Faktencheck Behauptungen auf Social Media: Hat die FDA Biontech/Pfizer verboten?

In den sozialen Netzwerken kursiert derzeit das Gerücht, dass der Impfstoff von Biontech/ Pfizer in den US für die Drittimpfung verboten worden sei. Die wichtigsten Punkte dieser Behauptung im Faktencheck.

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Fakten; Falschmeldung; Corona
Oft ist es schwer Fakten von Falschmeldungen zu unterscheiden © Andrii Zastrozhnov - stock.adobe.com
 

Aktuell kursiert online eine Falschinformation, wonach der Impfstoff von BioNTech/Pfizer von der US-Behörde Food and Drug Administration (FDA) für eine Drittimpfung verboten worden sein soll. Ein "führender Corona-Forscher" habe festgestellt, dass der Impfstoff mehr schadet als er hilft. Diese Falschbehauptung bekam in Österreich durch einen TV-Auftritt von Ex-Politiker Peter Westenthaler Reichweite und wurde oft geteilt.

Doch klar ist: Die FDA hat den Pfizer-Booster nicht verboten, sondern nur für gewisse Risikogruppen empfohlen und freigegeben. Der angebliche Corona-Forscher ist Elektroingenieur und Informatiker, seine Berechnungen fußen größtenteils auf nicht belastbaren Daten.

Zwar lehnte ein FDA-Ausschuss am 17. September 2021 eine generelle Empfehlung eines Boosters des Herstellers BioNTech/Pfizer ab. Allerdings gab es eine derartige Empfehlung sowohl für alle Über-65-Jährigen als auch für jene Über-18-Jährigen, die Risikogruppen angehören oder dem Virus regelmäßig ausgesetzt sein könnten. Von einem Verbot kann daher keine Rede sein. 

"Corona-Forscher" ist Elektroingenieur

Um einen Experten handelt es sich bei einer oft genannten Quelle nicht. Es ist korrekt, dass ein Mann namens Steve Kirsch im Rahmen dieses Meetings eine Präsentation über Nebenwirkungen der Impfung abgehalten hat. Kirsch ist entgegen Westenthalers Angaben jedoch kein "geschätzter Epidemiologe", sondern Elektroingenieur und Informatiker. Dies ist auch auf der Webseite des "Covid-19 Early Treatment Funds" zu lesen, auf den in der TV-Sendung verwiesen wird. Kirsch fiel bereits mehrmals wegen der Verbreitung von Desinformationen auf, welche durch Faktenchecks widerlegt wurden.

In seiner Präsentation argumentiert Kirsch mit einem angeblich 71mal höheren Risiko für Herzinfarkte bei einer Pfizer-Impfung im Vergleich zu anderen Impfungen. Er bezieht sich dabei auf Daten aus dem amerikanischen Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS), wo Symptome und Tode in zeitlichem Zusammenhang zu einer Impfung dokumentiert werden können.

Impfstoff laut Studie sicher

In der restlichen Präsentation bezieht sich Kirsch vor allem auf Einzelfälle, aber auch auf eine Preprint-Studie von Pfizer selbst greift er zurück. Die Sechs-Monate-Studie liefert das Ergebnis, dass der Impfstoff sicher ist und keine Auffälligkeiten bei der Sicherheit festgestellt werden konnten.

Kirsch verweist aber etwa auf den Umstand, dass unter den rund 45.000 Teilnehmern 15 Geimpfte und 14 aus der Placebo-Gruppe gestorben sind. Nachdem die Teilnehmer über ihre Gruppenzugehörigkeit in der Studie aufgeklärt wurden, starben weitere drei Geimpfte und zwei aus der Placebo-Gruppe, die zu dem Zeitpunkt bereits geimpft waren. Kirsch leitet fälschlicherweise unter anderem daraus ab, dass man Menschen mit einer Impfung mehr gefährde als rette, obwohl in der Studie explizit erwähnt wird, dass keiner der Tode mit der Impfung in Verbindung gebracht werden konnte und die Impfung effektiv gegen das Virus sei.

Keine Unterschiede zur Kontrollgruppe 

Bei den vorliegenden Behauptungen leiten manche ein vierfaches Herzstillstand-Risiko für Geimpfte ab, weil bei der Aufteilung der Gesamttode auf einzelne Todesursachen vier Herzstillstände bei Geimpften und nur einer bei der Kontrollgruppe verzeichnet wurden. Dass diese Interpretation allein auf Basis dieser Zahlen nicht getroffen werden kann, zeigt ein Blick auf Herzinfarkte: Hier starben zwei Personen aus der Kontrollgruppe, aber keiner der Geimpften. Deswegen nur anhand dieser Zahlen zu schlussfolgern, dass die Impfung Herzinfarkte verhindert, wäre ebenfalls falsch. In der Studie heißt es, dass die Todesursachen zwischen beiden Gruppen gleich aufgeteilt waren.

Auch die EMA gab in dieser Woche grünes Licht für die Auffrischungsimpfung mit dem Pfizer-Impfstoff. Risiken seltener Nebenwirkungen würden weiterhin beobachtet.

Kommentare (15)
DavidgegenGoliath
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Die Pandemie hat seltsame Auswirkungen,

die sog. Faktenchecker! Wer steht hinter diesen Faktencheckern und von wem werden sie finanziert?

heinz31
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Steve Kisch:

Steve Kirsch ist geschäftsführender Direktor des COVID-19 Early Treatment Fund (Fonds für die frühzeitige Behandlung von COVID-19).
Oder glaubt der Faktencker wirklich, die FDA lässt einen "Elektriker" vor dem Gremium vortragen? Mag sein, daß er ursprünglich Elektriker gelernt hat. Es sollen ja auch Studienabbrecher schon Kanzler geworden sein.
Aber, ist klar: Jeder, der Skepsis hat, wird irgendwie als Trollvottel hingestellt.

DannyHanny
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Heinz 31

Bekannte Virologen sagen, nach 30 Jahren Berufserfahrung bist du soweit zu sagen : wir wissen nicht 1 Prozent von der Thematik der Viren!!!!!
Und ein Elektriker mit einem dubiosen Fond, schafft das in 1 Jahr......sollte Ihnen vielleicht zu denken geben ( wenn möglich)!

DavidgegenGoliath
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@Danny

Wie können sie das beurteilen?

DannyHanny
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David gegen Goliath

Wenn ich eine neue Steckdose will.....geh ich zum Elektriker!
Wenn ich mich über Covid19 informieren will........frag ich einen Virologen!
Bei Ihnen scheint es umgekehrt zu sein!!

blubl
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😉

Wenn sie sich über die Erkrankung Covid19 informieren möchten, sollten sie zum Infektiologen gehen - geht es jedoch um den Virus (SARS-CoV-2) dann ist der Virologe der richtige Ansprechpartner.

Helmut67
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Engel 😇 Gläubige

Hat sich jetzt auf Coronaexpertin umgeschult. Wenn du an Engel 😇 glaubst bleibst du immer gesund. Kaum zu glauben aber war.?????

heinz31
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So wars wirklich

Pfizer hat einen umfassenderen Antrag auf Genehmigung von Auffrischungsdosen des Pfizer-Impfstoffs für alle Personen ab 16 Jahren nach 6 Monaten für vollständig durchgeimfte bei der US-Arzneimittelbehörde FDA angesucht. Ein Expertengremium hat den Antrag mit 16 zu 2 Stimmen abgelehnt - Begündung: Zweifel an der Sicherheit.
Die Mitglieder des Gremiums äußerten Zweifel an der Sicherheit einer Auffrischungsdosis bei jüngeren Erwachsenen und Jugendlichen.
Das Gremium stimmte jedoch einstimmig dafür, die Notfallzulassung einer Auffrischungsdosis des Pfizer-Impfstoffs für Personen ab 65 Jahren und Personen mit hohem Risiko einer schweren COVID-19-Erkrankung sechs Monate nach den ersten beiden Impfungen zu empfehlen.
Das klingt doch schon etwas anders, oder?

Guest_ojwsvkPENqeaE0mdJs0BXYCxSUvY5R5pFNpiTySdrK0XcmovvCZqep71qQqNvtmZ
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Also

wenn er nur für bestimmte Risikogruppen freigegeben wurde, müsste er für die anderen
verboten sein! Oder irre ich mich hier?

Metis
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Ohne Worte…

Also man kann schreiben, predigen und beweisen was man will, wie man will und wo man will - Leute die so interpretieren, drehen und wenden wird man nie überzeugen können. Daher soll jeder tun wie er es für richtig hält und ich verplempere weder Zeit noch Energie mehr damit.

heinz31
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"Also" dreht nicht

Er denkt logisch und hat damit Recht

beneathome
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Schon wieder

verzerrt die Zeitung die Fakten. Wenn Risikogruppen empfohlen wird, nicht zu impfen, kann man nicht so argumentieren, als ob keine Bedenken bestünden und in Österreich alles durchgeimpft werden soll. Wie krank seid ihr schon?

Naturfreund007
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@beneathome

welche Zeitung hast du gelesen?

hier steht das jedenfalls nicht

DannyHanny
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Einem Irrtum...

bin ich anscheinend erlegen!
Nicht Virologen, Epidemologen, Ärzte, Universitäten.......sind die Fachleute in einer Pandemie!
Sondern anscheinend Köche, abgehalfterte Sänger, Gärtner, Elektriker, 4 Klasse Schauspielerinnen, Kabarettisten auf was auch immer, geschasste Politiker und andere fachliche Kapazunder!

Metis
1
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Sehr gut…

😂