Zum Applaus versammeln sich am Ende gut 30 Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne: Alte, Junge, Kinder, gedrängt wie auf einem Wimmelbild, oder wie auf einem Familienfoto. Und das ist „Leopoldstadt“ ja gewissermaßen, eine Familiengeschichte im Panoramaformat: Das Stück beschreibt die Geschicke einer jüdischen Wiener Familie vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Staatsvertragsjahr 1955. Während sich anfangs Dutzende Mitglieder der Familie Merz-Jakobovicz im großbürgerlichen Salon tummeln, werden nach dem Holocaust nur noch drei von ihnen am Leben sein. Deren jüngster wird seine Kindheit und Herkunft verdrängt haben und zum Briten geworden sein. Auf der Bühne ist er der Stellvertreter seines Autors Tom Stoppard. Der zählt mit Stücken wie „Rosenkranz und Güldenstern“ und „Das einzig Wahre“ zu den bekanntesten Dramatikern Großbritanniens und hat mit „Shakespeare in Love“ und „Enigma“ einige der erfolgreichsten Drehbücher des britischen Kinos verfasst.