schon gesehen, es gibt welche wie mich die ihn als Übel betrachten aber über den eigenen kalauern können und dann gibts Leute die jede Berührung mit dem eigenen Ableben vermeiden, das Testamentschreiben rauszögern und Gespräche über die eigene Sterblichkeit verweigern,kenn ich auch, für die ist schon das Besprechen der eigenen Endlichkeit gefahrgeladen,war früher noch weiter verbreitet, die Vorstellung,spricht man vom Tod tritt er in den Raum,wenns nicht wirklich wichtig ist würd ich da gar nicht dran rühren, das ist angstbesetzt und ändern tuts auch nichts.Und naja, abschweifen tun wir ja nicht wirklich, wir besprechen ja nur altersadequat ein Thema,die sollen froh sein, daß wir kein Wettrennen anfangen wer die kompliziertere OP hatte,man lacht.

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lieschenmueller
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@Irgendeiner - "..... die ihn als Übel betrachten"

Nöstlinger: „Ich halte den Tod für die größte Frechheit, die es überhaupt gibt“

DIESE Frau vermisse ich wirklich!

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Irgendeiner
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Ja, da haben Sie recht, die hatte wie man bei uns so sagt eine XXXX wie ein Schwert,

da hab ich oft über ihre Interviews gelacht und die Bücher, soweit ich sie kenne hatten viel Verständnis für die Kleineren,ja, ist dasselbe Sentiment nur gepfefferter.Das Problem bleibt halt,Ungläubige können diese Beschwerde nur am Salzamt einbringen,der Evolution ist das wurst,denn aus der Perspektive ermöglicht der Generationenenwechsel eine schnelle Veränderung und ein Bestehen gegen allerhand Unbill wie Parasiten und Krankheitserreger und mich hat ja wieder keiner gefragt,man lacht.

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lieschenmueller
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Ich habe jetzt das ganze Profil-Interview gelesen,

der Satz war als Überschrift und sie hat ihn zitiert. Weil, wie ich Sie kenne, Irgendeiner, wissen Sie von wem er stammt :-) Lieschenmueller hat halt geglaubt von der Christine Nöstlinger ..........

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Irgendeiner
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Ich hab geschummelt, ich hab nachgesehen, ich wußte daß Kraus das zum

Ausdruck gebracht hatte aber der hat es zwar mehrfach aber anders formuliert, auf Canetti wär ich jetzt nicht gekommen,aber der war tatsächlich sowas wie ein temporärer Schüler vom ersteren, die Fackel im Ohr sozusagen,interessante Autobio in drei Bänden übrigens..Wobei mich wieder wunderte daß sie Canetti zitiert,sie war doch sehr emanzipiert und ich warte schon geraume Zeit wann die erste Feministin "Die Blendung" auf den Index setzen will,ich mag das Buch,aber da stand sie wohl drüber.

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lieschenmueller
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@Irgendeiner

Haha, hätten Sie das jetzt so aus dem Ärmel geschüttelt, wäre meine Frage gewesen, ob Sie nachgeschaut haben :-) Soll natürlich nicht heißen, dass ich da irgendwie mitreden könnte.

Wie dem auch sei, gleich wird das Licht abgedreht - zum Glück nur hier im Forum. Man liest sich!

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