Kritik "Zauberflöte": Eine Gute-Nacht-Musik in der Zirkusarena

Hereinspaziert, hereinspaziert in die „Zirkuszauberflöte!“: Lydia Steier inszeniert Mozarts Singspiel in einer glitzernden Traumwelt. Nicht nur Glanz herrscht unter Constantinos Carydis auf der Bühne und im Graben.

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SALZBURGER FESTSPIELE 2018: FOTOPROBE 'DIE ZAUBERFLOeTE'
Maro Peter als Tamino und die drei Knaben im Zirkus-Ambiente © APA/BARBARA GINDL
 

„Die Zauberflöte“ stand bereits 39 Mal auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele, zuletzt 2012 in der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog mit Nikolaus Harnoncourt am Pult. Aber so turbulent gezeigt wurde  Mozarts Singspiel wohl noch nie wie beim Salzburger Regiedebüt von Lydia Steier

Denn die 40-jährigen Wahlberlinerin aus Connecticut, deren jüdische Großeltern 1938 aus Wien in die USA geflüchtet waren, wählte für die Deutung des Zweiakters aus Mozarts Todesjahr 1791 einen Kniff: Um die langen Zwischendialoge zu umgehen, setzt sie die „Zauberflöte“ in eine Rahmenhandlung, die 1913 spielt. Ein Großvater einer Wiener Bürgerfamilie erzählt seinen Enkeln (den drei Knaben) die Handlung der Oper als Gute-Nacht-Geschichte.

 

Christiane Karg (Pamina) Foto © ORF

Klaus Maria Brandauer hatte die Rolle des Erzählers vom erkrankten Bruno Ganz übernommen. Mit seinen eindringlichen Märchen für die Buben (hervorragende Sängerknaben) geht eine Traumwelt auf, genauer: zumeist eine Zirkuswelt. Da fliegen Keulen, schweben Körper, hampeln Clowns, staksen Stelzengeher, grimassieren Riesenmasken, tanzen Bären ... Und in diese Arena setzt Steier die Geschichte rund um den jungen Prinzen Tamino, der sich auf die Suche nach der entführten Königstochter Pamina macht. Ihre Sicht auf Mozarts hybrides Werk ist durchdacht und lebendig, aber zunächst etwas harmlos. Erst im zweiten Akt folgt mehr Tiefgang: Arbeiteraufstand, der Mensch im Laufrad der Maschinenwelt, der heranstampfende Moloch Krieg. Etwas zu viel gewollt vielleicht, aber große Lebensprüfungen gab es schon immer, nicht nur für Tamino: „Der, welcher wandert diese Straßen voll Beschwerden...“

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Maria Nazarova (Papagena) und Adam Plachetka (Papageno) Foto © ORF
In dieser kaleidoskopischen Deutung von Zauberpossen, Aufklärungsgedanken, Freimaureridealen und Love Story machen die wandelbaren, oft fast filmstillartigen Bühnenbilder von Katharina Schlipf im Großen Festspielhaus Staunen, und auf den von Ursula Kudrna fantasiereich gestalteten Kostümen funkeln Tausende von Swarovski-Kristallen.

 

Salzburger Festspiele: Erste Premiere

Klaus Maria Brandauer übernimmt die Rolle eines Erzählers

Ruth Waltz

Die drei Knaben mit Tamino (Mauro Peter)

Ruth Waltz

Papageno (Adam Plachetka), Klaus Maria Brandauer (Großvater)

Ruth Waltz

Christine Karg als Pamina mit den drei Knaben

Ruth Waltz

Monostatos (Michael Porter) mit Pamina (Christine Karg)

Ruth Waltz

Hier wieder die Pamina, diesmal mit Sarastro (Matthias Goerne)

Ruth Waltz

Zirkusreif: Die neue Salzburger "Zauberflöte" in der Regie von Lydia Steier

Ruth Waltz

Gespielt wird im großen Festspielhaus

Ruth Waltz

"Bei Männern, welche Liebe fühlen". Plachetka und Karg beim berühmten Duett

Ruth Waltz

Der Hölle Rache kocht in ihrem Herzen: Die Königin der Nacht, gesungen von Albina Shagimuratova

Ruth Waltz

Das neue Bühnenbild

Ruth Waltz

Mozarts Oper erinnert eher an die "Dreigroschenoper"

Ruth Waltz

Zum Schauen: Eine Szene aus dem "Variete" Salzburger Festspielhaus

Ruth Waltz

Pamina ist unter die Messerwerfer gekommen

Ruth Waltz

... und noch ein paar weitere Impressoinen von der Aufführung

Ruth Waltz
Ruth Waltz
Ruth Waltz
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Glanz auch und unter den Solisten und im Graben, wenn auch nicht durchgehender: Nicht so souverän wie gewohnt Matthias Goerne als Sarastro/Zirkusdirektor; ihm liegt die Partie einfach zu tief. Albina Shagimuratova ist wie schon 2008 eine stratosphärische Königin der Nacht, allerdings diesmal mit Widderhörnern als Krone. Fein besetzt auch die Papagena mit Maria Nazarova und Papageno mit Adam Plachetka, der aber noch spielfreudiger sein könnte. Mauro Peter taut als Tamino/Gardeoffizier erst langsam auf. Christiane Karg hingegen ist mit ihrem hellen Sopran eine quicklebendige Pamina/Harlekina. Umgeben von einem sehr guten Ensemble, kann das Paar nach einigen Ängsten, Reifeprüfungen und labyrinthischen Widerständen mit allen den Sieg der Liebe feiern, der auch an  der hereingeschobenen Armada an Kinderwägen für die vielen kleinen Papapapapapagenos und Papapapapapagenas abzulesen ist.

 

Die Zauberfloete
llse Eerens, Paula Murrihy, Geneviève King (die drei Damen) mit Albina Shagimuratova (Die Königin der Nacht) Foto © ORF

Constantinos Carydis dirigierte erstmals eine Festspiel-Oper: mit weit ausholenden Gesten frisch, feurig und scharf akzentuierend, aber auch sinnlich. Die gut aufgelegten Wiener Philharmoniker, durch das zuweilen Temporauschige des 44-jährigen Griechen (schon in der Ouvertüre) da und dort an ihre Grenzen gebracht, sowie der präsente Wiener Staatsopernchor trugen das Ihre zu einer farbreichen Interpretation bei. Riesenapplaus bei der Premiere für diese schillernde „Zirkuszauberflöte“, dazwischen ein paar Buhs für die Regie. 

Salzburger Festspiele: Das war die Eröffnung

Fototermin an der Salzach: Bundeskanzler Sebastian Kurz (rechts) bei einem Treffen mit den Premierministern Estlands, Jury Ratas (links) und Tschechiens, Andrej Babis (Mitte)

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Der EU-Vorsitz Österreichs lockt heuer die internationale Politspitze zu den Salzburger Festspielen und nutzt das auch für bilaterale Gespräche.

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Auch die Kulturprominenz gibt sich dann ein Stelldichein in der Mozart-Stadt - wie hier Klaus Maria Brandauer mit ORF-Reporterin Romy Seidl

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Eröffnet hat die Festspiele traditionell der Bundespräsident Alexander Van der Bellen, die Rede hielt der Historiker Philipp Bloom.

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Van der Bellen und seine Gattin Doris Schmidbauer luden Portugals Staatpräsident Marcelo Rebelo de Sousa ein. Weiters im Bild: Landeshauptmanngattin Christina Haslauer und Landeshauptmann Wilfried Haslauer

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Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler begrüßte das Who-is-Who der Weltpolitik.

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Traditionell locken die Festspiele auch viele Zaungäste an.

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Viel Spaß mit den weiteren Bildern!

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Zur Oper

"Die Zauberflöte": Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart in zwei Aufzügen KV 620 (1791)
Libretto von Emanuel Schikaneder. Neuinszenierung, in deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln. Dauer: ca. 3 Stunden

Constantinos Carydis: Musikalische Leitung
Lydia Steier: Regie
Katharina Schlipf: Bühne
Ursula Kudrna: Kostüme
Olaf Freese: Licht
fettFilm: Video
Ina Karr: Dramaturgie

Matthias Goerne: Sarastro
Mauro Peter: Tamino
Albina Shagimuratova: Die Königin der Nacht
Christiane Karg: Pamina
Ilse Eerens: Erste Dame
Paula Murrihy: Zweite Dame
Geneviève King: Dritte Dame
Adam Plachetka: Papageno
Maria Nazarova: Papagena
Michael Porter: Monostatos
Tareq Nazmi: Sprecher
Simon Bode: Zweiter Priester / Erster geharnischter Mann
Birgit Linauer: Alte Papagena
Klaus Maria Brandauer: Großvater
Wiener Sängerknaben: Drei Knaben

Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger: Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

Information und Karten (nur noch für 4. August, alle anderen Vorstellungen sind ausverkauft): Tel. (0662) 8045-500. salzburgerfestspiele.at

 

 

 

 

 

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