FaktencheckGab es im Juni 2021 in Österreich eine Übersterblichkeit?

In sozialen Netzwerken wird behauptet, dass es in Österreich im Juni zu einer Übersterblichkeit aufgrund von Corona-Impfungen gekommen sei. Die Zahlen belegen dies jedoch nicht.

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Der Juni 2021 ist hinsichtlich der Sterblichkeitsrate "nicht wirklich auffällig"
Der Juni 2021 ist hinsichtlich der Sterblichkeitsrate "nicht wirklich auffällig" © sudok1 - stock.adobe.com
 

Seit Monaten warnen Impfkritiker vor angeblichen Gefahren, die in Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung stehen. Viele verbreiten in dem Bereich aber auch falsche Informationen. Derzeit wird etwa in Facebook-Postings (1) behauptet, dass es in Österreich zuletzt eine "massive Übersterblichkeit" gegeben habe. Als Grund vermuten Social Media-User die Corona-Impfung.

"Da die Coronastationen leer sind (sic!) ist dies der klare Beweis, es liegt an den Gen-Spritzen", heißt es. Als Quelle dieser Behauptungen wird ein Blog-Artikel (2) angeführt.

Einschätzung: Es gab im Juni 2021 in Österreich keine Übersterblichkeit. Daten zeigen, dass es in etwa so viele Todesfälle gab wie in den Monaten davor. Die Datenlage lässt derzeit keine Schlüsse auf die Ursachen der Sterbefälle zu. Es gibt aber keine Hinweise, dass die Corona-Impfung dafür verantwortlich ist.

Überprüfung: EuroMOMO (3) ist ein europaweites Mortalitäts-Überwachungssystem, das darauf abzielt, übermäßige Todesfälle in Zusammenhang mit der Grippe oder Pandemien zu erkennen und zu messen. Die Datenbank gilt als bewährtes Instrument. Deren Daten zeigen, dass es im Juni 2021 in Österreich keine Übersterblichkeit gab.

Die Statistik Austria übermittelt tagesaktuell die sogenannte "All­Ursachen-Mortalität" an EuroMOMO. Woche für Woche lässt sich so die Mortalität eines Landes nachvollziehen. Die erwartete Mortalität wird in der Baseline dargestellt. Die Linien "Normal Range" und "Substantial increase" zeigen an, bis wann die Mortalität noch im normalen Bereich ist und ab wann sie erhöht ist. "Die beobachtete Abweichung der All-Ursachen-Mortalität von der 'Baseline' wird als Über- beziehungsweise als Untersterblichkeit bezeichnet. Die Abweichungen werden standardisiert in Form von Z-scores dargestellt", erklärt ein Bericht (4) der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES).

Ein Z-score unter zwei bedeutet gemäß EuroMOMO-Definition keine Übersterblichkeit. Zwischen zwei und vier ist sie gering, zwischen vier und sieben mittel und zwischen sieben und zehn hoch. Ab zehn ist sie sehr hoch und ab 15 ist sie extrem hoch - das ist die letzte Stufe.

Im gesamten Juni 2021 ging der Z-score (5) nicht über zwei hinaus, es gab also gar keine Übersterblichkeit in Österreich. Das bestätigte auch ein AGES-Pressesprecher der APA. Schon gar nicht gab es demnach eine "massive" oder "signifikante" Übersterblichkeit, wie von Social Media-Usern fälschlicherweise behauptet.

Juni 2021 "nicht wirklich auffällig"

Vergleicht man die Zahl der Sterbefälle von Statistik Austria (6) in den Kalenderwochen 22 bis 26 (Woche von 31. Mai 2021 bis zum 04. Juli 2021) mit dem Durchschnitt derselben Kalenderwochen aus den Jahren 2016 bis 2020, so zeigt sich schon, dass es in jeder Juni-Woche 2021 in Österreich mehr Sterbefälle gab als im Durchschnitt der letzten Jahre. Das alleine sagt allerdings noch nicht viel aus.

Auf APA-Anfrage betonte etwa eine Pressesprecherin von Statistik Austria, dass der Juni 2021 als Ganzes "nicht wirklich auffällig" gewesen sei. In den Kalenderwochen 22 bis 26 habe es "so wie in fast allen Wochen des Jahres 2021 - außer Februar/Anfang März - etwas mehr Sterbefälle als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gegeben."

Etwas höher seien die Sterbefälle in der 24. und 25. Kalenderwoche (14. bis 27. Juni) gewesen, so die Sprecherin. Das zeigt sich auch bei EuroMOMO: In Kalenderwoche 25 (Woche von 21.06.2021 bis 27.06.2021) lag der Z-score bei 1,96, also knapp unter zwei und damit einer geringen Übersterblichkeit. In Kalenderwoche 24 (Woche von 14.06.2021 bis 20.06.2021) lag er bei 1,24.

Zusammenhang mit Hitze möglich

In diese Woche fiel auch die erste große und länger andauernde Hitzewelle in Österreich, wie Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigen. Auf einer Grafik (7) ist die Hitzewelle zwischen 16. Juni und 24. Juni 2021 gut erkennbar. Das Flächenmittel der Lufttemperatur lag in diesen Tagen im Vergleich zum Zeitraum der Jahre 1981 bis 2010 bei durchschnittlich plus sechs Grad Celsius.

Ein Zusammenhang zwischen Hitze und den höheren Sterbefällen in diesen zwei Wochen ist also naheliegend. So gab es etwa in den letzten vier Jahren - mit Ausnahme von 2020 - eine Hitze-assoziierte Übersterblichkeit in Österreich. Das zeigt das Hitze-Mortalitätsmonitoring (8) der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES). Für den Sommer 2021 liegen laut dem AGES-Pressesprecher allerdings noch keine aktuellen Auswertungen dazu vor.

Auch die Statistik Austria betont, dass es noch zu früh ist, um Angaben zu den Todesursachen 2021 zu machen: "Während die Sterbefälle von den Personenstandsbehörden digital an Statistik Austria übermittelt werden, erhalten wir die Angaben zu den Todesursachen als handschriftlichen Eintrag auf Papierformularen. (...) Diese müssen vorsortiert, eingegeben, nach WHO-Standard kodiert, plausibilisiert und ausgewertet werden. Teilweise sind auch Rückfragen bei den verantwortlichen Totenbeschauärzten und Pathologen erforderlich (...). Daher dauert die Erstellung der Todesursachenstatistik deutlich länger als die der Sterbefälle", erklärt die Sprecherin.

Keine Hinweise auf Impf-Risiken

Es gibt allerdings keinerlei Hinweise, dass die erhöhten Sterbezahlen auf die Corona-Impfung zurückzuführen sind, wie in Sozialen Medien vermutet wird. Denn seit Beginn der Impfung Ende Dezember 2020 wurden nur 146 Todesfälle in zeitlicher Nähe zu einer Covid-19-Impfung gemeldet. Bis jetzt wird nur bei einem Fall ein Zusammenhang mit der Impfung gesehen. Das geht aus dem aktuellen Bericht (9) über Meldungen vermuteter Nebenwirkungen nach Covid-19-Impfungen des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) hervor (Zeitraum 27.12.2020 - 09.07.2021).

Generell war die Zahl der Sterbefälle in Österreich am höchsten, als es noch gar keine Corona-Impfung gab. So lag der Z-score (5) in Kalenderwoche 47 des Jahres 2020 bei 11,04 und in Kalenderwoche 49 des Jahres 2020 sogar bei 12, was einer "sehr hohen" Übersterblichkeit entspricht. Laut AGES-Bericht (4) korrelierte die Übersterblichkeit in Österreich zeitlich mit dem exponentiellen Anstieg der SARS­CoV-2 Infektionsfälle seit Kalenderwoche 43.

Einer Presseaussendung von Statistik Austria (10) von Ende Juni 2021 zufolge schwankt die Zahl der Sterbefälle in der Bevölkerung seit Mitte Mai. Zu Jahresbeginn sei die Zahl der wöchentlichen Sterbefälle aber noch bei rund 2.000 und damit um etwa 500 Verstorbene pro Woche höher als Mitte Juni gelegen, heißt es.

Die Anzahl der Corona-Todesfälle (11) lag in den Kalenderwochen 22 bis 26 bei 88. Die Zahl der Hospitalisierungen (11) ging in dem Zeitraum kontinuierlich zurück.

Kommentare (19)
david965bc
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In Google eingeben: excess mortality economist tracking

Da sieht man teilweise aktuell die weltweite Daten der Übersterblichkeit in den vielen Ländern der Erde.

checker43
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Das

zeigt die Covid-Übersterblichkeit und den Rückgang der Übersterblichkeit nach Impfbeginn.

Nessi46
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Übersterblichkeit

Jetzt ganz im Ernst, es gibt eine „Übersterblichkeit“ und laut Weltbevölkerungs Liveticker werden wir von Minute zu Minute trotzdem immer mehr auf diesem Planeten. 🙈

david965bc
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In Österreich kann der Geimpfte großteils gratis zum Hausarzt gehen,

wenn er nach der Impfung etwas hat.

Ich denke, da kommt es dann nicht zu Verschwörungen wie in den USA, wonach die Impfung mit mRNA Impfstoffe bei einigen zu schweren Nebenwirkungen geführt haben soll. Ins Internet hineinschreiben ist für so manche billiger als in den USA zum Arzt zu gehen.

In den USA hat man zudem bei hohen Zahlen an Neuinfizierten geimpft, da könnte es schon passieren, das man während der Impfung auch mit dem Coronavirus infiziert war. Ich denke, da könnte manche dann annehmen, das die Impfung Schuld für die Nebenwirkung ist, dabei war es in Wirklichkeit das Coronavirus.

Darum wäre es sinnvoll, wenn die Zahl der Neuinfizierten hoch ist, vor der Impfung einen PCR Test zu machen. Am Besten noch einen Antikörpertest dazu, denn es gibt auch Long Covid Fälle bei manchen, die asymptomatisch waren.

david965bc
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1
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35319cd1ae6eda8de8aa5653d48c495c
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Weils auch zu den Falschmeldungen passt:

"Mehr als jeder zweite britische Patient, der ins Krankenhaus aufgenommen wird, wird erst nach der Aufnahme positiv auf das Coronavirus getestet." (Quelle: the telegraph)

Dh. der Großteil der "Covid-Patienten" in den britischen Krankenhäusern wurde wegen anderen Problemen ins Spital eingeliefert und nicht wegen Corona.
Im Ernst - langsam reichts, oder?

david965bc
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Das Coronavirus kann fast überall im Körper Schaden anrichten,

von der Lunge, Herz, Nieren, bis zu den Gefäßen. Dann gelangt es ins Gehirn.

Die Frage ist ja, wo in der Regel die Briten hingehen, eher zum Hausarzt oder doch gleich ins Krankenhaus.

Wenn die Ärmeren und Migranten eher ins Krankenhaus gehen, dann kann das schon sein, das fast jeder Zweite das Coronavirus hat, denn das Virus breitet sich vor allem dort aus, wo viele Migranten und die Ärmeren leben.

War in Wien nicht anders, in den Krankenhäuser sind vor allem jene gelegen, die aus gewissen Bezirken stammen, wo der Ausländeranteil hoch ist, habe ich gehört.

david965bc
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Durch die Mutationen ist das wie ein Katz und Maus Spiel.

Jedenfalls reichten bisher viele Infizierte aus, das das Gesundheitssystem schnell überlastet war.

Wie die Situation mit den Impfungen jetzt ist, probiert jetzt der sinnbildlich verrückte Boris Johnson mit den blonden und zersausten Haaren mit England aus.

david965bc
1
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Korrektur

..... verrückte Professor ...

ralfg
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.

Corona ist kein symptom. Man manchmal ist es im Internet so als ob man volksschülern medizin beibringen muss.

david965bc
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Russland hat eine Übersterblichkeit von 600.000 Bürgern in einem Coronajahr

Dort gab es wenige Maßnahmen, die Herdenimmunität haben sie damit dennoch noch nicht erreich.

flipper
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Inzidenz

Gott sei Dank gibt es jetzt die Hitzemortalitätsinzidenz, bald folgt wohl die 7-Tages-Statistik!

sandor54
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Falschmeldungen

Alle jene, die solche Falschmeldungen verbreiten, handeln gegen die Gesellschaft und sollten eigentlich zur Verantwortung gezogen werden.

champion1of1truth
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sandor54

Hast vollkommen recht. Dann fangen wir gleich bei der jetzigen Regierung an, dann gehen wir weiter, die es verbreiten und dann, lange später, die anderen.

david965bc
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Sebastian Kurz: Für Geimpfte ist die Pandemie vorbei.

Ist das eine Falschmeldung oder ein Szenario?

Das ist Ansichtssache. Für jene, die Kurz nicht mögen, wird es eine Falschmeldung sein. Für jene, die Kurz mögen, wird es ein Szenario sein und keine Falschmeldung.

ralfg
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.

Ich sehe das auch ähnlich. Wer angesicht so ernster bedrohungen so einen mist verbreitet ( wie leute sterben massenhaft an impfungen) sollte tatsächlich belangt werden.
Erschreckenr ist auch wie viele alles mögliche glauben. Statt mit dem hausarzt ein Aufklärungsgespräch zu führen, liest man irgendwelche posts von irgendwelchen leuten mit fragwürdiger Qualifikationen auf Facebook.

Arthurd63
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Falschmeldungen sind seit Jahrhunderten auch politische Waffe

Manche Länder wie zB Russland produzieren das hochprofessionell und laufend. Kostet ja nicht viel, man braucht nur ein paar hundert englisch- französich und deutschprechende Mitarbeiter.
Ziel: Unsicherheit verbreiten, Glaubwürdigkeit untergraben und damit unser System (Demokratie) zu schwächen. Je mehr Chaos, desto besser.

hkirchweger
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Was sie aber dabei nicht bedacht haben…

…dass die eigene Bevölkerung den Quatsch genauso glaubt, wie die der Länder, an die die Falschmeldungen gerichtet waren. Totale Medienkontrolle wie zu Sowjetzeiten gibt es halt nicht mehr, das hat der ehemalige KGB-Agent Putin bei seiner Strategie offenbar übersehen.

david965bc
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Die Russen glauben ja selber dem Kreml nicht mehr,

weil sich dort so wenige mit russischen Impfstoffen impfen lassen.

Falschmeldungen funktionieren kurze Zeit, haben aber große Folgen für die Zukunft, denn irgendwann ist das Vertrauen in diejenigen weg, die die Falschmeldungen verbreiten und dann bekommen die Falschmelder ein Problem.