Man kann über das Nightrace sagen, was man will: Es ist laut, es ist schnell, es ist spektakulär – und es passiert jedes Jahr das Gleiche. Im Vulkanland wiederum gibt es eine Disziplin, die vermutlich auch Hansi Hinterseer gefallen würde: der Einkehrschwung in Flaschenform. Nur dass sein Satz heuer leicht umgeschrieben wird. Nicht „echt bärig“, sondern: „echt beerig“.
Video – Zu Gast bei den Thallers
Und während Schladming sich auf den großen Auftritt Ende Jänner vorbereitet, geht im Vulkanland schon seit Längerem etwas ganz anderes über die Bühne: Dort wird das Nightrace nicht nur gefahren, sondern auch gefüllt. In Flaschen nämlich. Und zwar auf dem Weinschloss Thaller, wo man im Familienverband so viel Energie hat, dass andere Gemeinden dafür ein eigenes Kraftwerk bauen müssten.
Bettina und Katharina Thaller sind zwei Winzerinnen, die genau wissen, was sie tun. Und die nebenbei auch noch ein Kunststück beherrschen, das in Österreich fast als olympische Disziplin gilt: Familie und Betrieb so zu führen, dass man am Ende nicht mit dem Korkenzieher die Nerven aufdreht. Sechs Geschwister, fünf davon im Unternehmen, dazu Partner, Kulinarik, Events, Weinschloss-Flair – und irgendwo dazwischen entstehen Ideen, „wenn man mit einem Glas Wein zusammensitzt“. Im Vulkanland ist das keine Redewendung, das ist eine betriebswirtschaftliche Strategie.
So ist auch der Nightrace-Wein entstanden: aus einer zufälligen Bekanntschaft mit dem WSV Schladming – und aus dem Gedanken, dass man Wein nicht nur trinken, sondern auch sinnvoll einsetzen kann. Der Erlös unterstützt die Ski-Jugend, weil der Wintersport mittlerweile bekanntlich so günstig ist wie ein Kurztrip zum Mond. Wer Kinder in den Rennanzug steckt, weiß: Da ist jede Unterstützung willkommen.
Der Wein selbst ist – wie sollte es bei Thallers anders sein – Rotwein. „Es kann nur ein Rotwein sein“, sagen sie – schließlich ist das Weinschloss Thaller seit Jahrzehnten Rotwein-Bastion in einem Bundesland, das früher für alles bekannt war, nur nicht für Cabernet und Co. Damals hat man die Thaller-Eltern noch belächelt: Rotwein in der Steiermark? Ja eh. Und Schneekanonen in der Sahara gleich dazu. Heute schaut man weniger verwundert, weil sich das Klima geändert hat – und die Thallers längst Qualität liefern. Alte Reben, lehmige Böden, Ton und Opok, dazu die Alpen im Rücken und pannonische Wärme von der Seite: Das ergibt Rotweine mit Eleganz statt Muskelshow. Feinstrukturiert, kühl, präzise. Quasi Slalomstil im Glas.
Und jetzt kommt der Teil, der wirklich nach Schladming klingt: Es gibt davon genau 222 Sechser-Holzkisten. Und ausverkauft ist man schneller, als ein Slalomläufer „Kippstange“ sagen kann. Ein paar Flaschen liegen noch im Raritätenkeller. Wer heuer zu spät dran ist, kann sich immerhin schon für den nächsten Jahrgang vormerken lassen – Subskription heißt das im Weinsprech. Oder wie man in Schladming sagen würde: Rechtzeitig am Start sein, sonst wird’s hinten raus zach.
Bleibt nur die wichtigste Frage: Wie trinkt man den Nightrace-Wein richtig? Bettina und Kathi würden vermutlich sagen: am besten in guter Gesellschaft. Und wenn das Rennen dann endlich startet, der Hang glänzt, die Kanten greifen und ganz Österreich kollektiv den Atem anhält – dann weiß man: Irgendwo im Vulkanland sitzt auch jemand daheim, schenkt ein, lächelt und denkt sich: Na bittschön. So geht Wintersport. Mit Stil. Und mit Korken.