InterviewPlacido Domingo fürchtet den Tod

"Ich möchte meine Familie dabei haben, wenn es zu Ende geht", sagt der Welttenor und entschuldigt sich neuerlich für Belästigungen, "aber ich wiederhole, dass ich niemals jemanden missbraucht habe".

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Placido Domingo kam 1941 in Madrid auf die Welt © AP
 

Placido Domingo macht sich im Alter von 80 Jahren Gedanken über den Tod. "Wir alle denken darüber nach, wie dieser Moment sein wird. Ich möchte meine Familienmitglieder an meiner Seite und die Kraft haben, ihnen sagen zu können, dass ich genug gelebt habe und dass sie glücklich sein müssen. Und dann einschlafen", sagte Domingo im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera".
Der Tenor hat kein Problem mit dem Altern. "Gott sei Dank habe ich noch die Kraft, den Geist und die Stimme, um weiterzuarbeiten. Ich tue vielleicht nicht mehr alles, was sie von mir verlangen, aber ich kann wählen. Ich arbeite auf eine andere Art und Weise. Im Moment würde ich sagen, dass ich zu 70 Prozent singe und zu 30 Prozent Regie führe. Wahrscheinlich werde ich in Zukunft mehr Regie führen, aber zum Glück verlässt mich meine Stimme noch nicht. Und das macht mich glücklich", sagte der Spanier, der am Mittwochabend im Teatro Antico in Taormina "Rigoletto", die erste der beiden Opern auf dem Programm des Bellini-Festivals, dirigiert.

Auf die Frage, was Musik für ihn sei, antwortete Domingo: "Es ist wie Essen und Wasser. Ich kann nicht ohne sie auskommen. Und dann ist da noch der Rest, die Intellektualität, die Kunst. Aber ich kann ein Leben ohne Musik einfach nicht denken und verstehen. (...) Musik macht uns definitiv zu besseren Menschen", sagte Domingo.

Der Sänger erinnert sich gern an Luciano Pavarotti. "Wir waren gute Freunde, Kollegen und Rivalen. Ich habe ihn sehr bewundert. Es herrschte ein starker Wettbewerb. Aber wir hatten Spaß und ich vermisse ihn sehr", so Domingo.

Der Tenor hat sich bei den Personen entschuldigt, die ihn der Belästigung beschuldigt hatten. "Sich zu entschuldigen, ist für mich ein Akt des Respekts, der angesichts eines Ereignisses fällig ist, das anderen Unbehagen bereitet hat. Aber im Übrigen, wie ich von Anfang an gesagt habe, wiederhole ich, dass ich niemals jemanden missbraucht habe. Die einzigen beiden unabhängigen Untersuchungen, die in den USA gegen mich durchgeführt wurden, sind beendet worden, ohne dass Missbrauch festgestellt worden. Bald werden zwei Jahre vergangen sein", so Domingo.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!