Pro & KontraFlächendeckende Tempo-30-Zone auch für österreichische Städte?

Seit Montag gilt in Paris in großen Teilen der Stadt Tempo 30. Wäre eine möglichst lückenlose Geschwindigkeitsbegrenzung auch für heimische Städte wie Wien, Graz oder Klagenfurt sinnvoll? Christian Gratzer und David Nosé kreuzen die Klingen zum Thema.

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Weniger Unfälle, weniger Verkehrslärm: Aktuelle Daten zeigen, dass Tempo 30 den Verkehrsfluss nicht behindert, sondern sogar verbessert. Erfolgsmodelle findet man bereits in zahlreichen europäischen Städten.

Christian Gratzer, PRO

Und nun auch Paris. Seit einer Woche gilt in der Stadt der Liebe auf 90 Prozent des Straßennetzes 30 Kilometer pro Stunde als Standardgeschwindigkeit. Die Stadt will so die Zahl schwerer Verkehrsunfälle verringern, ebenso Verkehrslärm. Bei einer anderen europäischen Hauptstadt kann statt „will erreichen“ bereits „hat erreicht“ geschrieben werden. Brüssel hat zu Jahresanfang Tempo 30 eingeführt, nun wurde die Evaluierung fürs 1. Halbjahr präsentiert. Ergebnis: 15 Prozent weniger Unfälle, 25 Prozent weniger Schwerverletzte und 41 Prozent weniger Verkehrstote. Der Verkehrslärm nahm deutlich ab.

Dass großflächiges Tempo 30 Menschenleben rettet, wurde in Österreich schon vor gut 30 Jahren in Graz bewiesen. Hier wurde 1992 auf Initiative von Verkehrsstadtrat Erich Edegger mit Ausnahme großer Vorrangstraßen flächendeckend Tempo 30 eingeführt. Die Zahl der im Straßenverkehr Verletzten und Todesopfer ist im Drei-Jahresschnitt um 25 Prozent zurückgegangen. Tempo 30 ist eine Maßnahme, die Menschenleben rettet, Leid verhindert und sehr gut funktioniert, wie viele Beispiele beweisen. Was bringen Gegner von Tempo 30 vor? Der Verkehrsfluss würde behindert und Autofahrten würden viel länger dauern. Die Realität sieht anders aus. Dank Brüssel gibt es dazu Daten: Die Reisezeiten blieben nach der Einführung auf untersuchten Strecken gleich. Der Verkehrsfluss wird besser, es gibt weniger Stop & Go. Und wer Öffentlichen Verkehr beschleunigen will, setzt Busspuren und eigene Gleiskörper für Straßenbahnen um.

Richtig ist, dass sich in Städten, wo großflächig Tempo 30 eingeführt wurde, einiges verändert. Es wurde z.B. mehr Rad gefahren, auch von Familien. Das ist nachvollziehbar: Wer möchte schon gerne, noch dazu mit Kindern, auf einer Straße, wo 50 km/h – und von manchen leider schneller – gefahren wird, mit dem Rad fahren? Auch die Luftverschmutzung durch Abgase ging zurück. Wo mehr Menschen mit Rad statt Auto fahren, verbessert sich die Luftqualität, Verkehrslärm nimmt ab und die Lebensqualität verbessert sich. Last but not least werden durch Verkehrsberuhigung auch Einzelhandel und Nahversorgung gestärkt, wie auch eine Studie der Wirtschaftskammer Wien belegt.

Wir stehen am Beginn eines neuen Schuljahres. Nicht nur wir als VCÖ, sondern alle haben den Wunsch, dass bis zum Ende des Schuljahres kein Kind am Schulweg bei einem Verkehrsunfall schwer oder gar tödlich verletzt wird. Verkehrsberuhigung und niedrigeres Tempo helfen wesentlich, dieses Ziel zu erreichen.

Zur Person

Christian Gratzer ist Sprecher des Verkehrsclubs
Österreich (VCÖ), der sich für eine ökologisch verträgliche, sozial gerechte und
ökonomisch effiziente Mobilität einsetzt.

Auf Hauptverbindungen ist Tempo 30 nicht sinnvoll: Das Netz muss leistungsfähig sein, damit Schleichverkehre durch Wohngebiete vermieden werden und der öffentliche Verkehr nicht verlangsamt wird.

David Nosé, KONTRA

In Österreich gilt im Ortsgebiet gemäß § 20 StVO eine höchstzulässige Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde, sofern die Behörde nicht eine andere Geschwindigkeit oder eine Art der Verkehrsberuhigung verordnet. In Wien sind bereits mehr als 70 Prozent der Straßen verkehrsberuhigt, in Graz gilt mit Ausnahme von Vorrangstraßen Tempo 30 (rund 80 Prozent aller Straßen). Die meisten Wohngebiete liegen in verkehrsberuhigten Zonen. Straßen mit Tempo 50 sind überwiegend Hauptverbindungen sowie Strecken von Straßenbahn- und Buslinien. Die in Paris erlassenen Maßnahmen decken sich somit mit der in Österreich gelebten Praxis.

Die Festlegung des jeweiligen Tempolimits erfolgt nicht nur nach Kriterien der Verkehrssicherheit, sondern wird auch nach der Funktion der Straße im Wegenetz und der Erreichbarkeit von Reisezielen beurteilt. In den technischen Richtlinien wird den Auswirkungen des längeren Anhaltewegs bei höheren Fahrgeschwindigkeiten durch entsprechende Maßnahmen Rechnung getragen. Tempo 30 hat positive Effekte auf die Unfallwahrscheinlichkeit und auf die Unfallschwere, insbesondere bei Fußgängern. Die Geschwindigkeit ist aber nur einer von mehreren verkehrssicherheitsrelevanten Faktoren. Zukünftig bieten neue Assistenzsysteme wie Notbremssysteme zusätzliches Sicherheitspotenzial.

Hauptverkehrsstraßen, vor allem mit öffentlichem Verkehr, erfüllen eine wichtige Funktion im städtischen Straßennetz. Auf ihnen wird ein Großteil des Kfz-Verkehrs gebündelt. Dieses Netz muss leistungsfähig sein, damit Schleichverkehre durch Wohngebiete vermieden werden, die Verkehrssicherheit in diesen Bereichen nicht vermindert und der öffentliche Verkehr nicht verlangsamt wird.

Tempo 50 auf Hauptverbindungen ist zumeist vertretbar, da die Infrastruktur für diese Geschwindigkeit ausgelegt wird und eine Trennung von Kfz- und nicht motorisiertem Verkehr zu erfolgen hat. Auf Hauptverkehrsstraßen ist Tempo 30 daher in der Regel nicht sinnvoll und bei (verkehrssicherheitstechnischen) Defiziten im Einzelfall sorgfältig zu prüfen – so etwa bei Schulen, Krankenhäusern oder Seniorenheimen. Vielfach haben bauliche Gestaltungen sowie signaltechnische Verbesserungen deutlich positivere Einflüsse.

Gegenüber Hauptstraßen haben Sammel- und Erschließungsstraßen in Wohngebieten eine gänzlich andere Funktion. Neben der Erreichbarkeit steht die Aufenthaltsfunktion im Vordergrund. Tempo 30 kann in derartigen Straßen eine sinnvolle Maßnahme sein.

Zur Person

David Nosé ist studierter Raum- und Verkehrsplaner. Seit 2012 ist er beim ÖAMTC im Bereich Konsumentenschutz & Mitgliederinteressen als Verkehrstechniker und Unfallforscher tätig.

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melahide
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Tempo 30

wäre dahingehend sinnvoll, dass der Verkehr langsamer wird. Es könnte sein, dass sich einige dann doch überlegen, das Auto mal stehen zu lassen wenn nichts weiter geht. Auf der anderen Seite stehen die Leute auch gerne im Stau …hmmm.. ich hasse das übrigens. Als ich früher ein Auto mit Kupplung hatte …hab ich Autofahren in der Stadt gehasst. Wo es ging bin ich mit dem Rad hin. Jetzt (Auto ohne Kupplung) hasse ich es im Stau zu stehen. Hilft nichts. In der Stadt sind Rad, E-Roller und Öffis genug. Könnte man die Autos reduzieren und dafür mehr Busspuren machen, gänge da auch mehr weiter ..

Horstreinhard
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Man sieht den Unterschied

Radikale und dogmatische Parolen des VCÖ-Sprechers ohne Gehalt und ohne Fachwissen gegen das fundierte und abwiegende Fachwissen des (fachlich versierten und gebildeten) Vertreters des ÖAMTC.
Mehr als Hass auf den Individualverkehr hat der VCÖ nicht zu bieten…

melahide
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Hmmm

radikaler Hass auf den VCÖ, Lobpreisung auf den ÖAMTC. Sie sind selbst gesteuert von Ideologie. Meistens hat dann halt doch der Recht der sagt „wir müssen was ändern“ und nicht jener der sagt: „Mach ma einfach so weiter, wird schon von alleine besser werden“ :)

Horstreinhard
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Lesen Sie sinnerfassend

Der Kommentar von Nose ist nicht gegen Tempo 30 in bestimmten Bereichen, im Gegenteil! Aber es geht um eine Abwägung von Vor- und Nachteilen und um die Sinnhaftigkeit, nicht um Ideologie. Und Ideologie mündet immer in Diktatur!

ReinholdSchurz
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Falscher Ansatz 🤔

Wenn ich alles langsamer mache verbleiben die alten Autos noch länger in der Stadt und verpesten noch mehr Bodennahe die Luft und der Stickstoffdioxid Ausstoß wird steigen und auch die Lärmbelästigung, weil mehr alte Autos langsamer durch die Stadt fahren, ich würde die Städte in Green Citys umwandeln das heißt Park and Ride außerhalb der Städte eine verbesserte und genauere Öffentliche Verbindung und auch keine E Autos in die Stadt 🙋🏻‍♂️
Für Dienstleister gibt es dann Ausnahmen aber die fahren rein elektrisch in die Stadt wie auch immer die 30 iger Regel ist der falsche Weg🙆🏻‍♂️

ReinholdSchurz
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Anmerkung🤭

Wir stehen kurz vor dem Klima Kollaps da helfen nur radikale Maßnahmen 😰
Alles andere ist Larifari und das gilt für die ganze Welt ausnahmslos, nicht nur Österreich braucht strenge Regel Frau Gewessler!🤧

ReinholdSchurz
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Noch was 😟

Die EZB kauft derweilen Milliarden € an Anleihen von den Banken um damit das System nicht kollabiert, und was macht man gegen den Klimakolaps?
Nirgends wurden etweilige Fonds und Trusts aufgelegt mit dem man Regenwälder und der gleichen frei kaufen kann, also wo bleibt das Verständnis das Klima nachhaltig weltweit positiv zu beeinflussen.
CO2 Steuer und Zertifikat Verschiebung sind nicht die Lösung und noch was Kohlenstoffdioxid ist ein schweres Bodennahes Gas da man in chemischer Form neutralisieren kann wo bleibt da der Ansatz es geregelt entweichen zu lassen?🤭

AAltausseer
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Nicht nur wir als VCÖ…

Danke, sehr erhellend!

future4you
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Bitte kontrolliert

mehr die bereits jetzt gültigen 30er Zonen.

haraldk1969
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Dann

bleib zu Hause

Amadeus005
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Bin sofort für Tempo 30

Und mehr Busspuren in Klagenfurt.