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Wien und Niederösterreich 15 Frauen befreit: Schlag gegen organisierten Menschenhandel

Fünf Beschuldigte in Haft, 15 Opfer in Sicherheit gebracht.

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Sujetbild © Jürgen Fuchs
 

Ein Schlag gegen den organisierten Menschenhandel hat in Niederösterreich seinen Ausgang genommen. Fünf Beschuldigte sind in Haft, berichtete Omar Haijawi-Pirchner, Leiter des Landeskriminalamtes, am Mittwoch. 13 Frauen aus Venezuela und Kolumbien, die zur Prostitution gezwungen worden waren, wurden aus der Gewalt der Tätergruppe befreit. Zwei weitere wurden quasi "abgefangen".

Bei den Beschuldigten handelt es sich um zwei Frauen und drei Männer aus Venezuela. Vier von ihnen sind venezolanisch-spanische Doppelstaatsbürger. In die Ermittlungen gegen die Menschenhändler waren auch das Bundeskriminalamt und die spanische Policia Nacional eingebunden.

Opfer wurden aus Wohnungen befreit

Die Festnahmen der Beschuldigten unter Beiziehung des Einsatzkommandos Cobra erfolgten am vergangenen Donnerstag im Bezirk Mödling. 13 Opfer im Alter von 19 bis 22 Jahren wurden aus Wohnungen ebenfalls im Bezirk Mödling und in Wien befreit. Zwei weitere wurden auf dem Flughafen Wien in Sicherheit gebracht, sagte Haijawi-Pirchner. Sie waren auf der Anreise gewesen.

Die Ermittlungen in dem Fall dauern an. Es werde nicht ausgeschlossen, dass es weitere Opfer gibt, sagten die Ermittler in einer Pressekonferenz.

Ein Opfer befreite sich 

Ins Rollen kam der Fall, nachdem sich ein Opfer im März befreit und an die Polizei gewandt hatte, teilte Omar Haijawi-Pirchner vom Landeskriminalamt Niederösterreich am Mittwoch mit. Die Tätergruppe habe seit mindestens Ende 2016 agiert.

Den Ermittlern zufolge waren die jungen Frauen in Venezuela in Diskotheken und auch im Internet als Kindermädchen angeworben worden. Die Realität nach der Ankunft in Österreich sah freilich anders aus. Die Opfer wurden - durch Drohungen eingeschüchtert - umgehend und praktisch rund um die Uhr zur Prostitution in angemieteten Wohnungen gezwungen. Hotel- und Hausbesuche soll es ebenfalls gegeben haben.

Als "Chefin" habe eine 33-jährige Venezolanerin fungiert. Das eingenommene Geld mussten die jungen Frauen zur Gänze abliefern. Bei Hausdurchsuchungen wurden ein mittlerer fünfstelliger Eurobetrag, hohe Beträge in Fremdwährungen und eine geringe Menge an Suchtgift sichergestellt.

Die beschuldigten zwei Frauen und drei Männer sind 21 bis 33 Jahre alt. Sie wurden in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert.

Die Opfer, die teils traumatisiert seien, würden betreut, sagte Gerald Tatzgern, Leiter des Büros Menschenhandel und Schlepperei im Bundeskriminalamt, bei der Pressekonferenz. Sie hätten "keinen Handlungsspielraum" und "keinen Kontakt zur Außenwelt" gehabt. Mit der Amtshandlung sei eine wichtige Tätergruppierung im Bereich des organisierten Menschenhandels zerschlagen worden.

Hinweise auf Komplizen in Österreich gebe es "derzeit nicht", sagte Haijawi-Pirchner auf Nachfrage. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass es Mittäter auf internationaler Ebene gebe.

Tatzgern sprach bei der Pressekonferenz auch davon, dass hierzulande etwa 8.000 Sexarbeiterinnen legal tätig seien. Weitere 2.000 bis 4.000 würden illegal agieren. Zum Schlepperwesen merkte Tatzgern an, dass es zwar weniger Aufgriffe gebe, jedoch mehr Schlepper identifiziert würden. Die Ermittler seien diesbezüglich auch außerhalb Österreichs sehr aktiv.

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