Wem hierzulande der Sinn nach einer gepflegten kulinarischen Landpartie steht, den zieht es mittlerweile verstärkt in die Weststeiermark, deren naturgegebene Schönheit sich ebendort an zahlreichen Orten wunderbar über das Essen erfahren lässt. So auch in Kirchberg bei St. Stefan ob Stainz, wo Familie Strohmeier ergänzend zum familieneigenen Demeter-Weingut Herrgott mit dem Winzerrestaurant HerrgottHö einen elegant-gegenwartsnahen, aber nicht überkandidelten Ort der Einkehr betreibt.
Der sicherlich spektakuläre Weinbergblick bleibt uns am Tag unseres Besuchs aufgrund des Nebels leider verwehrt, der Küchengruß in Form eines frittierten Linsen-Wan-Tans mit Rote-Rüben-Hummus und Kren zum Isabellafrizzante aus Eigenproduktion macht die Tristesse vor dem Fenster aber schnell vergessen.
Derlei unwidersprochene Wohlgefälligkeit vermag das gebratene Blunz’nradl mit Kartoffelnest, Sauerkraut und Misoschaum (18 Euro) nicht auszulösen. Am animierend säuerlichen, sehr gut abgeschmeckten Kraut liegt es nicht, auch nicht an der mollig-samtenen Blunz’n, die sich elegant über jedes deftige Hungertöteressen-Klischee erhebt. Vielmehr ist es das dominant paprikawürzige Gewirr an übergewichtigen Kartoffellocken, bei dem der kreative Hakenschlag zum Irrweg gerät: zu brachial, zu überdimensioniert, zu gewollt hip.
Exzellent dafür die geschmacklich klar konturierte, fein malzige Weißbierschaumsuppe mit Pastinakenscheibchen und pikant-säuerlichem Apfelstrudel (9 Euro) – mehr davon, bitte!
Der als in Sesampanade gebackener angepriesene Hirschrücken kommt als vorschriftsmäßig souffliertes Schnitzel mit knusprig-schmalzigen Bratkartoffeln (29 Euro) daher. Der zum Wild gereichte Rotkrautsalat fällt jedoch dem aktuell wild vor sich hin galoppierenden Trend zu asiatischen Würzen zum Opfer und könnte bei einer Blindverkostung auch als Algensalat durchgehen: schade um den vergebenen Elfmeter.
Deutlich stimmiger der knackige Karfiol mit Butterbröseln, Karfiolcreme und Nussbutter-Espuma (26 Euro), der Erinnerungen an Soulfood aus der Kindheit weckt. Mehr Nussbutter und ein gezähmteres Flammen-Finish hätten den Röschen aber nicht geschadet.
Besonders positiv hervorgehoben seien der kompetente, herzliche Service und die überwiegend mit hauseigenen PIWI-Weinen bestückte Weinkarte, von denen vor allem der Souvignier Gris in die Klasse der verlässlichen Freudenspender fällt.