AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Verleihung im NovemberMorgenstern-Preis geht an Nava Ebrahimi

Nava Ebrahimi ist der erste „Morgenstern". Mit dem neuen Kulturpreis zeichnet das Land Steiermark gemeinsam mit der Kleinen Zeitung Debüts aus, um Künstlerkarrieren zeitig zu stärken.

Der erste Morgenstern: Nava Ebrahimi © Ohlendorf
 

Die Entscheidung war einhellig: Die Grazer Autorin Nava Ebrahimi wird für ihren Roman „Sechzehn Wörter“ mit dem ersten Morgenstern-Preis des Landes Steiermark ausgezeichnet. Die neue Auszeichnung, die ab sofort in Kooperatoin mit der Kleinen Zeitung im Zweijahresrhythmus vergeben wird, würdigt Künstlerinnen und Künstler am Anfang ihrer Laufbahn und soll zur konsequenten Weiterführung künstlerischer Karrieren nach geglückten Debüts ermutigen. Überreicht wird der mit 10.000 Euro dotierte Preis am 18. November im Rahmen der Landeskulturpreisgala.

Nava Ebrahimi hat „Sechzehn Wörter“ 2017 veröffentlicht und sich damit, so die Begründung der Morgenstern-Jury, „abseits der Trampelpfade des Literaturbetriebs in die erste Reihe der jüngeren deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geschrieben“. In dem autobiografisch inspirierten Buch reist die Ich-Erzählerin Mona nach dem Tod ihrer Großmutter in ihr Herkunftsland Iran, mit dem sie eine „anstrengende On-off-Beziehung“ unterhält – und sieht sich dort mit ihrer Familiengeschichte, der fremden Muttersprache und ambivalenten Heimatgefühlen konfrontiert.

Vor zwei Jahren wurde Ebrahimi dafür mit dem Debütpreis beim Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Nun sei der Morgenstern, sagt sie, nicht nur „eine große Ehre. Das verschafft mir die Freiheit, Projekte anzugehen, von denen ich noch nicht weiß, wohin sie mich führen werden.“ Ihr Schreiben brauche „das Offene, Zweck- und Ziellose“. Auch „Sechzehn Wörter“ hat auf diese Weise begonnen.

In Teheran geboren und in Köln aufgewachsen, schrieb Ebrahimi nach dem Journalismusstudium unter anderem für die „Financial Times Deutschland“ und die Kölner „Stadtrevue“, ehe sie 2012 ihre zweite Migration vollzog: Sie gründete mit einem Grazer eine Familie und übersiedelte an die Mur. „Ohne Job und in Elternzeit“ begann sie zu schreiben – „ganz ohne Absicht“ erst einmal. „Ich habe wohl diese Einsamkeit gebraucht, um anfangen zu können. Der Umzug nach Graz war der Einschnitt, der das möglich machte. In Köln wäre ich vielleicht noch immer Redakteurin.“ Mittlerweile fühle sie sich in Graz wohl und angenommen, „auch wenn es bei mir dazugehört, dass ich am Rand stehe. Es ist Teil meiner Biografie, dass Ankommen schwierig ist.“

Zum Morgenstern-Preis

Der Morgenstern-Preis des Landes Steiermark, unterstützt durch die Kleine Zeitung, ist
mit 10.000 Euro dotiert und wird biennal vergeben.

PreisträgerInnen müssen der Steiermark biografisch verbunden sein, ihr Debüt darf nicht länger als drei Jahre zurückliegen und muss „wesentlichen Widerhall bei Publikum und Kritik in der Steiermark und überregional“ gefunden haben.

www.kultur.steiermark.at


Folgerichtig wird sich auch ihr zweiter Roman, der im März 2020 erscheint, um Fragen der Identität, um das Weggehen und das Ankommen drehen. Einer der Protagonisten ist ein ehemaliger Kindersoldat im Iran-Irak-Krieg der 80er-Jahre. Wie Mona aus „Sechzehn Wörter“ ist er inspiriert von einer real existierenden Person, „damals schickten viele Eltern ihre Kinder allein in den Westen, um sie vor dem Kriegsdienst zu bewahren“. In dem Buch, das vermutlich „Das Paradies meines Nachbarn“ heißen wird, geht es darum „dass man im Westen die Freiheit, aber auch den Zwang hat, sein Leben zu gestalten“.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren