Sie haben weder einen Klescher noch zynische Pointen in Dauerschleife in petto: Sie ermitteln einfach und bleiben sich dabei meist treu. Das ist die große Stärke des klugen, beseelten und auf Polizeiarbeit fokussierten Franken-Duos Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel); nebst heiterem Begriffe-Raten auf Fränkisch ("Lebbdobb").

Der Fall "Warum" scherte aus der Reihe der glänzenden Fälle mitsamt intelligenten Dialogen aber aus. Warum? Weil die Gefühle dieses Mal überhandnahmen – allerorts und unkontrolliert. Der verknallte Kriminalhauptkommissar und seine Honigfrau (Maja Beckmann) verabredeten sich zu einem Godard-Film im Kino, beide schwärmten über das Werk und das Gegenüber. Nur eines stimmte sie traurig: Erzählt wurde von einer Liebe, die vorbei ist. "Je ne t’aime plus. Das ist der schrecklichste Satz, den es gibt", sagte die Honigfrau. Nämlich: Ich liebe dich nicht mehr. Dann klingelte das Handy von Voss und an seinem Gesichtsausdruck ließ sich ablesen, dass er einen deutlich schlimmeren Satz zu hören bekam.

Leid und Liebkosungen

Was war passiert? Einer der Hauptverdächtigen hatte nach harter Befragung Suizid verübt. Voss wollte seinen Job an den Nagel hängen, viele zärtliche Worte von seiner Polizei-Partnerin waren vonnöten. Auch das Mordopfer, ein beliebter IT-Techniker, war verliebt. In einem Moment fläzte er sich noch mit seiner Geliebten in den Laken, liebkoste ihren Körper mit Worten, im nächsten Moment war er tot, während seine Mutter mit Braten vergebens auf ihn wartete.

Tatort
Beeindrucken als Eltern des Opfers: Valentina Sauca und Karl Markovics
© ORF

Zwischen hingebungsvoller Liebe und untröstlichem Schmerz lagen in diesem "Tatort" nur wenige Sekunden. Das schmerzte beim Zuschauen. Wie die Eltern des Opfers (großartig als Trauernde: Valentina Sauca und Karl Markovics) leiden, ihre Wut hinter der Fassade der schockgefrorenen Gesichter kocht, ist beklemmend. Es raubt ihnen die Sprache, während sie ihm weiter auf die Sprachbox reden. Wissend, dass er es nicht mehr hört.

Wäre "Warum" unter der Regie von Max Färberböck als TV-Drama mit Tiefenbohrung in die dunkelsten Ecken der menschlichen Seele konzipiert, könnte es als furchtlose Hinterbliebenen-Story funktionieren. Als Krimi der Sonntagabend-Instanz fehlte dem Fall jedoch eine essenzielle Zutat: Spannung. So musste der gesamte Plot über mafiöse Strukturen in der Pharmabranche und liebenswerte, aber zutiefst korrupte Vorgesetzte hastend im letzten Drittel fertig erzählt werden. Und gefühlstechnisch war die Luft irgendwann sowieso draußen. Denn: Gekriegt hatten sich die in Frühlingsgefühlen Gebadeten nämlich auch längst.

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