Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Pazifismus. Er soll schuld daran sein, dass wir wehrlos der russischen Bedrohung gegenüberstehen. Die Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Aufholjagd verbündet, Balten und Polen, Macron und Meloni, englische Sozialisten und deutsche Grüne. Rüstung ist nun das Allheilmittel, Friedensanstrengungen gelten als „parasitärer Pazifismus“. Wir müssten uns geistig und moralisch auf Krieg einstellen. „Bis 2029 müssen wir kriegstüchtig sein.“ Denn dann sei, so ein viel genanntes NATO-Papier, Russland militärisch in der Lage, Europa anzugreifen. Allerdings hat offenbar niemand, der sich auf dieses Papier bezieht, es auch zu Gesicht bekommen, wie die Experten in einem ZEIT-Interview zugeben. Selbst Carlo Masala, Professor an der Universität der Bundeswehr in München, gibt an, dass die Politik nur die Jahreszahl 2029 strategisch nutzt: „Sie müssen sagen, dass Russland 2029 einen Krieg führen könnte, um die Menschen auf höhere Verteidigungsmaßnahmen einzustimmen.“
Außensicht
Wenn wir Frieden wollen, sollten wir abrüsten - nicht aufrüsten!
Gastkommentar.
Werner Wintersteiner ist überzeugt davon, dass gewaltfreier Widerstand nachhaltiger wirkt als bewaffneter Kampf.
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