Das Outfit (Anmerkung: Sie trug unter einer offenen Bluse einen blauen BH), das Sängerin Mathea beim Ukraine-Benefizkonzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion trug, sorgte für Kritik – von Claudia Stöckl bei "Frühstück bei mir" und auch Schauspielerin Edita Malovčić meinte: "Mädchen, pack deine Brüste ein." Was die Gewinnerin des "Amadeus Music Awards 2021" über ihre eigene Kleiderwahl denkt, ob sie ihren Stil danach geändert hat und wann es musikalisch Neues von ihr gibt, hat sie im Interview mit der Kleinen Zeitung erzählt.

Sie sind mit über 200 Millionen Streams die meistgehörte Künstlerin Österreichs. Werden Sie mittlerweile auf der Straße erkannt?
MATHEA: Vor allem, wenn ich auf frequentierten Plätzen in Österreich herumschlendere, gibt es sehr viele Leute, die ein Foto machen oder ein Autogramm haben wollen. Einige aber sprechen mich auch einfach nur an, um mit mir zu plaudern. Und manche trauen sich nicht, mich anzusprechen und machen dann heimlich Fotos.

Das ist sicher ein seltsames Gefühl, oder?
Ja, daher meide ich auch viele Orte, wo ich weiß, da könnte es unangenehm für mich werden. Aber meistens sind es halt 'cute girls', die viel zu schüchtern sind, um mich zu fragen. Da ist es eher verzeihbar, aber trotzdem unangenehm.

Apropos unangenehm – Sie wurden ja für Ihr Outfit beim Benefizkonzert kritisiert. Haben Sie das Gefühl, das Thema Kleidung ist noch immer stark sexualisiert?
Das beste Beispiel war mit Maurice (Anm.: Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst) im Happel-Stadion. Er war oberkörperfrei und hat seine Nippel nicht verdeckt. Das war überhaupt kein Problem. Und bei mir war es ein heftiges. Wir waren am selben Ort und fast zur gleichen Zeit – nur eine Viertelstunde nacheinander – auf der Bühne, es waren die gleichen Leute da, wir hatten die gleichen Voraussetzungen.

Und nur bei Ihnen wurde es thematisiert?
Ja, und das hat natürlich damit zu tun, dass wir Frauen immer sexualisiert werden. Das Tun rückt in den Hintergrund und das Aussehen ist immer das Erste, worauf man schaut. Das ist immer wichtiger als alles andere, was wir machen. 

Davon lassen Sie sich aber nicht beirren?
Auf keinen Fall. Direkt nach der Kritik hatte ich ein Shooting für eine bekannte Unterwäsche-Firma und war sogar aufgestachelt und dachte mir: 'Jetzt erst recht, jetzt zeige ich ihnen, wie es geht.' Ich habe junge, weibliche Fans und möchte das nicht so stehen lassen. Wenn ich dann nur noch im Wintermantel auftreten würde, könnten sie denken: 'Das war wahrscheinlich wirklich ein Fehler von ihr.' Dann schränken sie sich vielleicht auch in ihrem Tun ein und wo kommen wir dann hin? Alleine für meine Fans muss ich da dagegen halten, aber natürlich auch für mich selbst einstehen.

Sind Sie auf der Bühne dieselbe Mathea wie im Privaten?
Die Texte und Songs sind von der privaten Mathea und die 'Öffentlichkeitsmathea' transportiert sie nur. Ich würde schon sagen, ich bin in einer Art Rolle, bin aber trotzdem immer ich selbst.

In gewisser Weise schlüpfen die Leute beim Bodypainting ja auch in eine andere Rolle, indem sie sich bemalen lassen. Ist es Ihr erstes Mal beim Festival in Klagenfurt?
Ja, und ich bin schon sehr gespannt. Ich kann es mir in etwa vorstellen, weiß aber nicht so recht, was mich erwarten wird. Ich hoffe, ich habe auch vor meinem Auftritt Zeit, mir ein bisschen was anschauen zu können und habe einen aus meinem Team herausgefordert, sich wie Homer Simpson anmalen zu lassen. Mal schauen, ob es so weit kommt.

Was ist dann nach dem Festival geplant?
Wir arbeiten sehr intensiv an neuen Songs für mein zweites Album. Ziemlich sicher kommt sehr bald neue Musik, die wir gerade noch finalisieren. Und dann geht es im Herbst erstmal auf Tour.