Zum 70. GeburstagErwin Steinhauer: „Ich habe Konflikte lieber als Harmonie“

Erwin Steinhauer wird 70. Der Kabarettist und Kammerschauspieler über das Wahnsinnsgeseier dazu, fehlende Zivilcourage und seine Paraderolle als Hofrat.

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Erwin Steinhauer wird am 19. September 70 Jahre alt
Erwin Steinhauer wird am 19. September 70 Jahre alt © Christoph Kleinsasser
 

Herr Steinhauer, Sie werden  heute 70. Hat diese Zahl eine Bedeutung für Sie?
ERWIN STEINHAUER: Nein, das hat keine Bedeutung für mich. Ich verstehe nicht, warum beim 70er so ein Wahnsinnsgeseier gemacht wird. Der 69er war genauso schlimm und der 71er wird noch schlimmer. Aber, gut: Man muss sich feiern lassen, weil andere Menschen eine Freude daran haben. Ich bin eigentlich ein Geburtstagsflüchtling. Ich habe stets versucht, am 19. September zu arbeiten, damit ich nicht feiern muss.

Heuer hat Sie keiner engagiert?
Ich arbeite zwei Tage vorher und einen Tag nachher. Gerade am 19. habe ich heuer leider Pech gehabt (lacht).

Zu Ihrem Jubiläum wird, wie man in Wien sagt, ein Mords-Bahö gemacht: Steinhauer-Festspiele im ORF und das Buch „Der Tragikomiker“ erscheint. Beschreibt der Titel Ihr Gesamtwerk?
Ich habe mir diesen Titel gewünscht. Wenn ich jetzt den ganzen Auflauf betrachte, hätte ich es lieber „Nie wieder 70!“ benannt. Es ist schon sehr viel. Ich lebe sehr zurückgezogen und sehne mich schon wieder danach, dass Ruhe einkehrt.

Sie reüssierten in Fernsehserien, als Filmschauspieler, Kabarettist, Charaktermime an der Josefstadt und am Burgtheater. Ist die Vielfalt, das Zuhause-Sein auf so vielen Bühnen, Ihr Erfolgsrezept?
Ich wollte mich nie auf ein Standbein oder ein Spielbein verlassen, wobei das Standbein einem das sichere Einkommen beschert und das Spielbein dazu da ist, wozu man Lust hat. Mir wird, von meiner charakterlichen Struktur her, sehr leicht fad. Da ist die Abwechslung schon inkludiert.

Ihr Vater verlangte von Ihnen, etwas Gescheites zu machen. Also studierten Sie zunächst Geschichte und Germanistik ...
... und habe es nach fünf Jahren an den Nagel gehängt. Da war mir schon sehr fad. Dass ich dann Kammerschauspieler geworden bin, ist eine Ironie. Das Ende einer Karriere wird ja oft mit einem Titel gefeiert.

Einspruch! Das Ende einer Karriere scheint noch weit weg. In der Krimireihe „Die Toten von Salzburg“ haben Sie eine wundervolle Rolle als Hofrat, der bei Mama wohnte und sich nach ihrem Tod outete. Macht so eine Figur Spaß?
Wahnsinnig! Ich habe das Drehen der letzten Folge, bei der ich meinem Landtagspräsidenten und damit der konservativen Gesellschaftssicht so einiges hineinsagen durfte, sehr genossen. Dass ich so etwas zur Prime-Time sagen kann, war mir ein Genuss. Und Anliegen.

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