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NachrufErich Kleinschuster, "Literat der Posaune", ist verstummt

Er zählte zu den namhaftesten Jazzmusikern Österreichs, machte den Jazz via Radio populär und wirkte jahrzehntelang unermüdlich an der Ausbildung des Jazz-Nachwuchses. Posaunist Erich Kleinschuster starb im 89. Lebensjahr.

Posaunist von Weltrang, unermüdlicher Kämpfer für den Jazz: Erich Kleinschuster © KK
 

"Ein Literat der Posaune" war er für André Heller. Seine Fans nannten den Jazzer von Weltrang liebevoll "Keksi". Den Jazz in Österreich hat er in vielfacher Hinsicht entscheidend geprägt: "Meine Tätigkeit beschränkt sich nicht auf die des Posaunisten,, mein Schwerpunkt als Musiker liegt im Aufreißen von Löchern im Kulturbetrieb", sagte er selbst in einem Interview über sich.

Wie die Kleine Zeitung aus dem Umfeld des Musikers erfahren hat, ist der Grazer Jazz-Posaunist, Bandleader, Komponist, Arrangeur und Pädagoge Erich Kleinschuster in der Nacht auf Mittwoch gestorben. Er war 88 Jahre alt. Der studierte Jurist gehörte 1965 zum Gründungsensemble des Institutes für Jazz an der heutigen Grazer Musikuni, ab 1981 hatte er die Professur für Improvisation inne. Als Professor für Posaune geleitete er bis 1998 zahlreiche Nachwuchsmusiker durch die Welten das Jazz.

Die Jungen mit der Musik des Jazz vertraut zu machen, zählte zu den Lebensaufgaben, die er sich erwählt hatte: 1969 wurde er zum Begründer und Leiter des Jazz-Institutes am Konservatorium der Stadt Wien, 1985 wirkte er am Aufbau der Jazzabteilung am Kärntner Landeskonservatorium in Klagenfurt mit.

Dem modernen Jazz in Österreich hat Kleinschuster in vielerlei Hinsicht entscheidende Impulse gegeben. Und: er hat ihn weithin populär gemacht. Mit Ensembles wie seinem Erich Kleinschuster Sextett begeisterte der charismatische Musiker über Jahrzehnte das Live-Publikum nicht nur in Österreich und Europa, sondern auch auf zahlreiche Tourneen nach Amerika, Afrika und Asien. Mit seinen Radiosendungen im ORF erreichte Kleinschuster, der zehn Jahre lang auch als Produktionsleiter der ORF-Unterhaltungsmusik wirkte, über die Jahre eine breite Zuhörerschaft, die sich von seiner Begeisterung für die Improvisationsmusik anstecken ließ. "Durch meine Rundfunksendungen bin ich so bekannt geworden, dass manche das schon mit dem Bundespräsidenten verglichen haben", scherzte er einmal im Interview mit der Kleinen Zeitung.

Von 1998 wirkte der umtriebige Jazzer mit der markanten Strickhaube als Organisator des publikumsträchtigen Jazz-Sommers in Graz, zu dem er Größen wie George Benson, Al Jarreau, Dee Dee Bridgewater, Ibrahim Ferrer, Chick Corea oder Randy Crawford an die Mur holte. Legendär bleibt neben solchen Großtaten seine unermüdliche Leidenschaft für die Live-Musik - als einer der führenden europäischen Solisten auf seinem Instrument  spielte er mit den Legenden seines Fachs von Louis Armstrong bis Joe Henderson, Art Farmer und Jimmy Heath. Auf höchstem Niveau musizierte Kleinschuster bis in seine Achtziger, "weil Musik einfach das Schönste für mich ist." Nun ist der Literat der Posaune endgültig verstummt.

Kommentare (1)

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AndiK
0
3
Lesenswert?

Vielen, vielen

Dank für die wundervollen Jazzsommer in Graz unter Ihrer Leitung Herr Kleinschuster!

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